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Forchheim
Engagement

So kamen die Störche nach Forchheim

Jahrelang kümmerte sich der Gräfenberger Wolfgang Müller-Britting um die Störche und ihren Nistplatz an der Forchheimer Berufsschule. Nun tritt er ab, Jörg Kornfeld übernimmt das Amt des Storchenvaters.
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Auf dem Kamin der Forchheimer Berufsschule nisten seit Jahren Störche. Foto:privat
Auf dem Kamin der Forchheimer Berufsschule nisten seit Jahren Störche. Foto:privat
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Knapp zehn Jahre ist es her, dass Wolfgang Müller-Britting das Storchennest, genannt Horst, auf dem Kamin des beruflichen Schulzentrums in Forchheim angebracht hat. Fünf Storchenpärchen und acht überlebende Jungtiere später tritt er nun den Ruhestand als Storchenvater an und übergibt die Aufgaben rund ums Storchennest an Jörg Kornfeld.

Begonnen hatte alles im Jahr 2004, als die Schule eine neue Heizung bekam. Die freie Stelle am 27 Meter hohen Kamin könnte doch für ein Storchennest genutzt werden, dachte sich damals Wolfgang Müller-Britting und begann mit anderen Storchenvätern in Kontakt zu treten. Auch mit der Regierung von Oberfranken sprach er über Regeln und Voraussetzungen für ein Storchennest und dann konnte das Projekt beginnen.

Nestbau als Schulprojekt

Die Finanzierung stellte sich weniger dramatisch dar als zuerst gedacht: Denn ein Teil der Materialkosten konnte über die Schule abgerechnet werden, da der Nestbau in den Unterricht aufgenommen wurde. Auch Förderungen wurden dem Nestbau-Projekt zuteil und schließlich brachte Müller-Britting selbst das Preisgeld eines anderen Schulprojektes ein.

Den Horst baute Müller-Britting zu großen Teilen mit berufslosen Schülern. Zwei davon waren schon öfter klettern und trauten sich zu, den 27 Meter hohen Kamin zu erklimmen, dort Fotos zu machen und alles zu vermessen, schließlich sollte an dem Tag, an dem das Nest mit einem Autokran angebracht wurde, nichts schiefgehen. "Ich wollte, dass alles ganz genau stimmt", sagt Müller-Britting lachend, "schließlich dachte ich mir: Es muss mindestens so lange halten, bis ich in Pension gehe." In Pension ist er schon seit 2011, von den Störchen wollte er aber damals nicht sofort lassen. "Als er in den Ruhestand ist, hat er mich gefragt, ob ich prinzipiell das Ganze weitermachen würde", erzählt Jörg Kornfeld, Hausmeister des Beruflichen Schulzentrums und Nachfolger von Müller-Britting. "Da ich von Anfang an immer mitgeholfen habe und direkt hier wohne, war das für mich gar keine Frage."

Vor den Sommerferien 2005 wurde der Nistplatz nach langer Arbeit schließlich montiert. Direkt im nächsten Jahr kam ein Storchenpaar und machte es sich auf dem Schlot der Forchheimer Berufsschule bequem. "Wolfgang, der Storch ist da", haben die Sekretärinnen dem engagierten Lehrer damals freudig entgegengerufen. Denn die gesamte Schulfamilie war in Aufregung, als der es sich der erste Storch hoch oben über der Schule bequem machte. Nachwuchs gab es in diesem Jahr jedoch noch keinen bei den Störchen. Aufregend war es trotzdem: Denn viele andere Nistplätze stehen jahrelang leer, bis der erste Storch kommt.

Ein Jahr später war ein verletzter Storch in der Nähe des Schulzentrums gestrandet. "Eine Nachbarin hatte ihn gefunden und sich bei mir gemeldet", erzählt Müller-Britting, "da ich in Gräfenberg wohne, konnte ich natürlich nicht immer alles im Auge behalten, aber wir haben ein sehr gutes Netzwerk." Zu diesem Netzwerk gehört auch Kornfeld. "Für mich verändert sich nicht viel", sagt er, "ich habe immer schon ein Auge auf die Störche gehabt. Nun habe ich einfach nur mehr Verantwortung."

Der Storch, der auf einem Fußballplatz eingefangen werden konnte, hatte sich den Flügel gebrochen. Müller-Britting fuhr den Storch zum Tierarzt nach Nürnberg und auch die Kücken, die mit nur einem Elternteil kaum Überlebenschancen hatten, wurden zur Handaufzucht in den Tiergarten gebracht.

In einem Jahr neun Eier gelegt

"2011 war das verrückteste Jahr, das wir bisher hatten", sagt Müller-Britting. In dem Jahr kam ein Pärchen und legte fünf Eier. Weil der Vater dann aber über 40 Stunden verschwunden war und die Storchen-Mutter deshalb das Nest nicht verlassen hat, drohten die Jungtiere zu verhungern. Müller-Britting entschied sich, die Eier zu entnehmen und zur Handaufzucht zu geben. "Diese Methode ist unter den Storchen-Leuten umstritten", berichtet er, "viele sagen, man solle der Natur ihren Lauf lassen." In einem Korb mit Wärmflaschen und vorgewärmten Stiefelsocken transportierte er die Eier nach Nürnberg. Dort wurden die Jungtiere aufgezogen und später ausgesetzt.

Währenddessen verheiratete sich das Forchheimer Storchenweibchen nochmal und bescherte der Berufsschule mit ihrem neuen Partner vier weitere Eier in diesem Jahr. Keines der Jungtiere überlebte - vermutlich aufgrund des Regens, der die Nahrungssuche schwer machte. Gemeinsam mit seinen Schülern beerdigte Müller-Britting die Kücken dann im Schulgarten. "Das gehört auch dazu", sagt er, "denn wenn man das alles mitverfolgt, möchte man sich auch verabschieden."

Verabschiedet hat sich Wolfgang Müller-Britting nun auch von seinem Amt als Storchenvater, allerdings nicht ganz von den Störchen. "Ich werde natürlich trotzdem immer mal wieder vorbeischauen und auch bei Fragen zur Verfügung stehen", sagt er schmunzelnd, "ich steh' nur nicht mehr in der ersten Reihe, sondern eben eher in der dritten."

Der Storch kann kommen

In diesem Jahr hat sich noch kein Storch ins Nest gesetzt. "Demnächst wollen wir hochgehen und den Horst aufhübschen", sagt Kornfeld. "Falls aber vorher ein Storch kommt, ist das auch kein Problem. Da das Nest im letzten Jahr nur kurzzeitig besetzt war, ist kein Dreck vom Vorjahr drin."

Mit einem neuen Storchenvater ist das Berufliche Schulzentrum in Forchheim nun also für das nächste Storchenpärchen gerüstet.

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