Forchheim

Sprung rettet Mann vor Kollision mit Auto - war es versuchte Körperverletzung?

Ein Streit um ein geparktes Auto im Halteverbot hätte beinahe fatale Folgen für einen 30-Jährigen gehabt. Der Angeklagte verlor durch die Tat seinen Job.
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Foto: Arne Debert/dpa
Foto: Arne Debert/dpa
"Ich arbeite bei der Stadt, ich kann das Halteverbot-Schild auch runterschrauben", waren die Worte des Angeklagten aus Forchheim, berichtete ein Zeuge im Amtsgericht. Eine Aussage, die der 58-Jährige heute, drei Monate später, nicht mehr treffen kann. Kurz nachdem er diese Worte gesprochen hatte, beging er eine Straftat, wofür er seinen Führerschein und infolgedessen auch seine Anstellung bei der Stadt verlor. Ein hoher Preis für eine ursprünglich harmlos aussehende Situation.

Anfang Oktober wollte der Mann nur etwas bei einem Flohmarkt im Forchheimer Tierheim abgeben. Da er keinen Parkplatz gefunden hatte, stellte er sein Auto im Halteverbot ab. Das beobachteten zwei THW-Kräfte, die direkt nebenan eine Großübung hatten. Sie wiesen den 58-Jährigen darauf hin, dass er im Halteverbot stehe und damit THW-Einsatzfahrzeuge bei der Ausfahrt behindern könnte. Als die beiden THWler mit der Polizei drohten, brannten beim Angeklagten die Sicherungen durch. Er stieg in sein Auto, gab ordentlich Gas und raste aus der Parklücke. Zu dem Zeitpunkt standen die beiden Männer noch auf der Straße in unmittelbarer Nähe zum Auto. Laut Anklageschrift konnte sich einer der Männer, der zu dem Zeitpunkt vor der Motorhaube stand, nur mit einem Sprung zur Seite retten. Vorwurf der Staatsanwaltschaft: versuchte gefährliche Körperverletzung. "Wäre ich nicht gesprungen, hätte er mich zammgefahren, das war ein Reflex", erklärte der 30-jährige Geschädigte. Der Angeklagte sah das Ganze anders: "Ich war sauer und habe das Gas schon ein bisschen durchgedrückt. Aber ich wollte keinen verletzen und habe auch nicht gesehen, dass er weggesprungen ist. Das hat er sich ausgedacht." Angeklagter und Geschädigter kennen sich als Nachbarn bereits länger, einen Konflikt habe es zuvor allerdings nicht gegeben.


Geschädigter sehr mitgenommen

Die Beweisaufnahme gestaltete sich langwierig. Der Geschädigte wirkte sehr nervös und aufgewühlt. Mit seinen zaghaften Aussagen und schwammigen Skizzen des Schauplatzes konnte er nur für wenig Aufklärung sorgen. Mehr Erkenntnisse konnte sein THW-Kollege liefern. "Wäre er nicht zur Seite gesprungen, hätte es einen Aufprall gegeben. Ich stand seitlich vom Auto und musste selbst einen kleinen Satz zurück machen", sagte er, "mein Kollege war danach psychisch völlig am Ende, sein Herz hat gepumpt."

Einsicht zeigte der 58-jährige Angeklagte wenig. Im Gerichtssaal verhielt er sich aufbrausend und respektlos - einen Polizisten, der als Zeuge aussagte, duzte er sogar. Direkt nach dem Vorfall hatte sich der Angeklagte ähnlich verhalten. "Ich musste ihn mehrmals zur Ruhe ermahnen, er war sehr laut und hat überhaupt keine Einsicht gezeigt", erzählte der Polizist. Ob der Angeklagte den 30-Jährigen mit Absicht gefährden oder gar verletzen wollte, konnte nicht bewiesen werden. "Im Zweifel zugunsten des Angeklagten", sagte der Staatsanwalt und schlug in seinem Plädoyer deshalb vor, den Mann wegen Nötigung und nicht wegen versuchter Körperverletzung zu verurteilen. Die Richterin Silke Schneider folgte in ihrem Urteil dieser These. Sie verurteilte den 58-Jährigen wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 900 Euro (60 Tagessätze zu je 15 Euro) und ordnete ein dreimonatiges Fahrverbot an. Da der Angeklagte seinen Führerschein bereits Anfang Oktober abgeben musste, darf er bereits im neuen Jahr wieder fahren.

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