Forchheim
Niedergang

Vom FC Germania 08 Forchheim wird nichts bleiben

Seit Anfang des Jahres ist der FC Germania 08 Forchheim insolvent. In der Stadt Forchheim gibt es erste Überlegungen, was mit dem Gelände geschehen könnte.
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Im Stadion an der Wiesentbrücke spielten die Germania-Kicker seit 1979. Seit 2010 hat kein Spieler mehr den Platz betreten. Foto: Ekkehard Roepert
Im Stadion an der Wiesentbrücke spielten die Germania-Kicker seit 1979. Seit 2010 hat kein Spieler mehr den Platz betreten. Foto: Ekkehard Roepert
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ForchheimEs war der erste Fußballverein im Landkreis und er hieß FC Sturm Forchheim. Kurz nach seiner Gründung im Jahre 1908 folgte die Umbenennung in FC Germania 08 Forchheim. Ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr brachte es der Fußballclub dann zu fragwürdigem Ruhm: Mit 508 Gegentoren schoss sich die Kreisklassen-Truppe als "schlechteste Mannschaft der Welt" in die Schlagzeilen; Spieler und Funktionäre machten sich in Fernsehtalk-Shows zum Gespött der Nation, der sportliche und finanzielle Abstieg setzte sich fort.

Das Kuriose: Obwohl im Stadion an der Wiesentbrücke seit 2010 nur noch das Unkraut wächst und obwohl die Germania seit März 2016 insolvent ist, gibt es den Verein noch immer. "Als Ehemaliger ist es schon traurig, die Entwicklung zu sehen. Doch das Thema Germania dürfte gegessen sein", sagt Alfred Dossler, der sich einst über ein Jahr lang im Vorstand als Germania-Retter versuchte. Die Krise hatte begonnen, als ein früherer Vorstand Geld in seiner Firma unterschlug, bei der Germania 08 investierte und dann ins Gefängnis wanderte.

Dann versuchte Lothar Walenta den Laden zu retten. Auf dem Papier ist er noch immer als Vorsitzender eingetragen. Die aktuelle Lage kommentiert Lothar Walenta mit einem einzigen Satz: "Ohne Verein kann man kein Vorstand sein."


140 000 Euro Schulden

Das heißt: Juristisch gibt es den Verein noch. Und er hat auch "fünf oder sechs Mitgliedern", weiß Alfred Dossler, "aber seit drei Jahren hat niemand mehr was gemacht." Die Regie führt jetzt der Insolvenzverwalter Harald Schwartz aus Nürnberg. Das Verfahren werde "voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres" abgewickelt sein, prognostiziert der Wirtschaftsjurist (Universität Bayreuth) und Fachanwalt.

Die Schulden, die auf dem Verein lasten, beziffert er auf 140 000 Euro. Konnten die Gläubiger befriedigt werden? "Nein", sagt der Insolvenzverwalter, der alleine über die Zukunft des baufälligen Vereinsheims und die rund 1000 Quadratmeter Grund bestimmen kann. Die Entscheidung ist bereits gefallen: "Über das Grundstück bestimmt der Insolvenzverwalter, sprich ich. Das Grundstück wird verkauft."

Das Spielfeld jedoch ist nicht Teil der Insolvenz-Masse, es gehört der Stadt Forchheim. Die Germania hatte ihn im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages genutzt, sagt Thomas Jungbauer, der Chef des Liegenschaftsamtes. Da der Verein den Erbbauzins lange nicht mehr bezahle, werde es kein Problem sein, den Vertrag aufzulösen.

"Es gibt noch keine konkreten Pläne, wie wir den Platz dann nutzen", sagt Jungbauer. Die Bebauung sei eine Option, aber eine problematische. "Es ist ja Überschwemmungsgebiet da draußen", gibt Jungbauer zu bedenken. Auch eine Freizeitnutzung sei denkbar, sagt Jungbauer. Vielleicht auch wieder auf dem Areal des Germania-Vereinsheims. Jedenfalls habe die Stadt Forchheim beim Insolvenzverwalter ein Kaufangebot abgegeben.
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