Wenn Stephanie Pracht mit ihrer Geige auf der Bühne steht und das Konzert beginnt, scheint sie in diesem Moment an keinem anderen Ort der Welt sein zu wollen. Sie schwingt ihren Geigenbogen, hüpft wie wild im Takt und kann ihre Freude an der Musik nicht verbergen. Ihr Lächeln ist so ansteckend, dass den Zuschauern überhaupt nichts anderes übrig bleibt, als eifrig zu klatschen, zu tanzen und mitzusingen.
Auf der Bühne trägt die 25-Jährige den derben Künstlernamen "Johanna von der Vögelweide" und reiht sich damit in die ironischen Pseudonyme ihrer Bandkollegen ein. Ob "Prinz Hodenherz" oder "Sir Lanze flott" - die Mittelalterband Feuerschwanz aus dem Raum Erlangen spielt mit Ironie und derbem Humor.

Ein humorvoller Farbtupfer


Seit 2005 ist Stephanie Pracht, die aus Effeltrich stammt, mit dabei bei Feuerschwanz. "Wir sehen uns als Farbtupfer in der doch eher ernsten Mittelalterszene", betont Stephanie Pracht den parodistischen Charakter der Band. Mit ihren bunten, ausgefallenen Kostümen sowie den witzigen Texten über "Met und Miezen" löst die sechsköpfige Gruppe diesen Anspruch auch spielend ein. Momentan touren sie mit Szenegrößen wie Subway to Sally. Für Stephanie Pracht ist das mittlerweile Alltag. "Pro Jahr haben wir 30 bis 40 Konzerte, nächstes Jahr sogar 50, da wir ein neues Album veröffentlichen werden", berichtet sie.
Schon mit fünf Jahren hat sie angefangen, Geige zu spielen und hat später darin auch eine klassische Ausbildung durchlaufen. Zur Band Feuerschwanz ist sie dann eher durch Zufall gekommen. Bekannte hätten ihr erzählt, dass eine Geigerin gesucht werde. "Dann habe ich eben vorgespielt und schon war ich fest dabei", erinnert sich Stephanie.
Zwar sei es nicht immer leicht als einziges weibliches Bandmitglied, "da muss man mehr arbeiten und sich durchbeißen". Gerade auch deshalb, weil die Mittelalterszene eher männlich dominiert ist. Dennoch empfindet sie jedes Livekonzert von neuem als Highlight. Am wichtigsten ist ihr dabei die Bindung zum Publikum. "Wie die Leute mitgehen und klatschen, das ist einfach ein super Gefühl", erzählt sie. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Auftritt beim Kultfestival "Wacken" vor zwei Jahren. Ihre Augen leuchten, wenn sie an diesen Abend zurückdenkt: "Jeder Musiker will mal in Wacken auf der Bühne stehen. Wir spielten abends zur besten Zeit, es war total voll. Alles dort war so riesig groß und das Publikum einfach super."

Extra Russisch gelernt


Bisher ist Feuerschwanz hauptsächlich im deutschsprachigen Raum unterwegs gewesen, doch der einzige Auftritt außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Stephanie nachhaltig in Erinnerung geblieben. 2009 durften sie in der russischen Hauptstadt Moskau spielen.
Der Veranstalter hatte für sein Programm eine deutsche Mittelalterband gesucht und Feuerschwanz eingeladen. "Es war zwar ziemlich kalt, aber auch ein beeindruckendes Erlebnis. Die Leute dort haben uns sehr herzlich empfangen und waren sehr gastfreundlich", erzählt die Geigerin. Die Bandmitglieder hatten extra ein paar Sätze auf Russisch gelernt, um ihr Publikum ähnlich gut wie in Deutschland animieren zu können.
Abseits der Musik widmet Stephanie Pracht ihre Aufmerksamkeit dem Reitsport. Seit fünf Jahren gibt sie Reitstunden in Effeltrich. Um dieser Aufgabe noch besser gerecht zu werden, macht die 25-Jährige gerade einen Ausbildung zur Trainerin. Außerdem unterstützt sie das therapeutischen Reiten für Kinder in integrativen Gruppen.
Dies gilt auch für das Voltigieren, bei dem die Reiter auf ihren Pferden turnen. "Für die Band ist das Wochenende reserviert, unter der Woche bin ich im Stall", sagt Stephanie Pracht.