Er mischt damit in der nächsten Saison in der Europa-League mit. Im Vereinslokal des Türkischen Kulturvereins in der Kasernstraße fieberten Forchheimer mit deutschen und türkischen Wurzeln beim Public-Viewing mit und stöhnten auf, als Hilbert seinen Elfmeter verschoss.
Schon zum Anpfiff herrscht ausgelassene Stimmung bei den 30 Fußballfans. Bis zur Pause hat Besiktas vorgelegt und liegt verdient mit 1:0 vorne. Alle im Vereinsheim warten gespannt auf den Einsatz des Forchheimer Profis Roberto Hilbert, der für Besiktas die Fußballschuhe schnürt, aber an diesem Abend nicht von Anfang an dabei ist. Im türkischen Vereinsheim hängt sogar ein handsigniertes Trikot von Hilbert, der unter den türkischen Fans auch der "deutsche Panzer" oder "der Zug" genannt wird.

Stolz auf Roberto


Uruc Taylan (51) kennt sich bestens aus im Fußball. Normalerweise drückt er für Galatasary Istanbul die Daumen, nachdem die Mannschaft aber in diesem Jahr in der Süper Lig keine Rolle mehr spielt, unterstützt er - wie auch die meisten Türken im Vereinsheim - Besiktas. Die Forchheimer Türken sind stolz darauf, dass ein junger Mann aus ihrer Stadt in der höchsten Spielklasse der Türkischen Liga kickt.
"Wenn Roberto mal in Forchheim zu Besuch ist, dann kommt er immer bei uns im Vereinsheim vorbei", sagt Taylan, der selbst einige Jahre für die SpVgg Jahn Forchheim aufgelaufen ist. "Fußball kennt eben keine Grenzen und verbindet Nationen miteinander", bekräftigt Uruc Taylan.
Neben ihm sitzt Stefan Geisler (49), der leibliche Vater von Roberto Hilbert, und hofft, wie auch die türkischen Fußballfans auf den Einsatz seines Sohnes aus erster Ehe. Stefan Geisler, der einige Jahre mit seiner Frau aus zweiter Ehe in Kenia gelebt hat und nun seit 2007 wieder nach Forchheim zurückgekommen ist, erzählt über Robertos Kindheit.
Der Vater ist damals, nachdem seine Frührente aus gesundheitlichen Gründen genehmigt wurde - Geisler war früher als Estrichleger beschäftigt -, nach Kenia ausgewandert und hat dort seine zweite Frau kennengelernt. So kamen zu seinen drei Kindern aus erster Ehe nochmal drei Töchter hinzu.

Das Runde war immer dabei


"Seit Roberto laufen konnte, war er praktisch immer mit dem Ball unterwegs", berichtet der Vater. "Wo andere Kinder Kuscheltiere mit ins Bett nahmen, da hatte Roberto den Fußball mit dabei", erinnert sich Geisler schmunzelnd zurück. "Selbst beim Toilettengang war der Ball oftmals dabei", so Geisler.
Geisler hat viele Jahre selbst Fußball gespielt, auch bei der SpVgg Jahn Forchheim. "Auch rechts außen, wie Roberto", fügt er hinzu. Als Roberto noch in Stuttgart gespielt hat, hat Vater Stefan jedes Spiel seines Sohnes vor dem Fernseher verfolgt. "Es ist immer der Wunsch von Roberto gewesen ein Fußballprofi zu werden", sagt der 49-Jährige. "Auf dieses Ziel hat er eisern hin gearbeitet".
Der Wunsch von Roberto ist auch in Erfüllung gegangen. Apropos Wunsch: Einen Wunsch hat Stefan Geisler auch. Nachdem er derzeit keinen Kontakt mehr zu Roberto hat, wünscht er sich, dass sich das wieder ändert: "Mich würde es sehr freuen, wenn Roberto einmal seine drei Halbschwestern kennenlernt." Roberto Hilbert selbst, erfüllt spät die Hoffnung der TKVler und von Vater Stefan auf und mit im Finale aktiv mit. Im Elfmeterschießen versemmelt er zwar seinen Elfmeter, darf sich schließlich jedoch über einen 6:5-Triumph und den Pott freuen. Da strahlt auch Vater Geisler - ein Happy-End gibt es schon mal.