Forchheim
Diskussion

Trachtenflyer sorgt für Turbulenzen

Mit einer zungenschleckenden schwarzen Schönheit im Dirndl löst der Prospekt für das Trachtentreffen in der Pfalz Irritationen aus.
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Das Motto "Black is beautiful" scheint in der Kaiserpfalz Programm zu sein. Links der umstrittene Trachtenflyer, rechts das aktuelle Veranstaltungsprospekt.  Repro: FT
Das Motto "Black is beautiful" scheint in der Kaiserpfalz Programm zu sein. Links der umstrittene Trachtenflyer, rechts das aktuelle Veranstaltungsprospekt. Repro: FT
Fränkische Tracht auf schwarzer Haut, weißer Bierschaum auf einer von langer Zunge umspielten vollen Oberlippe einer jungen Frau - dies verheißungsvolle Bild, garniert mit roten Rosen und einem Geweih im Hintergrund, wirbt auf einem Flyer mit dem Titel "Vielfalt Heimat" für das Treffen des Trachtennetzwerkes, das in Verbindung mit dem Tag der fränkischen Volksmusik am 24. September im Hof der Kaiserpfalz stattfinden soll.
Die Gestaltung des Flyers hat bei dem früheren CSU-Landtagsabgeordneten Eduard Nöth, der seit langem Mitglied des Heimatvereins ist, Irritationen ausgelöst. "Ich habe mich dabei zunächst gefragt, was das Bild auf der Titelseite sagen bzw. vermitteln soll, geht es dabei doch um die Einladung zu einem oberfränkischen Netzwerktreffen Tracht und zum Tag der fränkischen Volksmusik", bat er in einem Schreiben an Museumsleiterin Susanne Fischer um Aufklärung. Denn Gastgeber ist das Pfalzmuseum, das die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der städtischen Kulturbeauftragten Katja Browarzik sowie des Heimatvereins Forchheim in Kooperation mit der Trachtenberatung des Bezirk Oberfranken durchführt.
Nöth, der sein Schreiben unserer Zeitung zuleitete, verweist darauf, dass er - um in seinem ersten Urteil sicherzugehen - auch seine Frau um ihre Meinung gebeten habe. Sie sei mit ihm zu dem Ergebnis gekommen: "Dieses Bild wirkt, vor allem auch bei näherem Hinsehen, auf uns in vielfältiger Art diskriminierend."
In seinem Schreiben bittet er Susanne Fischer um Auskunft, wer diesen Flyer entworfen habe und wer für die Titelbild-Auswahl verantwortlich zeichne. Zudem möchte Nöth wissen, ob dies mit der Stadt Forchheim, mit der Kulturbeauftragten und dem Heimatverein sowie dem Bezirk erfolgt sei. Natürlich interessiere es ihn auch, "welcher Hintergrund für die Wahl dieses Bildes sprach", lässt er Susanne Fischer wissen.
Unserer Zeitung gegenüber zeigte sich die Museumsleiterin jedoch nicht befugt, Auskunft zu geben geben, und verwies auf die städtische Pressesprecherin Britta Kaiser - die war jedoch am Dienstag wegen ihres Osterurlaubs nicht erreichbar.


"Das Foto polarisiert sehr"

Eduard Nöth hat indes Antwort von Susanne Fischer erhalten und gibt unumwunden Auskunft darüber. So habe Fischer zugegeben, "ja, das Foto polarisiert sehr, manche finden es furchtbar, andere ganz toll". Man habe es bewusst gewählt, weil man bei den Netzwerktreffen ein paar Anstöße geben wolle. An einen etwaigen sexistischen oder diskriminierenden Hintergrund sei dabei natürlich nicht gedacht worden, werde von Fischer versichert. Die Museumsleiterin habe in ihrer Erklärung darauf hingewiesen, dass das Trachtenwesen relativ überaltert sei und man dringend auf der Suche nach Nachwuchs sei. Man wolle mit dem Programm ganz bewusst auch junge Leute ansprechen und so langfristig die Tradition weiterentwickeln. Fischer habe dies mit Bestrebungen erklärt, die Tracht auch "aufzubrechen" - Stichwort "Volxmusik, Trachtenpunk". Der Fotograf sei Walter Appelt, der derzeit auch den Arbeitskreis Männertracht im Fränkische-Schweiz-Verein leite, habe Susanne Fischer in ihrem Antwortschreiben mitgeteilt. Nöth kündigt an, dass das Thema noch diese Woche in einer Sitzung des Heimatvereins zur Sprache kommen werde.


Der Kommentar

Der Sarotti-Mohr zierte Jahrzehnte die Produkte der traditionsreichen Firma, bis das Markenzeichen immer mehr in die Kritik geriet, rassistisch zu sein und zum Sarotti-Magier mutierte. Jetzt feiert der Mohr in weiblicher Form als Trachten-Maskottchen Wiederauferstehung. Wenn Eduard Nöth den Flyer als diskriminierend empfindet, dann zu Recht. Werbung muss zwar auffallen, um zu wirken - aber sie muss authentisch sein. Die Jugend lässt sich nicht für Traditionen gewinnen, wenn man glaubt, man muss nur eine Schwarze in die Tracht stecken und zum Werbe-Clown schminken. Andreas Oswald
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