In einem Handbuch mit "Anweisungen und Regeln für Studierende" des Johann Christian Fick von 1812 fand sich erstmals die Regionsbezeichnung "Fränkische Schweiz". Deshalb feiert vor allem das Fränkische Schweiz- Museum in Tüchersfeld dieses 200-jährige Jubiläum unter anderem mit einem Vortrag von Matthias Stickler, Historiker an der Uni Würzburg, zum Thema Studentenverbindungen.
Stickler tauchte mit seinen Betrachtungen ein in die Zeit des 19. Jahrhunderts, als die Studenten der Erlanger Universität, allesamt aus dem gehobenen Bürgertum stammend und daher nicht unvermögend, die Fränkische Schweiz wegen ihrer "romantischen Landschaft" besuchten. Zuerst ging das nur mit eigenen Pferden oder auf den Kutschenrouten.

Ab 1851 per Omnibus


Den ersten Eilwagenkurs in Bayern nahm die Post 1826 auf der Traditionsstrecke Nürnberg- Streitberg- Hof in Betrieb. 1851 trat ein neues Verkehrsmittel auf den Plan: der Postomnibus. Er war damals noch mit Pferden bespannt. Mit ihm sollten auch abseits gelegene Gebiete erschlossen und an die Eisenbahn angebunden werden. Erst 1891 kam die Eisenbahn in die Region, auf der Strecke von Forchheim nach Ebermannstadt und damit die bequeme Anreise. Studentenverbindungen pflegten nach Stickler zwei große Hobbies: die Mensur (Fechtduelle) und das Feiern.
Die Mensur fand, da in vielen Städten offiziell verboten, im Geheimen statt, Feiern dagegen war öffentlich und gesellschaftsfähig. So schrieb der Schriftsteller Friedrich Mayer 1836: "Als ich in Erlangen studierte, gehörte es zum totalen sehenswerth eines Studenten, Streitberg und Muggendorf wenigstens einmal im Jahr besucht zu haben". Auch er benutzte dabei die "klassische" Route über Baiersdorf und Forchheim nach Ebermannstadt.
"Hinter Kirchehrenbach hat sich der Bildungstrieb der Natur eine entschiedenere Physiognomie geschaffen, die in dem Thale von Streitberg bis Muggendorf den Ausdruck einer freien poetischen Romantik erhält" - womit auch der romantische Aspekt behandelt war.
Natürlich besuchte auch Mayer "seine Exkneipen", wie die Wirtshäuser heißen, in denen Studentenverbindungen regelmäßig verkehrten. "In Muggendorf setzte ich mich an jene Tische, in welche die vielen Namen eingeschnitten sind und trank aus den Gläsern mit den kleinen hölzernen Deckeln, aus denen ich so viel gezecht und smollirt hatte. Es faßte mich eine sehnende Rührung. Wir waren uns ehemals gut oder haßten uns aus der kleinlichen Rücksicht, daß wir verschiedene Farben trugen". Mit den Farben meinte Mayer die Farbbänder, die viele Studentenverbindungen um den Oberkörper geschwungen tragen, um sich als Mitglied einer bestimmten Verbindung erkennen zu geben. Dieser Brauch, so Stickler, geht zurück auf das Mittelalter, als erste Verbindungen an den wenigen europäischen Universitäten entstanden, weil man die Studenten der Sprache wegen nach Ländern "sortierte".

Muggendorf war "in"


Bei dem erwähnten Wirtshaus in Muggendorf könnte es sich um den "Goldnen Stern" gehandelt haben. Nach August Sieghardts Heimatbuch über die Fränkische Schweiz "trafen sich die Studenten beim Mühlhäuser seit 1796", weil jene "für das bunte Leben und Treiben der Erlanger Musensöhne das nötige Verständnis" aufbrachten.
Die berühmtesten Erlanger Studenten, die jemals die fränkische Schweiz durchstreiften, waren Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck, die ihre Reiseeindrücke während ihres Pfingsturlaubes festhielten und damit die Region in Berlin bekannt machten.
Und so schließt sich der Kreis: Studenten verdanken wir letztendlich die Regionsbezeichnung "Fränkische Schweiz" und Studenten verdankt die Region den frühen Bekanntheitsgrad, woraus eines der ältesten deutschen Urlaubsgebiete entstanden ist.