Es ist ein Satz, an dem es nichts zu interpretieren gibt: "Heimweh hatte ich nie." Das sagt Isabel Schaffer. Die 73-Jährige ist Ordensschwester der Styler Missionare, argentinische Staatsbürgerin - und in diesem Tagen auf Heimaturlaub in Hohenmirsberg. Hier kennen sie alle als "Lies". In Hohenmirsberg wurde Isabel Schaffer geboren.

Hier wurde sie getauft, gefirmt und hier in Hohenmirsberg besuchte sie auch die Schule.
Isabel Schaffer war 19 Jahre alt, als sie die wahrscheinlich wichtigste Entscheidung ihres Lebens traf: Sie entschloss sich, dem Orden der Styler Missionare beizutreten. Sie fühlte sich einfach zur Missionarin berufen.

"Ich bin glücklich"

Nachdem sie die Berufsschule in Pottenstein abgeschlossen hatte, nahm Isabel Schaffer Abschied.
Von der Familie und ihren Freunden im Dorf.

"Das habe ich nie bereut, ich bin glücklich und möchte mit niemandem tauschen", sagt Schwester Isabel heute, die es in Argentinien bis zur Leiterin einer Schule mit 1500 Kindern und Jugendlichen gebracht hat. Noch heute vertritt sie die Schule gegenüber dem Orden und dem argentinischen Staat in rechtlichen und organisatorischen Angelegenheiten.

Wahrscheinlich hatten die Eltern von Isabel unwissentlich einen großen Anteil daran, dass ihr Leben geworden ist, was es nun ist. Ihre Eltern hatten die Zeitschrift der Styler Missionare "Stadt Gottes" abonniert.
Darin las die junge Isabel immer wieder von Missionarinnen im Ausland. Dies weckte ihr Interesse, selbst Missionarin zu werden, um armen Kindern zu helfen.

In Oberdischingen trat sie dem Orden der Styl Missionare. Diese haben ihren Sitz in Styl in Holland. Im Januar 1963 wurde Isabel Schaffer von ihrem Orden dann per Schiff nach Argentinien geschickt, wo sie am 6. Februar 1963 im Hafen von Buenos Aires ankam.

Von dort aus ging es in die Provinz Entre Rios, wo sie ihre Ausbildung fünf Jahre lang fortsetzte und das Abitur nachholte. "Da es eine spanische Schule war, musste ich auch sehr schnell Spanisch lernen", erinnert sich Schwester Isabel. Heute fällt ihr das Spanisch leichter als das Deutsche. In Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentinens, bildete sich Schaffel zur Gymnasiallehrerin weiter.
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"Deutschland ist schön"

Dass Isabel Schaffer nie Heimweh hatte, lag wohl auch daran, dass sie immer viel beschäftigt war: "Ich hatte nie Zeit gehabt, darüber nachzudenken."

Damit aber keine Missverständnisse entstehen: "In Hohenmirsberg bei meiner Familie und meinen Freunden fühle ich mich aber auch sehr wohl", sagt Schwester Isabel. Seitdem sie pensioniert ist, kommt sie alle vier Jahre für drei Wochen auf Heimaturlaub nach Hohenmirsberg.

"Da gibt es schon Emotionen, wenn man mit dem Flugzeug über Deutschland fliegt. Denn Deutschland ist ein sehr schönes Land", sagte Schwester Isabel Schaffer.

Und in Argentinien, wo sie lebt, gibt es auch keinen richtigen Wald mehr. Der musste einst der Landwirtschaft weichen, die einen großen ökonomischen Stellenwert in Argentinien hat. In Hohenmirsberg besucht sie jeden Gottesdienst.
Sie besucht auch das Grab ihrer Eltern und Brüder und das von Pfarrer Johann Lang , der sie einst getauft hat.