Forchheim
Tag des offenen Denkmals

Denkmalschutz: Rechtsextremist wollte im Schloss Ermreuth Führer sein

Einen Eklat gab es im Vorfeld des Tag des offenen Denkmals, denn das Schloss Ermreuth stand bis Donnerstag auf der offiziellen Liste der Denkmäler.
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Das Schloss Ermreuth Foto: Archiv
Das Schloss Ermreuth Foto: Archiv
Einen Eklat gab es im Vorfeld des Tag des offenen Denkmals, denn das Schloss Ermreuth stand bis Donnerstag auf der offiziellen Liste der Denkmäler, die am Sonntag ihre Pforten öffnen werden. Die Liste der teilnehmenden Örtlichkeiten ist aufwww.tag-des-offenen-denkmals.deeinsehbar.

Die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals kann bei der Stiftung Denkmalschutz in Berlin angemeldet werden. Dadurch kam auch der verurteilte Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann dazu, das Schloss Ermreuth anzumelden.


Grund war offenbar Unwissen

Der Stiftung in Berlin war offenbar nicht bekannt, dass das Ermreuther Schloss durch Hoffmann als Leiter der "Wehrsportgruppe Hoffmann" in den 1970er Jahren viel Aufmerksamkeit bekommen hatte. Im Januar 1980 wurde das Schloss gestürmt und die Wehrsportgruppe verboten. Hoffmann wurde kurze Zeit später - allerdings wegen anderer Verbrechen - zu neun Jahren Haft verurteilt. Auch nach seiner Haftentlassung trat er immer wieder durch Vorträge und Buchveröffentlichungen im rechten Bereich in Erscheinung.

Beim Forchheimer Landratsamt und auch bei der Stiftung Denkmalschutz kam es nach Bekanntwerden der Teilnahme Hoffmanns zu massiven Beschwerden. Hoffmann hatte sich unter anderem als "Führer" für die Touren durch das Schloss angeboten. Zudem wollte Hoffmann einen Vortrag halten, in dem er die Geschichte des Schlosses thematisieren wollte.


Proteste von allen Seiten

Dieser rechte Beigeschmack stieß unter anderem auch Ludwig Preusch, FW-Stadtrat in Forchheim, sauer auf.
Er wandte sich mit einer Stellungnahme an den Landrat und die lokalen Medien. "Hiermit teile ich Ihnen mein Befremden mit, dass mit Schloss Ermreuth das Domizil eines verurteilten und seit Jahrzehnten international bekannten Rechtsextremisten vom Landkreis beziehungsweise dem Landratsamt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für den Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag vorgeschlagen wurde", beginnt der Forchheimer FW-Stadtrat und stellvertretende Vorsitzende von "Bunt statt braun", Forchheimer Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus, sein Schreiben. "Das Ganze ist schlicht ein skandalöser Vorgang", findet Ludwig Preusch abschließend in seiner Stellungnahme.


Erleichterung im Landratsamt

Das Landratsamt Forchheim teilte auf Nachfrage mit, dass die Teilnahme abgelehnt werde. Dem Amt seien jedoch die Hände gebunden, da der Veranstalter die Stiftung Denkmalschutz sei.

Nachdem bekannt wurde, dass das Schloss Ermreuth von der Liste gestrichen wurde, zeigte sich Pressesprecher Holger Strehl erleichtert: "Auch bei uns waren viele Hinweise und Proteste eingegangen."


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