Forchheim
Amtsgericht

Spätes Geständnis erspart einem 24-jährigen Studenten den Knast

Ein Forchheimer Student hat im Internet Betäubungsmittel in großen Mengen erworben und wollte damit Geschäfte treiben. Sein Geständnis rettete die Bewährung
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Symbolfoto: Christopher Schulz
Symbolfoto: Christopher Schulz
Über eine Stunde gingen Stefan H. aus Forchheim (Name von der Redaktion geändert) und sein Rechtsanwalt Christian Barthelmes aufs Ganze und wiesen nahezu jeden Vorwurf aus der Anklageschrift zurück. "Die beschriebenen Drogengeschäfte hat mein Mandant nicht getätigt", sagte der Verteidiger zu Beginn der Verhandlung. Als das Eis für den 24-jährigen Angeklagten nach der Zeugenaussage eines Kriminalhauptkommissars immer dünner wurde, rang sich die Verteidigung doch zu einem Rechtsgespräch mit Richterin Silke Schneider und Staatsanwalt Markus Reznik durch.

Ergebnis: Bei einem kompletten Geständnis würde Stefan H. zumindest der Weg ins Gefängnis erspart bleiben. Die entsprechende Erklärung mit einer Drehung um 180 Grad gab der Rechtsanwalt ab. "Anders als bisher erklärt wurde, treffen alle Vorwürfe aus der Anklageschrift in objektiver und subjektiver Hinsicht zu", sagte Christian Barthelmes.

Die Straftaten des 24-Jährigen liegen bereits zweieinhalb Jahre zurück. Im Frühjahr 2014 bestellte der Student im Internet 111 Gramm des Rauschmittels Amphetaminsulfat. Er gab als Lieferadresse Peter W. (Name geändert) aus Pegnitz an. Dieser sollte die Drogen im Raum Pegnitz verkaufen, um damit seine Rauschgiftschulden zu begleichen - unter anderem auch bei Stefan H., denn dieser hatte Peter W. in den Monaten zuvor bei zehn Übergaben insgesamt mindestens 80 Gramm Haschisch verkauft.

Anfang April gab es eine Hausdurchsuchung bei Stefan H., der noch bei seinen Eltern in Forchheim wohnt. In einem Schuhkarton im Keller fanden die Polizeibeamten 17 Gramm Cannabis und in einem weiteren Teil des Anwesens einen LSD-Trip und vier Gramm Rauschgift-Pilze. Eingezogen wurden außerdem verschiedene Datenträger, auf die die Polizei aber ohne Passwörter nicht zugreifen konnte. Der Angeklagte erklärte sich aber nicht bereit, die Passwörter preiszugeben. So konnte ihm auch kein direkter Kontakt mit Peter W. nachgewiesen werden, der bei den Ermittlungen den Forchheimer als Besteller der Drogen genannt hatte. Als Zeuge erschien Peter W. auch nicht vor Gericht.

In einem abgetrennten Prozess wurde er zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt. Während der Pegnitzer bei seiner Verhandlung von Anfang an geständig war, mussten Richterin und Staatsanwalt in Forchheim deutlich mehr Geduld aufbringen. Auch Verteidiger Christian Barthelmes zeigte sich bei der Vernehmung hartnäckig und versuchte alles, um seinen Mandanten zu entlasten. Den Kriminalhauptkommissar, der die Ermittlungen geführt hatte, löcherte er mit gut einem Dutzend Fragen. Eine entscheidende Entlastung seines Mandanten erreichte er allerdings nicht. "Wir können das gerne weiter so betreiben, aber ich rate Ihnen, mal mit Ihrem Mandanten zu reden", machte ihm der Staatsanwalt klar; die Initialzündung für das späte, aber noch rechtzeitige Geständnis von Stefan H..

"Der Angeklagte hat gerade noch mal die Kurve bekommen", sagte Staatsanwalt Reznik in seinem Plädoyer. "Einmal, weil er nach der Hausdurchsuchung aufgehört hat, Drogen zu konsumieren und weil er sich hier gerade noch so zu einem Geständnis durchgerungen hat." Wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln im Jahr 2013 ist der Student vorbestraft. Regelmäßige Drogentests in den vergangenen drei Jahren fielen stets negativ aus. Zugute gehalten wurde Stefan H. außerdem, dass das bestellte Amphetaminsulfat letztendlich nie in den Handel kam. Der Staatsanwalt forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten.


Minderschwerer Fall?

Für Verteidiger Christian Barthelmes lag ein minderschwerer Fall vor: Negative Drogentests, das lange Verfahren, das komplette Geständnis und die Sicherstellung der Drogen nannte er als Argumente. Er plädierte deshalb auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Einen solch minderschweren Fall sah Richterin Silke Schneider in ihrem Urteil nicht. Sie verurteilte den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Ferner brummte ihm die Richterin 80 Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Arbeiterwohlfahrt Forchheim auf.

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