Forchheim
Strafprozess

Sechs ungestempelte Eier kommen den Angeklagten teuer zu stehen

Ein 40-Jähriger landet vor Amtsrichterin Silke Schneider. Und in den Besucherrängen geht es zu wie im Fußballstadion.
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Symbolbild
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Sechs Eier für 1400 Euro? Und wie lang ist der Arm der "Eiermafia"? Im Zuhörerraum saßen einige selbsterklärte Hygiene-Päpste, die offenbar einen Betriebsausflug zum Amtsgericht unternommen hatten, und grinsten sich einen. Verteidiger Rupert Hofmann war darüber derart sauer, dass er die Zuhörer zu einem der Würde des Gerichts angemessenen Verhalten auffordern musste ("Wir sind hier doch nicht im Fußballstadion!") - und am Ende auf sein Plädoyer verzichtete. Der 40-jährige Lebensmittelhändler, der vor Amtsrichterin Silke Schneider saß, war offenbar von einer älteren Kundin nach allen Regeln der Kunst in die Pfanne gehauen worden. Er hatte, so lautete der Vorwurf, etwa 40 Eier zum Verkauf angeboten. Mit einem handgeschriebenen Schild und der Aufschrift "Freiland (Bioeier) St: 29 Cent, Handelsklasse 1".

Hämisches Grinsen

Die Kundin hatte um ein halbes Dutzend solcher Eier gebeten, sie auch bekommen und den Händler hernach angezeigt, weil die Eier nicht gestempelt waren. Auch ihr Ehemann befand sich im Zuhörerraum des Amtsgerichts und grinste mit. Nun will man nicht unbedingt genau wissen, was im Zeitalter von Gammel-Rindfleisch und Pferdewurst-Skandal in deutschen Gasthausküchen zu Eierspeisen verarbeitet wird.

Doch die Reaktion der öffentlich bestallten Gesundheitshüter warf doch die Frage auf, ob da nicht mit den berühmten Kanonen auf die nicht minder bekannten Spatzen geschossen werde. Ein Strafbefehl von 1400 Euro für sechs Eier? "Solange sich der Verteidiger zum Sprachrohr seines Mandanten macht, zeigt er nur seine Uneinsichtigkeit", hieß es.

Richterin baut Brücken

Hofmann hatte nichts weiter getan, als eine "vernünftige Geldbuße", verbunden mit einer Einstellung des Verfahrens, zu fordern. "Es bleibt eine Straftat", beschied der Vertreter der Anklage und verlangte kategorisch, dass der Einspruch zurückgezogen werde.

Mit anderen Worten: Der Strafbefehl sollte in vollem Umfang erhalten bleiben. Amtsrichterin Schneider merkte sehr bald, dass die Stimmung im Saal bis in die Haarspitzen emotional aufgeladen war. Sie versuchte aus diesem Grund, allen Prozessbeteiligten Brücken zu bauen. Plötzlich war von einer Beschränkung auf die Rechtsfolgen - und damit auf die Höhe des Strafbefehls - die Rede, und dass ein Betrag von 900 Euro in Raten gezahlt werden könne.

Da die Anklageseite hart allerdings wie Beton blieb, mussten sich Angeklagter und Verteidiger notgedrungen darauf einlassen. Sie stimmten letztlich 30 Tagessätze zu 30 Euro zu. Das macht unter dem Strich eine Gesamtbuße von 900 Euro. Für sechs ungestempelte Eier ist dies jedoch immer noch ziemlich happig.


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