Forchheim
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vk.com - Russische Alternative zu Facebook ist Rückzugsort für Rechtsextreme

Das Netzwerk "vk.com" ist Facebook sehr ähnlich. Dort tummeln sich Rechtsradikale, tauschen sich mit Gleichgesinnten aus und bestätigen ihr Weltbild.
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Das russische Netzwerk vk.com sieht auf den ersten Blick aus wie Facebook.  Foto: Barbara Herbst
Das russische Netzwerk vk.com sieht auf den ersten Blick aus wie Facebook. Foto: Barbara Herbst
Die Seiten heißen "Tägliche Einzelfälle", "Asylterror" oder "Schluss mit dem Asylwahn". Sie teilen Beiträge, auch die des Fränkischen Tags, von inFranken.de, und lassen dazu ihre rassistischen und hasserfüllten Kommentare ab.

Seiten, die bei Facebook von Hunderten gemeldet werden würden, bleiben hier unkritisiert stehen, denn im sozialen Netzwerk www.vk.com sind nur wenige Deutsche angemeldet. Die meisten Nutzer sind aus Russland oder den anderen ehemaligen sowjetischen Staaten.

Diejenigen, die aus der Region Forchheim angemeldet sind, haben zum großen Teil ihre Wurzeln in diesen osteuropäischen Ländern, posten und kommentieren in kyrillischer Schrift. Unter den 52 Mitgliedern, die die Stadt Forchheim als Wohnort angegeben haben, sind aber auch offensichtlich Rechtsradikale.

Sie haben Bilder von der Reichsflagge als Profilbild und überhaupt kein erkenntliches Gesicht - wie viele der rechtshetzenden Nutzer des Netzwerks. Sie wollen nicht erkannt werden, vielleicht auch, weil sie wissen, dass sie sich auf rechtlich nicht einwandfreiem Grund bewegen.


Ausweichnetzwerk ist bekannt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz sagt, dass es im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags die Informationen "über Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind", sammle und diese bewerte. "Die Informationsgewinnung erfolgt zum größten Teil aus offen zugänglichen Quellen", erklärt eine Sprecherin der Pressestelle des Amtes, "neben Printmedien, Fernsehen, Publikationen, Redebeiträgen und anderen Quellen wird hierzu auch das Internet - und damit auch die sozialen Netzwerke - zu Recherchezwecken genutzt." Natürlich sei Facebook das meistgenutzte soziale Netzwerk und somit auch im Fokus des Amtes. Aber man versuche auch über das "Ausweichnetzwerk" "vk.com" Informationen zu gewinnen.

Eine Gruppe mit mehreren hundert Mitgliedern im Netzwerk "vk.com" nennt sich "Widerstand (Art. 20 GG)". In ihrer Seiteninformation schreiben die Betreiber: "Diese Community widersetzt sich der Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland. Es kann nicht sein, dass der Bürger nicht offen sagen darf und kann, dass er mit der aktuellen Einwanderungspolitik nicht einverstanden ist."


Vorwürfe gegen Medien

Diese Seite und auch andere werfen den Medien, aber auch den Politikern vor, Meinungen zu unterdrücken und Tatsachen zu verschweigen. Die Seitenbetreiber betonen, dass sie objektiv und sachlich über die aktuelle Situation und Entwicklung im Zusammenhang mit der Zuwanderung, der aktuellen politischen Entwicklung in Deutschland und Österreich, über den "Islamischen Staat" und die zunehmende Bedrohung durch islamistische Terroristen in Europa informieren wollen. Objektive Berichterstattung würde allerdings einschließen, dass beide Seiten gehört werden, dass gute und schlechte Nachrichten geteilt werden. Was aber geteilt wird, sind ausschließlich Artikel zu Straftaten von Asylbewerbern.

"Sollte die Polizei von strafrechtlichen Inhalten auf entsprechenden Netzwerken Kenntnis erlangen, müssen Ermittlungen eingeleitet und durchgeführt werden", erklärt Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Oberfranken. Nur negative Berichte zu teilen ist aber nicht strafbar. Die Polizei gehe aber schon auch auf "virtuelle Streife", sagt Stadter. Zudem meldet das Bundesamt für Verfassungsschutz den zuständigen Polizeibehörden, wenn ihnen offensichtlich strafrechtlich relevante Profile auffallen. Dann gegen die Betreiber vorzugehen, ist aber nicht nimmer einfach.


Recht liegt beim Land

"Grundsätzlich gilt das Recht des Landes, in dem der Betreiber mit seinem technischen Equipment sitzt", erklärt Stadter. Bei "vk.com" wäre das Russland. "Sollte ein Nutzer über sein Profil oder seine Inhalte identifizierbar sein, so kann er auch bei uns strafrechtlich verfolgt werden", betont der Polizeisprecher. Allerdings sei die Polizei auf die Mitarbeit und Unterstützung des Betreibers angewiesen, wenn es darum geht, die Verbreitung von ausländerfeindlichen oder sexistischen Botschaften zu unterbinden.

Problematisch wird es, wenn die Nutzer gar nicht merken, wie sie nur selektiv informiert werden. Offensichtliche Fake-News sind seltener als auf Facebook, doch Manipulation kann schon durch Selektierung beginnen. Und dagegen kann wohl nichts getan werden.


Über das Netzwerk

Internetseite Das soziale Medium vk.com (russische Abkürzung für "in Kontakt") hat seinen Sitz in Russland. Für viele Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist es das soziale Medium Nummer 1, noch vor Facebook. Die Website gibt es seit 2006.

Nutzer Im März 2014 hatte das Netzwerk nach eigenen Angaben über 100 Millionen aktive Nutzer, hauptsächlich in Russland und der Ukraine. Immer mehr Nutzer sehen in vk.com aber ein Ausweichmedium für Botschaften, die bei Facebook gesperrt werden.

Landkreis Den Wohnort Forchheim haben bei "vk.com" 52 Menschen angeben. In Heroldsbach sind es drei, in Gräfenberg zwei, in Gößweinstein vier, in Ebermannstadt fünf, im Wiesenttal, in Eggolsheim und Hausen jeweils null.

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