Der Rücktritt von Renate Reichelt hält den CSU-Kreisverband in Atem. Nach den Querelen zwischen CSU-Kreischef Udo Schönfelder und dem Landtagsabgeordneten Eduard Nöth hatte Kreisgeschäftsführerin Reichelt das Handtuch geworfen. Derzeit sitzt sie zwar noch in der Geschäftsstelle, ist aber offiziell nur noch für das Abgeordnetenbüro von Eduard Nöth zuständig.
Udo Schönfelder hat angekündigt, in den nächsten Tagen eine Nachfolgerin für Renate Reichelt zu präsentieren; doch das dürfte schwierig werden. So mahnt etwa Stefan Förtsch, der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende und Bürgermeister von Egloffstein: "Zwei konkurrierende Büros, das wäre tödlich für die Abläufe". Dieser Trennungsversuch sei das "traurige Ergebnis eines Zerwürfnisses zwischen Schönfelder und Nöth". Derzeit sei "Sand im Getriebe", meint der Egloffsteiner Bürgermeister: "Dennoch ist es nicht unbedingt erforderlich, eine neue Kreisgeschäftsführerin zu suchen."

Wahl: Nöth legt sich nicht fest


Die verfahrene Situation nahm am 2. Januar ihren Anfang: An jenem Montag hatten sich Udo Schönfelder und Eduard Nöth zu einem Vieraugengespräch getroffen. Thema: Die Landtagswahl 2013. Schönfelder wollte eine Zusage, als Forchheimer CSU-Kandidat in den Landtagswahlkampf geschickt zu werden. Doch Nöth ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht festlegen. "Verständlich", urteilt Stefan Förtsch. Es sei nicht sinnvoll, sich zu früh aus dem Fenster zu lehnen: "Die Gefahr, dass die Kandidaten dann rasiert werden, ist zu groß."
Seit jenem 2. Januar habe sich etwas geändert, erinnert sich Renate Reichelt: Schönfelder war nicht mehr mit der Verteilung der Mails einverstanden. Jahrelang hatten sich Kreis-CSU und das Abgeordnetenbüro die Mailadresse csu-kreis-forchheim@t-online.de geteilt. Von nun an wollte Schönfelder sämtliche Mails, die über diese Adresse die Geschäftsstelle erreichten, von zu Hause aus mitlesen. Am 3. Januar hatte Schönfelder erstmals einen Umleitungsmanager am Computer installiert. Mit dieser Lösung waren Reichelt und Nöth nicht einverstanden, weil Schönfelder so auch jene Bürgeranfragen mitlesen würde, die nur für Nöth bestimmt waren.
Renate Reichelt sagt, sie habe Schönfelder von da an fast gebetsmühlenhaft aufgefordert, sich eine eigene Adresse für den CSU-Kreisverband zuzulegen. "Statt zu handeln hat er über Wochen darauf gepocht, die alte Adresse nutzen zu können."
Das eigentliche Problem sei aber gewesen, dass Schönfelder ihr zu misstrauen begann, sagt Renate Reichelt. "Immer wieder gab es Unterstellungen, ich würde ihm Informationen nicht weiterleiten. Irgendwann war dann das Vertrauen nicht mehr da."
Zu keinem Zeitpunkt habe sie Schönfelder unterstellt, sich heimlich Informationen aneignen zu wollen, betont Renate Reichelt. Aber sie habe zunehmend den Eindruck gewonnen, dass Schönfelder sich durch sein Misstrauen selbst schade.
Doch die Atmosphäre des Misstrauens blieb. Und Renate Reichelt legte am 17. Februar das Amt der Kreis-Geschäftsführerin nieder.

Schönfelder blickt nach vorne


Nun blicken viele in der CSU hoffnungsvoll auf den 7. März. Diesen Mittwoch werden sich die sieben Vorstandsmitglieder und 14 Beisitzer des CSU-Kreisverbandes dick in ihrem Kalender unterstrichen haben. Udo Schönfelder möchte die interne Vorstandssitzung nutzen, um einen Schlussstrich unter die Querelen und Gerüchte der vergangenen Wochen ziehen. Die Ereignisse hätten ihn "nachdenklich gestimmt", sagte der CSU-Kreisvorsitzende gestern. Statt miteinander zu reden, habe man "Gerüchte erzeugt". Er glaube aber, "dass die Gesamtpartei den Blick jetzt nach vorne richten wird."
Aber wohin? Schönfelder richtet den Blick auf ein neues Mailsystem und auf die Präsentation einer neuen Kreisgeschäftsführerin. Stefan Förtsch dagegen richtet den Blick darauf, "den Streit zu kitten".
Vielleicht könne die Kreisgeschäftsstelle personell unterstützt werden, sagt Stefan Förtsch. "Aber die Person Reichelt ist unverzichtbar"; ihre Kompetenz und ihr Netzwerk müssten genutzt werden.
Und Heinz Marquart, der Chef im CSU-Arbeitskreis Umweltschutz, sagt: "Wir müssen mit Renate Reichelt weiter machen." Der 64-Jährige schlägt eine "billige und effektive Lösung" vor. Nach dem Vorbild des Konklave sollten sich alle Beteiligten einschließen und so lange miteinander reden, "bis weißer Rauch aufsteigt und ein Kandidat gefunden ist" . Das sei ja die Stärke der CSU, sagt Heinz Marquart: "Wir sind eine christliche Partei und haben die absolute Versöhnungspflicht."
Würden zwei Frauen in der Geschäftsstelle zwei unversöhnte Politiker vertreten, "dann wäre das der Einstieg ins Mobbing". Daher "plädiert" Marquart für eine Geschäftsführerin Renate Reichelt. Und er plädiert dafür, dass sich Udo Schönfelder gedulden müsse: "Natürlich geht es auch darum: Ist Eduard Nöth bereit, seinen Platz frei zu machen. Doch in dieser Frage muss Schönfelder Rücksicht auf Nöth nehmen. Der hat ihm den Job des Kreisvorsitzenden überlassen. Jetzt kann Schönfelder nicht an der Tür rütteln und sagen, da will ich rein."
Renate Reichelt sagt, dass es in der Praxis "schwierig ist, die Logistik der Kreis-CSU von derjenigen des CSU-Abgeordneten zu trennen". Sie sagt aber auch, dass es für sie unter den bestehenden Umständen nicht möglich ist, an die bisherige Arbeit anzuknüpfen: "Ein Zurück unter diesem Vorsitzenden wird es für mich nicht geben."