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Forchheim
Urteil

Richterin glaubt nicht an Filmriss

Ein 24-jähriger Iraker muss wegen Körperverletzung und Beleidigung für sieben Monate ins Gefängnis. Damit verliert der Lagerarbeiter vermutlich seinen Job.
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Im Amtsgericht Forchheim musste sich der Iraker, der früher in Forchheim wohnte, für seine Taten verantworten.  Foto: Jennifer Hauser
Im Amtsgericht Forchheim musste sich der Iraker, der früher in Forchheim wohnte, für seine Taten verantworten. Foto: Jennifer Hauser
Dieses Mal wird es keine weitere Chance für einen Angeklagten aus Hamm geben. Bereits in der Vergangenheit ist er mehrmals durch sein aggressives Verhalten aufgefallen - ist sogar wegen Beleidigung und Körperverletzung vorbestraft. Jetzt klicken die Handschellen.

Der Angeklagte selbst erinnert sich nicht an die Tat - kann sich nicht vorstellen zwei Menschen geschlagen und beleidigt zu haben. Eine Gedächnislücke, die die Opfer vor Gericht schnell schließen konnten.


Angriff ohne jeden Grund

Laut Anklage habe der 24-Jährige mit irakischer Staatsangehörigkeit nach dem Anna-Fest 2015 eine Person aus einer Gruppe ohne Grund geohrfeigt. "Wir hatten beim Vorbeigehen miteinander Augenkontakt, aber ich habe nichts gesagt. Auf einmal habe ich eine Schelle mit der offenen Hand bekommen", erinnert sich der 19-jährige Geschädigte.


Als die Gruppe den Iraker zur Rede stellen wollte, sei sie mit den Worten "Scheiß Deutsche" beleidigt worden. Als einer aus der Gruppe die Polizei verständigen wollte, wurde ihm das Handy aus der Hand, und zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Von der anderen Straßenseite sei dann eine weitere, bisher unbekannte, Person gekommen und habe zweien der Opfer Pfefferspray in die Augen gesprüht.

Nicht einmal der Freund des Angeklagten, der ihn während des Angriffs begleitete, konnte ihn entlasten. Im Gegenteil: "Er hat mit der Streiterei angefangen. Er hat rumgeschrien. Ich konnte ihn nicht beruhigen", erklärte der 36-Jährige vor Gericht. Da er den Täter nicht abhalten konnte, verließ er den Tatort - erfuhr erst im Nachhinein von der Attacke mit dem Pfefferspray und den beiden Faustschlägen. Die Ohrfeige sah er noch mit eigenen Augen: "Die Jungs haben nichts gemacht", beteuerte er.

Besonders verdächtig: Während der Angeklagte vor Gericht erklärte, keinerlei Erinnerung an das Geschehene zu haben, erzählte er seinem Freund kurz nach der Tat von den Ereignissen. "Er hat mir ganz normal davon erzählt, dass ein Albaner von der anderen Straßenseite mit Pfefferspray gekommen ist", erinnert sich der 36-jährige Freund.

Da der Angeklagte nach der Tat flüchtete, konnte er nur Dank einer Zeugin, die ihn Tage später auf der Straße wiedererkannte, geschnappt werden.Einige Zeit nach dem Anruf sei der Angeklagte zu der Zeugin gekommen und habe ihr gedroht.

Dass sich der Iraker nicht unter Kontrolle hat, bewies er bereits in der Nacht des Vorfalls. Kurze Zeit vor dem Angriff habe er bereits die Security einer Bar beleidigt, sagte die Zeugin.
Genug Straftaten für Staatsanwältin Kathrin Thal, die eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten forderte. "Ich habe Zweifel an ihrem Filmriss. Ich halte es ihnen zu Gute, dass Sie sich entschuldigt haben und die Opfer keine schweren Verletzung davontrugen. Ihr Rückfallrisiko ist groß. Eine Bewährung ist nicht mehr drin."

Rechtsanwalt Andreas Dräger beurteilte die Situation vollkommen anders - glaubt die Taten seien Ausnahmesituationen. Außerdem habe der Angeklagte nun eine Arbeit gefunden und erwarte mit seiner Freundin ein Kind. Umstände, die Richterin Silke Schneider nicht mehr berücksichtigen wollte. "Ich kann ihnen keine Bewährung mehr geben. Die andere hat sie auch nicht davon abgehalten, Straftaten zu begehen." Ihr Urteil: sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

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