Effeltrich
Serie (20)

Sie messen, wie sich Pflanzen fühlen

Die Geräte der Firma Walz in Effeltrich, mit denen Biologen die Photosynthese bei Pflanzen dokumentieren, gehen zu 90 Prozent ins Ausland.
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Diplom-Biologin Katharina Siebke testet mit dem Blatt einer Zimmerpflanze ein neues Messgerät. Foto: Barbara Herbst
Diplom-Biologin Katharina Siebke testet mit dem Blatt einer Zimmerpflanze ein neues Messgerät. Foto: Barbara Herbst
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Jeder kennt den Begriff aus dem Biologieunterricht. Photosynthese ist ein Prozess, der sich bei Pflanzen rund um den Globus täglich ereignet. Mit Hilfe der Sonnenenergie wandeln sie das Kohlendioxid in der Atmosphäre sowie Wasser in Biomasse und Sauerstoff um.
Wie gut ihnen das gelingt, können Forscher mit mobilen Geräten feststellen, die die Photosyntheseaktivität messen. Die Firma Walz in Effeltrich (Landkreis Forchheim) baut solche Messgeräte. Die Konkurrenz ist überschaubar. Weltweit gibt es nur zehn Firmen, die so etwas machen. "In Deutschland sind wir der alleinige Hersteller", sagt Steffen Walz.


Ein Nischenmarkt

Sein inzwischen verstorbener Vater Heinz, ein ehemaliger Siemens-Mitarbeiter, hat vor 45 Jahren das Unternehmen gegründet. Ein Nischenmarkt, auf dem Walz Weltmarktführer ist.
Wer das Unternehmen aus der fränkischen Schweiz im Internet sucht, stößt nur auf eine Webseite in englischer Sprache. "Für wen sollen wir eine deutsche Version machen?", sagt Harald Walz und verweist auf die Herkunft der Kunden.
Er und sein Bruder Steffen - beide Diplomingenieure - führen heute einen Familienbetrieb, den es so kein zweites Mal gibt. Die Produktionsräume liegen mitten in einem Wohngebiet, die Chefs wohnen gleich nebenan, und auch ihre Ehefrauen arbeiten in der Firma mit, kümmern sich um Lohn- und Finanzbuchhaltung oder die Auftragsabwicklung.


Für Forschungseinrichtungen weltweit

Eine kleine Manufaktur mit 36 Beschäftigten. Hier arbeiten Elektroniker, Maschinenbauer, Biologen und Software-Entwickler Hand in Hand und fertigen Geräte, die Forschungseinrichtungen und biologische Institute weltweit nutzen. Hinzu kommen Industriekunden wie BASF oder Monsanto.
Auch in der Region gibt es Abnehmer: die Lehrstühle für Biologie an den Universitäten Erlangen, Bayreuth und Würzburg. Doch in der Regel landen die Walz-Messgeräte für die Photosynthese im Ausland. "Unser Exportanteil liegt bei über 90 Prozent", sagt Steffen Walz. "39 Prozent gingen im vergangenen Jahr nach China."


Geringe Stückzahlen

Angst vor der Kopierlust asiatischer Anbieter haben die Walz-Brüder nicht. "Da sind die Stückzahlen zu gering. Wir sind kein Massenprodukt", sagt Steffen Walz. Zudem seien die Geräte sehr komplex und würden daher nicht kopiert.
Bis so ein Messgerät zusammengebaut und programmiert ist, vergehen sechs bis acht Wochen. Bis zu 400 Exemplare verlassen jährlich die Walz-Fertigung. Je nach Serie kosten sie zwischen 2500 und 35 000 Euro. Dafür halten sie auch sehr lange. "Rund 15 Jahre", schätzt Harald Walz. Auch repariert wird in Effeltrich noch. Vor allem in den Wintermonaten schicken die Kunden bei Bedarf solche Geräte.


Reaktion auf Herbizide

Im Sommer sind die Geräte im Freien für den Forscher wichtiges Hilfsmittel, um zu prüfen, ob es einer Pflanze gut geht. Wie aktiv die Photosynthese verläuft, hängt von der Wachstumsphase einer Pflanze und von ihrer Gesundheit ab. Mit den Messungen lässt sich ermitteln, wie stark eine Pflanze durch Kälte, Hitze oder Salz beeinträchtigt ist. In Zeiten des Klimawandels ist dies ein wichtiger Indikator. Auch die Agrar- und Forstwirtschaft greift auf solche Geräte zurück. "Mit unseren Geräten kann man zum Beispiel auch sehr früh sehen, wie eine Pflanze auf Herbizide reagiert", nennt Harald Walz ein Anwendungsbeispiel für die Agrarindustrie. Die Einsatzmöglichkeiten seiner Geräte sind dabei so breit wie die globale Pflanzenwelt - vom Reis in Thailand bis zum fränkischen Weinstock.
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