Unterleinleiter
Festtag

Unterleinleiter feiert seinen neuen Laden

Viele Ehrengäste wie Landwirtschaftsminister Brunner waren dabei, als der "Laderer Dorfladen" am Samstag erstmals geöffnet hatte. Dass der Ort nun wieder einen Vollsortimenter hat, haben die Bürger aber vor allem sich selbst zu verdanken.
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Andrang vor dem neuen Mittelpunkt der Gemeinde: Die Eröffnung ihres Dorfladens ließen sich die "Laderer" nicht entgehen. Fotos: fra-press
Andrang vor dem neuen Mittelpunkt der Gemeinde: Die Eröffnung ihres Dorfladens ließen sich die "Laderer" nicht entgehen. Fotos: fra-press
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Es war noch früh am Samstagmorgen gegen 6 Uhr, als sich viele Menschen vor dem neuen Dorfladen in Unterleinleiter drängten. Warum? Die Öffnung des Geschäftes stand bevor, und sie alle wollten zu den ersten Kunden gehören, endlich die neuen Räumlichkeiten betreten und gleich noch die ersten Einkäufe erledigen. Und dann auch noch eine gute Tasse Frühstückskaffee genießen und in aller Ruhe das breitgefächerte Sortiment im neuen Einkaufsparadies begutachten.

Bei der Eröffnung des Dorfladens feierten sich die "Laderer" in erster Linie selbst - und das mit vollem Recht! Schließlich waren es die Bürger der Gemeinde selbst gewesen, die den geschäftslosen Zustand in ihrem 1000-Seelen-Dorf satt hatten und mit Reinhold Wunder und Elke Philipp an der Spitze selbst die Initiative ergriffen. Statt auf die Verantwortlichen aus Politik und Geschäftswelt zu schimpfen, nahmen sie selbst das Heft in die Hand.

Kein "Tante Emma Laden"

Im Juli dieses Jahres gründeten sie zunächst unbürokratisch eine Genossenschaft, der bereits am ersten Tag schon über 140 Frauen und Männer aus dem Ort beitraten. Dann sahen sie sich nach einem geeigneten Haus um, das schon bald mit dem früheren Sparkassengebäude gefunden war, und machten sich an die Verwirklichung ihrer Vision. Nicht einen "Tante Emma Laden" wollten sie aufmachen sondern einen Vollsortimenter, in dem auf dem kurzen Weg einfach alle Waren des täglichen Bedarfs zu bekommen sind.

Im Rückblick auf diese Leistungen wurde auch Bürgermeister Gerhard Riediger (NWG) in seiner Rede zur Eröffnung schon fast pathetisch, als er betonte, dass Heimat da sei, wo die Menschen sich mit ihr identifizieren und ein funktionierender Austausch von Sozialem und Kultur stattfinde. "Bloß hoffentlich kommen nicht immer alle auf einmal, wie am heutigen Tag, sonst müssen wir gleich noch einmal anbauen", scherzte der Bürgermeister angesichts des großen Andrangs.

Doch nicht nur die Bürger, auch zahlreiche Ehrengäste waren an diesem besonderen Tag in Unterleinleiter auf den Beinen: allen voran der Bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner (CSU), aber auch Landrat Hermann Ulm (CSU), die beiden Landtagsabgeordneten Michael Hofmann (CSU) und Thorsten Glauber (FW), Landwirtschaftsdirektor Andreas Knorr, viele Kreisräte und Bürgermeister sowie Vertreter der Volksbank Forchheim mit Vorstand Alexander Brehm und der Sparkasse Forchheim mit Vorstand Harald Reinsch.

Nichts für private Unternehmer

Sichtlich entspannt war der Vorsitzende der Genossenschaft, Reinhold Wunder, und machte in seiner Ansprache deutlich, dass ein Dorfladen in Gemeinden auf dem Land heutzutage schon fast unverzichtbar sei - für eine gesunde Entwicklung der Landwirtschaft und für eine intakte Versorgung der Menschen. Bei Gewinnquoten von gerade einmal 0,5 bis 1,0 Prozent sei eine wohnortnahe Versorgung in den kleinstrukturierten Orten überhaupt nur noch in Form einer Genossenschaft machbar und nicht mehr als privater Einzelunternehmer. Darüber hinaus werde überlegt, eine "Einkaufserziehung für Kinder" zu etablieren oder Besuchstouren auf den Bauernhöfen anzubieten, die mit ihren Frischeprodukten den Dorfladen beliefern.

Staatsminister Helmut Brunner gratulierte anschließend den Laderer Bürgern zu ihrer großartigen Begeisterung, mit der sie ihren Dorfladen realisiert haben. "Vor 30 Jahren wohnten in Unterleinleiter knapp 1300 Einwohner, sie kauften in den fünf Dorfläden ein, trafen sich in den damals noch sechs Gasthäusern, bis die demografische Entwicklung und der strukturelle Wandel auch vor dieser Gemeinde nicht Halt machten, die Läden und Wirtshäuser nach und nach alle schließen mussten", blickte Brunner zurück. Wie er weiter ausführte, konnte das Projekt "Laaderer Dorfladen" nur deshalb gedeihen, weil die Bürger mit ihrer intakten Dorfgemeinschaft und 19 Vereinen den dafür notwendigen, fruchtbaren Humus bildeten.

EU-Zuschüsse sind noch möglich

Als Landwirtschaftsminister freue es ihn besonders, dass die Genossenschaft von Anfang an auf regionale Produkte setze und dadurch Landwirte, Metzger und Bäcker aus der Umgebung mit einbeziehe. Brunner, der von seiner Ehefrau Diana begleitet wurde, betonte, dass er noch die Hoffnung habe, dass das Projekt in der nächsten LEADER-Periode noch Fördermittel erhalten kann. Für dieses Mal waren alle EU-Zuschüsse bereits verbraucht.
Für den Spruch des Tages sorgte schließlich MdL Michael Hofmann. Er habe nie daran gedacht, noch einmal ein Genosse zu werden, und noch dazu einer, der sein Geld auch gar nicht zurück haben möchte, sondern viel lieber dieses Vorzeige-Projekt unterstützen wolle.

Für MdL Thorsten Glauber sei es besonders bemerkenswert gewesen, dass das Vorhaben "Dorfladen" so sparsam durchgezogen wurde, dass dafür vom Freistaat Bayern gar kein Geld nötig war.

Nach einem von der Laderer Blaskapelle feierlich umrahmten ökumenischen Gottesdienst segneten der katholische Pfarrer Florian Stark und die evangelische Pfarrerin Ulrike Werner die neuen Räumlichkeiten und Mitarbeiterinnen des Dorfladens. Im Festzelt führte schließlich noch die Jugend der "Bletsch'n Bühne" Unterleinleiter unter der bewährten Regie von Maria Riediger einen Sketch auf, der sich mit - natürlich dem neuen Dorfladen beschäftigte.
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