Waischenfeld
Jubiläum

Waischenfeld: vor 50 Jahren wurde "Christophorus" geweiht

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde die Statue an der Zeubachbrücke eingeweiht. Sie ersetzt eine beschädigte Nepomukfigur.
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Die Figur des heiligen Christophorus an seinem ursprünglichen Standplatz (Ausschnitt), links neben der kleinen Brücke. Eine Aufnahme von 1985. Foto: Reinhard Löwisch
Die Figur des heiligen Christophorus an seinem ursprünglichen Standplatz (Ausschnitt), links neben der kleinen Brücke. Eine Aufnahme von 1985. Foto: Reinhard Löwisch
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"Schuld" am Kauf der neuen Brückenfigur im Jahre 1966 waren letztendlich einige Nazisoldaten, die während der 30er Jahre im alten Rentamt, dem Vorgängerbau der heutigen Schule, lebten. Die Lokalpresse berichtete über den Frevel von 1935, der im Ort große Wellen schlug, ausführlich: "Drei junge Leute, gebürtige Österreicher, waren Anfang dieses Jahres in Waischenfeld in einem SA-Lager. In der Nacht zum 8. Juni zechten die Burschen und waren dann ziemlich angeheitert. Als sie an die kleine Brücke (Zeubachbrücke, die Red.) kamen, schlug einer der dort stehenden steinernen Statue des heiligen Nepomuk den Kopf ab. Dann gingen sie zur Wiesentbrücke (bei der Stadtmühle, die Red.) wo ebenfalls eine Nepomukstatue steht. Auch dieser schlug man den Kopf ab und warf ihn in den Fluss." Die Köpfe wurden wieder geborgen und den Standfiguren aufgesetzt.
Beim Nepomuk an der Wiesentbrücke hat diese Schandtat keine Spuren hinterlassen, der Nepomuk an der Zeubachbrücke war offensichtlich zu stark beschädigt, sodass die Figur trotz eines Restaurierungsversuchs nicht mehr zu retten war. Deshalb entschloss sich Pfarrer Johannes Völker, eine Christophorus-Figur aufstellen zu lassen. Den "Christusträger" wählte er deshalb, weil hier in der Vorstadt am Plärrer in den 60-er Jahren, die damals beliebten Fahrzeugsegnungen stattfanden.


Am 27. Februar eingeweiht

Am Sonntagnachmittag, 27. Februar 1966, war es soweit: Eine große Menschenmenge versammelte sich am Plärrer, um zwischen der Landschule und der alten Bogenbrücke über die Zeubach den Brückenheiligen Christophorus feierlich einzuweihen. Pfarrer Johannes Völker, der alle Vorarbeiten bis zur Aufstellung selber organisiert hatte, begrüßte die Honoratioren der Stadt und erinnerte in seiner Ansprach daran, "dass Waischenfeld einst viele Kunstschätze barg" und man nicht nur den materiellen Wert einer Sache sehen soll, "sondern auch die kulturelle Werte". Er schloss mit dem Wunsch, dass die Statue des heiligen Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter als Schutzheiliger der Kraftfahrer diese stets an ihre große Verantwortung erinnern sollte.


Kosten: 9000 Mark

Die aus Kirchheimer Muschelkalk von dem Münchner Bildhauer Klaus Brackmund geschaffene, fast drei Meter hohe Figur kostete damals rund 9000 Mark. Spenden kamen vom Bayerischen Kultusministerium (3500 Mark), von den Henschel-Werken aus Bad Staffelstein (1100 Mark) und aus einer örtlichen Sammlung (317 Mark). Den Rest übernahmen der Heimat- und Verschönerungsverein, die Stadtverwaltung und weitere Spender. Nach der kirchlichen Weihehandlung durch Kaplan H. Melcher dankten Erster Bürgermeister Schroll namens der Stadtgemeinde und der Erste Vorsitzende Karl Herzing für den Heimat- und Verschönerungsverein dem Stadtpfarrer Völker für seine Bemühungen um die kulturellen Belange Waischenfelds.
Pfarrer Johannes Völker, 1986 verstorben, war von 1956 bis 1974 Waischenfelder Ortspfarrer und seit 1968 Ehrenbürger der Stadt. Das aktive CSU-Mitglied saß von 1966 bis 1972 im Kreistag in Ebermannstadt. In seine Amtszeit fiel die Erweiterung des Friedhofs, der Umbau der Pfarrkirche und die Renovierung der Anna-Kapelle. Er öffnete den Pfarrhaus-Park für das beliebte "Parkfest" und ist Mitbegründer der Malteser-Ortsgruppe in Waischenfeld. In Erinnerung bleibt er auch als Fotograf und Filmemacher, der in seinen Vorträgen die Schönheiten und Besonderheiten der Umgebung präsentierte.
Bürgermeister Hans Schroll, 1894 geboren und 1976 verstorben, ist 1946 als Nachfolger von Hans Friedmann Bürgermeister der Stadt Waischenfeld geworden. 20 Jahre begleitete er das Ehrenamt. 1966 wurde er aus Altersgründen von Hans Schweßinger abgelöst.
In seiner Amtszeit gab es noch die Not der Nachkriegsjahre, als mehr Flüchtlinge in Waischenfeld wohnten als Einheimische. Es galt unter anderem Unterkünfte zu organisieren, den Straßenbau und die Wasserversorgung zu verbessern, ein neues größeres Schulhaus zu bauen. Er siedelte drei große Firmen an und unterstützte den Bau der Joseph-Otto-Kolb-Siedlung. Schroll war zudem von 1952 bis 1966 Mitglied des Ebermannstädter Kreistages, viele Jahre Mitglied des Waischenfelder Kirchenrates und lange Zeit Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenkasse.
Karl Herzing ist 1984 mit 69 Jahren gestorben. Er war zuletzt Ehrenvorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins, Feuerkommandant und Gemeinderat. Ihm hat Waischenfeld den Aufbau des Fremdenverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdanken. 1948 war er Gründungsmitglied des Heimatvereins, den er bis 1975 führte. In der Zeit er holte die Berliner (Reisebüro Napirala) nach Waischenfeld, gründete ein städtisches Reisebüro, sorgte für die Anlage von Wanderwegen und schloss Verträge mit dem Reisebüro Strier aus Ibbenbüren, das bis heute hunderte Reisebusse mit Gästen hierher brachte. Ironie des Schicksals: Christophorus, der Beschützer der Kraftfahrer, Straßenwärter und Reisenden musste vom alten Standort weichen, damit die Straße zum Buchberg etwas breiter werden kann. Er steht heute etwa 20 Meter westlich der Straße, Richtung "Eselsteg".
Christophorus (der Name ist griechisch und heißt übersetzt "Der Christusträger"), ist laut Heiligenlexikon Patron unter anderem der Kraftfahrer und Straßenwärter. Sein Gedenktag ist der 24. Juli. Von ihm gibt es viele Sagen und Geschichten.
Die bekannteste, die auch Grundlage für Figur war, ist folgende: Christophorus war sehr groß und wollte deshalb nur den mächtigsten Menschen dienen. Eines Tages sagte ihm ein Einsiedler, Christus sei der mächtigste Mensch auf der Welt. Ihm zu dienen übernahm er die Aufgabe, Menschen auf dem Rücken über einen gefährlichen Fluss zu tragen. Eines Nachts trug er ein Kind auf der Schulter, um den Fluss zu überqueren. Die Last wurde ihm immer schwerer, das Wasser schwoll an, er fürchtete zu ertrinken und glaubte, die ganze Welt läge auf seinen Schultern. "Mehr als die Welt hast du getragen", sagte das Kind zu ihm. "Der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde". Das Kind drückte ihn unter das Wasser und taufte ihn so.
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