Forchheim
Erinnerung

Unglück beim Annafest 2005: Ehemalige Pächterin meldet sich zu Wort

Augenzeugin Irmi Knaus verfolgt der tragische Unfall vom Annafest 2005 bis heute. Die Keller-Pächterin sagt, das Unglück hätte keiner verhindern können.
Artikel drucken Artikel einbetten
Irmgard Knaus stand im Ausschank (rechts), als das Unglück vor ihren Augen passierte.  Foto: Archiv
Irmgard Knaus stand im Ausschank (rechts), als das Unglück vor ihren Augen passierte. Foto: Archiv
"Es war ein Unwetter, höhere Gewalt", beteuert Irmgard Knaus, ehemalige Pächterin des Gottla-Kellers. Vor ihren Augen hatte sich auf dem Annafest das Drama am 29. Juli 2005 abgespielt, als ein Ast abgebrochen war und mehrere Menschen unter sich begraben hatte. "Als ich am Montag im Fränkischen Tag den Bericht über Anne Petrausch gelesen habe, hatte ich sofort wieder die Bilder von damals vor Augen", schildert sie.

"Ich möchte nicht, dass ein falscher Eindruck bleibt", betont Irmi Knaus. Sie erinnert sich an den Unglückstag, an dem die damals 15-jährige Anne Petrausch aus Effeltrich zur Invaliden wurde, als sei es gestern passiert. Es gab ein Gewitter, Regen prasselte auf die Bäume. Viele suchten Schutz unter Schirmen. Andere Festgäste aber feierten weiter.


Für niemanden erkennbar

So wie am Gottla-Keller. "Da gab es keinen Regenschutz", weiß die ehemalige Pächterin, "ich stand an der Schänke, als es urplötzlich knackte und aus acht Metern Höhen ein rund 30 Zentimeter dicker Ast auf die feiernden Gäste fiel." Niemand hätte erkennen können, dass der Ast im Innersten eine fingerdicke braune Stelle aufwies und deshalb einer plötzlich auftretenden Windböe nicht standhielt.

Erst wehte eine Staubwolke von den Gras-Terrassen Richtung Gottla-Keller. "Es hat ausgesehen wie ein kleiner Tornado, wie eine Windhose", bestätigt der Leiter des Forchheimer Ordnungsamtes, Klaus Backer, der damals als Gitarrist auf der Musikbühne stand. Sekunden später krachte der Ast auf die Menschen, die vor dem Hauseingang, dort, wo auch der Ausschank war, Schutz vor dem Regen gesucht hatten.

"Die Böe kam aus dem Nichts", erinnert sich Backer. Er weiß auch noch, dass die Unwetterwarnung des Wetterdienstes erst Minuten nach dem Unglück per Fax bei der Festleitung eintraf. Backers Fazit: "So ein Unglück kann überall und jederzeit passieren und ist durch nichts zu verhindern."


Vor ihren Augen ist es passiert

"Das Drama spielte sich unmittelbar vor meinen Augen ab", berichtet Irmi Knaus, die auch noch weiß, dass die Gruppe "Töchter Forchheims" gespielt hat. Gitarrist Klaus Backer habe versucht, mit anderen den Ast wegzuschaffen. Vergeblich.

Da erinnert sich ein Mitarbeiter der Kellerwirtschaft, dass die Chefin vor dem Annafest eine Motorsäge angeschafft und "für alle Fälle" bereit gelegt hatte. "Warum ich das gemacht habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war das eine Art Vorahnung",meint die ehemalige Pächterin. Mit Hilfe der Säge gelang es Helfern, Seitenäste abzutrennen, um zu erkennen, ob jemand unter dem Blätterwerk begraben lag.

"Ich hatte Angst, dass jemand angesägt wird", gesteht sich Irmi Knaus. "Das Bild des Toten, seine Beine mit den Birkenstock-Schuhen, die unter dem Ast hervorragten, verfolgt mich bis heute," berichtet die Pächterin und kämpft mit den Tränen. "Eine Stunde lang haben wir abwechselnd einen Sonnenschirm, den Mitarbeiter geholt hatten, über die Leiche gehalten", betont Irmi Knaus.


Versichert in Millionenhöhe

Sie bekräftigt: "Ich war versichert, in Millionenhöhe. Ich hätte es Anne, die seit dem Unfall querschnittsgelähmt ist, gegönnt, wenn sie und ihre Eltern wenigstens eine finanzielle Entschädigung erhalten hätten."

Aber die Gerichte sahen das anders: Der tragische Unglücksfall wurde als "höhere Gewalt" eingestuft. "In so einem Fall zahlt keine Versicherung", bedauert Irmi Knaus. Sie habe auch vor den Gerichten wiederholt, dass die Stadt alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hätte. Die Bäume vor dem "Gottla" seien von den Mitarbeitern der Stadtförsterei genauso überprüft worden wie die übrigen Bäume des Kellerwaldes.

Im Übrigen sei der abgebrochene Ast nicht einfach verschwunden. Das Beweismittel sei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft zur Polizei und dann ins Landeskriminalamt geschafft worden. Dort blieb er bis zum Abschluss des Verfahrens, unterstreicht die damalige Pächterin des Gottla-Kellers.

Besonders tragisch findet sie das Schicksal des 43-jährigen Mannes aus Bietigheim, der von dem Ast des Kastanienbaumes erschlagen wurde. Der wollte ursprünglich gar nicht aufs Annafest. Seine Freundin, die ein paar Jahre vorher mit Arbeitskolleginnen auf dem Volksfest war, überredete ihn, sich doch einmal etwas zu gönnen. Statt der Frauen fuhren 2005 die Männer nach Forchheim - für den 43-jährigen eine Reise ohne Wiederkehr.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren