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Forchheim
Ehre

Über den Tod hinaus privilegiert

Nur elf Forchheimer wurden bislang Ehrenbürger. Einige Bürger wünschen sich mehr Klarheit bei der Vergabe dieser Ehrung.
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Fleißige Lieschen schmücken das Grab des Heimatforschers Konrad Kupfer am Alten Friedhof. Weil er Ehrenbürger ist, kümmert sich die Kommune um sein Grab am Alten Friedhof, in dem auch Kupfers Ehefrau Emilie liegt. Foto:Barbara Herbst
Fleißige Lieschen schmücken das Grab des Heimatforschers Konrad Kupfer am Alten Friedhof. Weil er Ehrenbürger ist, kümmert sich die Kommune um sein Grab am Alten Friedhof, in dem auch Kupfers Ehefrau Emilie liegt. Foto:Barbara Herbst
Bislang gibt es nur elf Bürger in der Geschichte der Stadt, die es zu Ehrenbürger-Würden gebracht haben. Oft werden Straßen oder Schulen nach diesen Menschen benannt - und sie erwerben sogar ein Privileg über den Tod hinaus: Für Ehrenbürger übernimmt die Stadt für immer die Grabpflege.
Wer aber die Forchheimer nach ihren Ehrenbürgern fragt, wird sehr unterschiedliche Antworten bekommen. So wird häufig der Heimatforscher Max Kaupert, der jüdische Wohltäter Wilhelm Kleemann oder der Bildhauer Georg Leisgang zu den Ehrenbürgern gezählt. Aber: Kleemann und Kaupert sind zwar Ehrenringträger; und der Akademische Bildhauer Georg Leisgang hat ein Ehrengrab - doch einen Ehrenbürger-Beschluss des Stadtrates gibt es für keinen von ihnen.


Begriffe verschwimmen

Die Stadt hat viele Arten, ihre Bürger zu ehren.
Etwa mit Ehrenringen oder Bürgermedaillen. Die Ehrenbürgerschaft ist die höchste Auszeichnung. Im öffentlichen Bewusstsein verschwimme die Begrifflichkeit, weiß Dieter George, der Vorsitzende des Heimatvereins und Ex-Kulturbeauftragte der Stadt. Nicht jeder Forchheimer, der in einem Straßennamen auftauche, sei Ehrenbürger - und nicht jedem Ehrenbürger sei eine Straße gewidmet. Zudem gebe es Ehrengräber, die nicht nur den Ehrenbürgern vorbehalten seien.
"Die Ehrenbürger-Würde wird immer zu Lebzeiten vergeben", klärt George auf. Zuletzt wurden der langjährige Stadtpfarrer Otto Donner und Alt-OB Franz Stumpf ausgezeichnet. Bei den Straßennamen sei das Procedere anders, sagt George: "Da hält man Distanz zu den Lebenden."
Die Namen einiger längst verstorbener Ehrenbürger wirken vertraut, weil es Nachfahren gibt, die die Erinnerung pflegen: Liz Bischof und ihre Zwillingsschwester Heidi zum Beispiel, Enkelinnen von Andreas Steinmetz (13 Jahre lang Forchheimer OB), erzählen gerne von ihrem Großvater; oder besuchen das Grab, um eine Kerze anzuzünden. Auch im Heimatverein werde das Andenken "an den beliebten Bürgermeister Steinmetz besonders hoch gehalten", betont Dieter George.
Bekanntester Ehrenbürger in Forchheim dürfte aber der ehemalige Oberbürgermeister Karlheinz Ritter von Traitteur sein. Eine Schule ist nach ihm benannt; zudem wird sein Name durch Ehefrau Irmgard Edle von Traitteur mit einer Stiftung präsent gehalten.


OB-Ecke

Um die Gräber der Ehrenbürger kümmert sich das Stadtgartenamt. Dessen Chef Herbert Fuchs verweist auf die "OB-Ecke" am Alten Friedhof, direkt neben dem Eingang an der Birkenfelder Straße. "Diese Ehrengräber sind wohl am meisten im öffentlichen Bewusstsein", sagt Fuchs.
Hier liegen Strecker, Steinmetz und von Traitteur. Heuer wurden die Gräber mit fleißigen Lieschen bepflanzt. "Ausgrasen pflanzen, gießen, das gehört zum Unterhalt, sagt Herbert Fuchs, "es muss ordentlich aussehen".
Die Liste der elf Ehrenbürger zeigt, dass bislang nur Pfarrer, Heimatforscher und Oberbürgermeister ernannt wurden. Es sei eine Männerwelt, die hier zu Ehren komme, sagt Stadtarchivar Rainer Kestler: "Außerdem ist es auch eine Sache von Fürsprechern und Beziehungen." Es gebe "tausende, die es verdient hätten und die nicht genannt sind", sagt Kestler und wundert sich, dass selbst ein Ehrenbürger wie der Heimatforcher Konrad Kupfer "keine Straße in Forchheim hat".
Auch Dieter George sieht Defizite: "Man könnte beim nächsten Ehrenbürger mal an die Kultur denken." In den Straßennamen sieht George die Kultur ebenfalls unterrepräsentiert. "Eine Straße für den Künstler Hans Dressel könnte ich mir vorstellen." Bislang sei es ja so, dass der Stadtrat über die Ehrungen entscheidet. "Aber wer setzt die Vorschläge auf die Tagesordnung?", fragt Dieter George kritisch.
Um mehr Klarheit zu haben, wer wie geehrt wird, plädiert Stadtheimatpfleger Franz Schürr dafür, "über eine Ehrenordnung" nachzudenken. Sie könne die Voraussetzungen für den Ehrenbürger-Titel festsetzen. Vielleicht werde es künftig dann auch mal eine Ehrenbürgerin geben, sagt Franz Schürr: "Gerade im sozialen Bereich gibt es genügend Frauen, die Herausragendes geleistet haben."

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