Forchheim
Konzert

Sternstunde für Musikliebhaber

Die Neue Philharmonie Forchheim begeistert ihr Publikum. Das ist nicht zuletzt das Verdienst des Solisten und des Dirigenten.
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Solist Reto Kuppel an der Violine begeisterte das Forchheimer Publikum.  Fotos: Martin Kammler/ Elisabeth Görner
Solist Reto Kuppel an der Violine begeisterte das Forchheimer Publikum. Fotos: Martin Kammler/ Elisabeth Görner
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Ihren Alltag konnten sicherlich viele Besucher des Konzerts der Neuen Philharmonie Forchheim zwei Stunden lang ein wenig in den Hintergrund treten lassen. Die Musiker spielten für sie im Kolpingsaus zwei berühmte Werke von Max Bruch und Beethoven sowie die Ouvertüre zur Oper "La clemenza di Tito" von Mozart.
Das gesamte Orchester unter der Leitung von Peter Kammler und der Solist Reto Kuppel an der Violine entführten durch ihr gleichermaßen gekonntes wie begeisterndes Spiel in die ganz eigene Welt des Klangs.


Mal zart, mal kräftig

Obwohl Mozart die "Titus"- Ouvertüre im Sommer 1791 als Auftragsarbeit unter Zeitdruck und wohl schon seinen baldigen Tod ahnend komponiert hat, hat sie doch etwas von dem Leichten, Liedhaften und Lebendig-Festlichen, das man mit diesem Komponisten der Klassik verbindet.

Das Bruch'sche Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll (op.
26) schien zunächst ein Kontrastprogramm zu bieten: Sehr zart, fast schon melancholisch spielt die Violine ihre Solorolle im Dialog mit den anderen Instrumenten. Aber die Gesamtkomposition nimmt an Vitalität durchaus zu beziehungsweise Zart-Stimmungsvolles und Kräftig-Temperamentvolles wechseln sich ab. So schraubt sich die "Melodie" der Einzelgeige bald steil in die Höhe, während sich die übrigen Streicher in tiefen Lagen davon absetzen. Lieblich klingt kurz die Querflöte heraus und wird von kräftigen, tieferen Hörnern abgelöst.


Belebende Spannung

Es kommt im Zusammenspiel aller auch zu schon recht modernen Tonabständen, die aber noch nicht als Dissonanzen empfunden werden, sondern als belebende Spannung. Max Bruch hat von 1838 bis 1920 gelebt und gilt offiziell als Vertreter der Romantik; mit Brahms war er befreundet, aber er litt darunter, immer mehr in dessen Schatten zu geraten.

Aber bis heute genießen Musikliebhaber Bruchs himmlisches Adagio des zweiten Satzes, das auf eine kurze Solokadenz am Ende des ersten folgt. Das "Allegro energico" des Schlusssatzes, in dem der Solist das wirklich aufmunternde Hauptthema immer wieder quasi umspielt, führte auch bei dem Forchheimer Konzert zu begeistertem Applaus, der Reto Kuppel zu einer direkten Zugabe bewegte: Er spielte eine "Caprice" für Solovioline von Ferdinand David.

Während Kuppels Darbietung schienen die Zuhörer den Atem anzuhalten, man hörte in dem großen, voll besetzten Kolpingsaal wirklich nur die Geige. Nach der Pause waren wieder alle Spieler der Neuen Philharmonie versammelt, sogar noch vermehrt durch eine Piccolo-Flötistin, durch Posaunisten und einen Kontrafagottisten. Beethovens "Fünfte" - wer kennt sie nicht? Die drei Achtel im gleichen Ton des auch als "Schicksalssymphonie" bekannten Werks soll Beethoven mit dem Satz "So pocht das Schicksal an die Pforte!" kommentiert haben.


Liedhaftes Thema

Im ersten Satz der viersätzigen Symphonie wandert das Schicksalsmotiv quasi durch die Stimmen und die verschiedenen Instrumente.
Der zweite Satz bietet mit seinem ausholenden, mehr liedhaften Thema einen Kontrast zu dem vorher rhythmisch sehr prägnanten - wobei die Klarinettisten und Fagottisten besonders glänzten. Nochmals ein neues, kurzes Thema stellten Klarinette, Fagott, Bratsche und Cello im vierten Satz vor. Spannung herrschte bis zum letzten Ton der Symphonie. Diese Spannung beruhte nicht zuletzt auf dem Wechsel von laut und leise.
Natürlich gibt das in erster Linie der Komponist selbst vor. Es hängt aber auch ab von der guten Intonation durch die Spieler. Und die wiederum beeinflusst am meisten der Dirigent. Peter Kammler lockte mit seinen ungemein einfühlsamen wie eindeutigen Gesten aus den Musikern alles heraus.

Er schaffte es auch mit seiner Leidenschaft, die Mitglieder der Neuen Philharmonie innerhalb einer einzigen Woche zu einem Klangkörper zu schmieden. Das Orchester besteht zu etwa einem Drittel aus professionellen Instrumentalisten, aber größtenteils aus Amateuren.

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