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Waischenfeld
Urlaubsgrüsse (22)

Waischenfelds herbe Schönheit

Im Jahr 1789 begann in Waischenfeld das touristische Zeitalter. Gerühmt wurde unter anderem, dass die dortigen Forellen die Größe kleiner Karpfen hätten.
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Waischenfeld auf einer Postkarte von 1898
Waischenfeld auf einer Postkarte von 1898
"Unser staatlich anerkannter Luftkurort Waischenfeld liegt, eingebettet im Tal der Wiesent, im Naturpark Fränkische Schweiz. Aktive Menschen und erholungssuchende Familien finden bei uns alles, was das Herz begehrt" - mit diesen Worten wendet sich die Stadt heute auf ihrer Homepage "an den verehrten Gast und lieben Urlauber".

Und recht hat sie: Der Tourismus in Waischenfeld begann schon sehr früh, genauer im Juni 1798. In jenem Jahr weilte ein hoher Gast im Ort: Ernst Moritz Arndt, damals als Patriot und Freiheitsdichter sehr bekannt. Am 21. Juni besuchte er Waischenfeld, wo er im Gasthof "Rotes Roß" eine Nacht Quartier nahm. Dies beweist der entsprechende Gästebucheintrag.

Eine raue und wilde Gegend

Einer lieben Gewohnheit folgend erklomm er "ein hohes Gestein" und dichtete beim Anblick des friedlich im Tal liegenden Städtchens voller Poesie das berühmte Gedicht "Hier auf und zwischen den Altären".

Nicht ganz so begeistert äußert sich Arndt anschließend über Waischenfeld: "Es liegt in einem tiefen, engen Thale und man ist fast in den Toren, ehe man es sieht. Die rauhe und wilde Gegend umher sieht wie eine Nachgeburt des alten Chaos und Crebus aus, in so mancherley Gruppen und Klumpen sind die Kalksteine hingeworfen, ohne alle Verhüllung und Bekleidung ihrer traurigen Nacktheit."

Mit seiner Reisebeschreibung durch die Fränkische Schweiz und Waischenfeld, die er auch als Buch veröffentlichte, lockte Arndt weitere berühmte Gäste an, darunter den Zeichner und Maler Ludwig Richter, der im August 1837 "zwey Nächte zum Vergnügen" - so lautet der Gästebucheintrag in der Post - übernachtete und tagsüber auf Wanderungen seine Erlebnisse in Zeichnungen und Tagebucheinträgen festhielt. "Wie viel Liebliches und Schönes ich hier finde", schreibt er in sein Tagebuch, "kann ich gar nicht sagen." Und weiter schrieb Richter über seine Zeit in der Fränkischen Schweiz: "Die Wirtsstube, ihre Gerätschaften, das interessante Volk, Sprache und Tracht, die ganze Gegend Schritt für Schritt, gibt mir Interessantes, ja Bilder, und zwar in einem Charakter, wie ich ihn immer zu finden wünschte. Meinem Leibe geschieht auch kein Abbruch, das köstliche Bier (der Krug zwei Kreuzer oder sechs Pfennige), die ganz ausgezeichneten Forellen von der Größe kleiner Karpfen."

Vor und nach Ludwig Richter kamen auch Könige und Prinzen nach Waischenfeld. 1830 war Bayernkönig Ludwig I. auf dem Weg nach Burg Rabenstein, 1837 Kronprinz Max von Bayern als Übernachtungsgast, und am 6. Juli 1851 nahmen hier in der Post König Maximilian II. und Königin Maria das Mittagsmahl ein. Es dauerte aber noch bis 1885: Erst dann erkannte man die Zeichen der Zeit und gründete - 20 Jahre nach Gößweinstein - einen Heimat- und Verschönerungsverein, der sich dann laut Satzung um den Fremdenverkehr kümmerte. Wie wichtig man diese Aufgabe damals nahm, sah man an der Zusammensetzung des Vorstandes: 1. Vorstand war Pfarrer Fugmann, Zweiter Vorstand Bürgermeister Hofmann, Dritter Vorstand Apotheker Bohe, Vierter Vorstand Lehrer Spörlein senior und Fünfter Vorstand Lehrer Pflaum.

Deutlicher Zuwachs

Die Arbeit des Vereins, die sich in erster Linie auf das Ausweisen und Beschildern von Wanderwegen erstreckte, zahlte sich bald aus: Im Jahre 1929 berichtete die Statistik: "In Waischenfeld ist im heurigen Jahr ein ziemlich gesteigerter Fremdenverkehr zu verzeichnen: Die Zahl der Fremden betrug 1427, mit 3616 Übernachtungen. 1930 ist das Kinderheim fertig geworden, was ebenfalls zu einer Steigerung des Fremdenverkehrs beitrug. Ganz außergewöhnlich ist die Steigerung in Waischenfeld: Von 3239 auf 7134 Übernachtungen", berichtete die Statistik 1931.

Und 1932 waren es schon 1622 Gäste mit 11 875 Übernachtungen. Im Vergleich dazu hatte Waischenfeld im vergangenen Jahr rund 23 000 Gäste mit 80 000 Übernachtungen. Die Stadt und der Verschönerungsverein tun einiges, um den Tourismus auch weiterhin zu fördern. Sehr populär bei den Gästen sind die geführten Wanderungen nach Aufseß. Mit dem Hotel "Zur Post" verfügt Waischenfeld zudem über das bettenmäßig größte Haus der ganzen Region, was sich auch in der Zahl von Gruppenaufenthalten entsprechend niederschlägt.

Und die gemeindeeigene Burganlage ist an eine Event-Agentur vermietet, die von Mittelalterspielen bis hin zu Firmenevents, Tagungen und Familienfeiern ein breites Spektrum kurzweiliger Unterhaltungen anbietet. Heuer feiert der Ort 700 Jahre Stadterhebung mit einigen überregionalen bedeutsamen Festen.

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