Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt. Von Eiseskälte keine Spur. Kratzen ist an den Autoscheiben kaum nötig. Schneeweiße Straßen sucht man vergebens.
Geschäftsführer Werner Nützel vom Bauernverband Forchheim weiß, was dieser milde Winter für die Landwirte bedeutet. Das Wintergetreide und die Wintergerste laufen Gefahr an den Temperaturen und Witterungsverhältnissen kaputt zu gehen. "Im letzten Herbst war es zu trocken. In diesem Winter ist es zu nass. Wenn Getreide unter Wasser steht, erstickt es", erklärt Nützel. Des Weiteren sind Gerste und Getreide von Pilzinfektionen befallen. Diese wachsen und lassen die Gerste weder gelb noch grün werden. "Die Photosynthese wird unterbrochen", fügt er hinzu. Wenn die Felder kaputt gehen, müssten diese umgebrochen werden. Dadurch würden hohe Kosten entstehen und neues Saatgut müsse beschafft werden, erklärt Nützl.
Auch Willi Maier, Landwirt aus Bammersdorf, freut sich nicht über den milden Winter. "Da es keinen Frost gibt, können sich die Schädlinge vermehren und die Ernte befallen", weiß Maier. "Dann fällt der Ertrag nicht gut aus".
Landwirt Heinrich Schwarzmann aus Neuses sieht den milden Winter ebenfalls alles andere als positiv. "Die Ungeziefer gehen nicht kaputt. Wildschweine können auf die Felder, weil der Boden weich ist und wühlen alles auf", ärgert sich Schwarzmann. Für die ganze Vegetation sei das milde Winterwetter sehr schlecht. Uneinheitlich fällt das Fazit dagegen im Gaststätten- und Tourismusgewerbe aus. Ein Mitarbeiter der Gräfenberger Brauerei Lindenbräu klagte, dass aufgrund des häufigen Nieselregens und des ausbleibenden Schnees weder Winterwanderer noch Skilangläufer in die Region kämen. Seinen Namen möchte der Mitarbeiter nicht in der Zeitung lesen.
Dagegen hat laut Reinhardt Löwisch von der Tourismuszentrale in Ebermannstadt der milde Winter keine signifikant negativen Auswirkungen auf den Tourismus in der Fränkischen Schweiz. Die Fränkische Schweiz sei schließlich kein Skigebiet, es seien eher die Einheimischen, die in verschneiten Landschaften Skilanglauf betreiben würden. "Wenn die Temperaturen weiterhin mild bleiben und kein Schnee kommt, dürfen wir aber schon im Februar mit Wanderern rechnen", kann Löwisch dem bislang milden Winter auch Positives abgewinnen.

Verkaufszahlen bleiben stabil


Auch die Geschäfte des Forchheimer Sport-und- Freizeit- Ladens Dürbeck leiden laut Mitarbeiter Daniel Metzger unter dem fehlenden Schnee bislang nicht. Zumindest hätten sich die Verkaufszahlen nicht zurückentwickelt. Metzger sieht keine Probleme mit dem fehlenden Schnee. "Wir haben noch nie so viele Langlaufskier verkauft wie in dieser Saison", sagt Metzger. In seinen Worten ist es wichtig, einen "psychologischen Effekt" zu schaffen. Die Menschen müssten daran erinnert werden, dass man auch in einem anderen Ort durchaus Winterartikel benutzen kann. "Skifahren kann man nach wie vor, nur halt nicht in Forchheim im Moment", scherzt Metzger.
Das Sportgeschäft Wolf aus Forchheim hingegen wollte sich nicht zu den Verkaufszahlen von Winterartikeln äußern. Außer auf die Landwirtschaft, die Brauereien, die Tourismuszentralen und die Sportgeschäfte, wirkt sich der milde Winter auch auf den Arbeitsmarkt aus. "Die Bau- und Baunebenberufe sind wettersensibel", sagt Hermann Zeis, Pressesprecher der Arbeitsagentur Bamberg.
Normalerweise lässt sich in kalten Wintermonaten in den Bau- und Gärtnereienberufen ein Rückgang der Beschäftigungen verzeichnen. Ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten sei daher auch auch in Forchheim saisonal bedingt, erklärt Zeis.

Rückgang der Arbeitslosigkeit


Aufgrund des milden Wetters können die Bauarbeiten aber heuer fortgeführt werden. Die Bauaufträge und Bauarbeiten sind nach der Auskunft von Zeis anders als in kalten Wintern bisher nicht eingebrochen. Diesen Umstand spiegeln auch die aktuellen Arbeitsmarktzahlen im Landkreis Forchheim wider.
So stellt die Bundesagentur für Arbeit in Bamberg einen Rückgang der Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent im Dezember 2010 auf 2,7 Prozent im Dezember 2011 für den Landkreis Forchheim fest. Das lässt sich in den Worten von Zeis nicht nur, aber eben auch mit dem milden Winter erklären.
Andreas Ramisch, Pressesprecher der Stadt Forchheim, kann den positiven Einfluss der milden Temperaturen auf die Bauwirtschaft nur bestätigen: "Für jeden Baustellenleiter ist eine frostfreie Witterung günstig."