Forchheim
Bühne

Pucks Pülverchen zaubern einen Sommernachtstraum herbei

Shakespeares Sommernachtstraum wurde auf dem Pausenhof der Forchheimer Mostessorischule geträumt. Der Chor Messa di voce und die Theatergruppe Black Riders zaubern, bis die Paare zusammenpassen.
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Puck (Marvin Götz) sorgt für Verweirrung mit dem Liebespülverchen, aber er löst die Knoten auch wieder auf. Das kommentiert er mit "Jeder Hengst kriegt seine Stute - alles Gute." Foto: Pauline Lindner
Puck (Marvin Götz) sorgt für Verweirrung mit dem Liebespülverchen, aber er löst die Knoten auch wieder auf. Das kommentiert er mit "Jeder Hengst kriegt seine Stute - alles Gute." Foto: Pauline Lindner
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Ein großer, ja stattlicher junger Mann mit Jeans und einem bedruckten T-Shirt setzt sich im Pausenhof der Montessorischule auf einen der Stühle für das Publikum, das sich die "Chorfassung" von Shakespeares Sommernachtstraum ansehen will. Nur, der Platz ist schon reserviert. Für eine junge Dame.

Auf die würde er gern warten, sagt er zur Nachbarin und erhebt sich dann doch. Ihr fällt auf, dass er noch mehrmals seinen Platz unter den Zuschauern wechselt. Merkwürdig!

Derweilen zieht der Chor Messa di voce mit seinem Leiter Ingo Behrens ein. Alle haben sich mit Blüten und Efeukränzen ausgestattet, den adäquaten Attributen für die Geister der Sommernacht. Selbst dreieckige Koboldohren sind zu sehen.


Ungewöhnliches Ambiente

Der überdachte Übergang zum früheren Berufschulwerks tattgebäude ist akustisch ein toller Platz, und drei Stufen höher hat der Chor den Überblick über das Spiel der Menschen, Feen und Kobolde - und kann der Gruppe Black Rider mit Musik kommentieren.

Da taucht doch schon wieder der junge Mann auf und zwängt sich durch die Stuhlreihen. In die Richtung der Baumgruppe mit dem Pausensitzgelegenheiten läuft er, greift nach einem schwarzen Ledermantel und schlüpft hinein; dazu kommen eine Lederkappe im Stil der Fliegerhauben und eine riesige orangerosa Sonnenbrille. Fertig ist der Puck, der tapsige Geist, der in den Sommernächten für allerhand Verwirrung sorgt.

Der Sommernachtstraum dürfte das meistgespielte Stück des unsterblichen Briten sein. Obwohl oder gerade weil es ein federleichter Traum von den Irrnissen und Wirrnissen der Liebe ist. Puck (Marvin Götz) darf im Auftrag seines Herrn Oberon (Klaus Hellmerich) den Liebesblütenstaub streuen. Wie bekannt, trifft er da ein paar Mal den Falschen.

Wie den biederen Athener Handwerker Peter Squenz, der sein Herz an einen Esel verliert. Dieses derbe Zwischenspiel, ehe sich die zwei Liebespaare Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius finden, hat Regisseur Rainer Streng weggelassen.

Das hochkomische Element ist in der Forchheimer Version durch die Auftritte des Chors ersetzt. Mit einer klugen Auswahl und differenzierten Arrangements hat Behrens ihn zum Übermittler der Gefühle der vier Liebenden gemacht.


Szenen einer Ehe

Los geht es mit dem Ehestreit von Oberon und seiner - doch sehr businessliken - Gemahlin Titania (Carolin Müller). Eifersüchtig fegt sie ihm in seine Flirtereien mit den Chordamen-Elfen und jagt den smarten Schalträger quer durch den ganzen Aufführungsraum. "Only You" himmeln sich Hermia und Lysander (Tamara Weinkauf und Martin Schmaus in rotem Hemd und roter Bluse) im nächtlichen Wald an, während Helena (Ramona Kraus in blauer Bluse) schier verzweifelt um die Liebe von Demetrius (Florina Kraus in blauem Hemd) kämpft. "Tragic Comic" kommentiert der Chor ihr Bemühen.


Sandmann der anderen Art

Die Paare schlafen ein, und Puck schleicht herum, soll er doch in Oberons Auftrag einem Städter den Liebesblütenstaub in die Augen streuen. Doch es ist Lysander, der dann unglücklicherweise als erste Frau Helena erblickt.
Den Mond will er ihr vom Himmel holen, weiß der Chor; er lässt Lysander ewige Liebe schwören und setzt schon zu Mendelssohns Hochzeitsmarsch an, bis Oberon herrlich theatralisch Einhalt gebietet.

Hermia schäumt - zurückhaltend. Puck schleicht mit eingezogenem Kopf los und bestreut nun Demetrius, der dadurch endlich seine Liebe zu Helena entdeckt. Ergebnis: Die zwei Männer wollen das Raufen anfangen und die zwei Frauen zicken nur so herum.


Statik und Bewegung

Und das, obwohl der Chor schon an den Weber'schen Jungfernkranz denkt. Bewegter, ja bewegender Gesang auf der einen Seite, am anderen Ende im Streit erstarrende Akteure und das Publikum mittendrin.
Die Kehrtwende liegt auch beim Chor. Mit John Lennons "All You Need is Love". Für die große Versöhnung zwischen Oberon und Titania hat Shakespeare den Text geschaffen.

Aber das letzte Wort bleibt dem Puck ...

Mit dieser Adaption eines bekannten Stoffs greift Messa di voce die erfolgreiche Umsetzung des Freischützmotivs vor einigen Jahren wieder auf. Auch damals variierte der Chor zwischen den Opernliedsätzen und thematisch passenden Kompositionen anderer Zeiten.

Diesmal ist die "Rahmenhandlung" dominanter, eben weil es dazu weniger musikalische Fixpunkte als durch die Freischütz-Vertonung von Carl Maria von Weber gibt. Schließlich hat Mendelssohn das Theaterstück nicht als Oper, sondern als Ouvertüre und Bühnenmusik verarbeitet. Sein darin enthaltener Hochzeitsmarsch musste deshalb erklingen, aber die weitere stimmige Ausgestaltung oblag dem Chorleiter.


Wiederholung am 21. Juni

Am kommenden Sonntag am 19 Uhr findet die zweite Aufführung wieder im Pausenhof der Montessorischule statt.


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