Forchheim
Gedenktag

Reinigungskräfte wünschen sich mehr Anerkennung

Heute jährt sich bereits zum neunten Mal der Weltputzfrauentag. Zu diesem Anlass haben wir unsere Redaktions-Putzfee Christine Lugert bei ihrer täglichen Arbeit begleitet.
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von unserem Redaktionsmitglied 
MiRIAM OCH

Morgens halb zehn in Deutschland: Die Redaktionsräume sind auf Hochglanz gebracht. Und eine Kanne frisch aufgebrühter Kaffee wartet auf die noch etwas müden Zeitungsmacher. Dass die Büroräume nicht in Stapeln von Altpapier versinken und gebrauchtes Geschirr nicht die PCs verstellen, ist der Verdienst unserer Reinigungskraft Christine Lugert (58). Bevor das geschäftige Treiben in der Redaktion beginnt, hat die "Christel" bereits Feierabend.

Seit 19 Jahren ist Christine Lugert (58) schon als Reinigungskraft beim Fränkischen Tag in Forchheim beschäftigt. Bevor der FT in die neuen Redaktionsräume umgezogen ist, hat sie immer abends geputzt. "Meistens saßen die Reporter dann noch an ihren Schreibtischen und man hat ein bisschen geplaudert", erinnert sie sich. Die Redaktion war wie eine kleine Familie für sie.
Inzwischen säubert sie die Büroräume schon früh am Morgen. "Ich fange um 5 Uhr an. Im Sommer, wenn es sehr heiß wird, manchmal auch schon um 4 Uhr", erzählt sie. Und dann legt sie los. Lappen, Wischmopp und Staubsauger sind jetzt gefragt.

Und los geht's...

Zuerst sammelt die 58-Jährige das benutzte Geschirr ein. Sie leert die Papierkörbe und entsorgt alte Zeitungen - davon gibt es hier eine Menge. Gewissenhaft werden die Schreibtische gewischt; auch Tastaturen und die empfindlichen PC-Bildschirme reinigt Christel mit einem speziellen Tuch.

Die "Ordnung" auf den Schreibtischen verändert sie dabei nicht. "Ich lasse alles genauso wie es ist. Private Unterlagen interessieren mich nicht", erklärt die Reinigungs-Fachkraft, ehe sie den Staubsauger einschaltet. "Der Teppichboden nimmt die meiste Zeit in Anspruch", ruft sie gegen den Lärm.

Die Toiletten werden auch täglich von ihr geputzt, damit alles hygienisch ist. Zum Schluss spült sie das Geschirr und kocht Kaffee für "die Familie". Insgesamt drei Stunden nimmt die tägliche Reinigung im Schnitt in Anspruch. Alle drei Wochen übernimmt die gelernte Arzthelferin außerdem die Hausordnung und wischt das gesamte Treppenhaus. Manchmal kommt die Christel auch am Samstag. Dann putzt sie alle Fenster blitzblank.

Weltputzfrauentag

Vom "Welt-Putzfrauentag" oder auch "Internationaler Tag der Putzfrau" hat Christine Lugert noch nie etwas gehört. Die Idee finde sie aber gut. Diesen hat 2004 die Krimiautorin Gesine Schulz in die Liste der Gedenktage in Wikipedia eingetragen. Als Datum hat Schulz den 8. November gewählt. Das ist nämlich der Geburtstag ihrer Romanheldin Karo Rutkowsky, einer Putzfrau und Privatdetektivin. Gewerkschaften und Politiker reagierten darauf. So findet dieser Tag auch immer mehr Beachtung in der Presse. Ziel ist es, auf die Berufsgruppe der Reinigungskräfte und ihre Leistung aufmerksam zu machen.

Mehr männliche Reinigungskräfte

Obwohl das Reinigungsgewerbe nach wie vor von Frauen dominiert wird, ist der Anteil der "Putzmänner" in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Eine Reinigungskraft ist definiert als eine Person, die beruflich sauber macht und davon lebt.

Laut Statistischem Bundesamt waren 2012 insgesamt 597 000 Erwerbstätige im Reinigungsgewerbe registriert. Davon waren 413 000 weiblich (69,2 Prozent). Hatte der Anteil der Putzmänner 2002 noch bei 26,7 Prozent gelegen, stieg diese Quote 2012 auf 30,8 Prozent. Insgesamt sind 1,5 Prozent aller Erwerbstätigen bei Reinigungsfirmen angestellt.

Den Begriff "Putzfrau" hören sie aber nicht so gerne. Er klingt zu negativ, hat keine Wertschätzung in der Bevölkerung. Da klingt Reinigungskraft oder Gebäudereiniger doch viel besser. Diese Menschen werden gebraucht; ihre Arbeit ist etwas wert.

Einmal Danke sagen

Genau daran erinnert der "Putz-Gedenktag". Die Leistungen dieser Berufsgruppe soll zumindest einen Tag in den Mittelpunkt gerückt werden. Aber auch die Leistungen jener Hausfrauen und -männer, die tagtäglich den Haushalt ihrer Lieben sauber halten, sollte nicht vergessen werden. Eine gute Gelegenheit, heute dafür einmal Danke zu sagen.
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