Ebermannstadt
Geschichte

Prinz Ludwigs Ausflug ins Fränkische

Als Prinz Ludwig von Bayern im Juni 1908 mit einem Sonderzug - von Bamberg aus - sich in die Fränkische Schweiz begab, stand alles Kopf.
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Geschäftstüchtig macht ein einheimischer Fotograf vom Besuch Prinz Ludwigs in Gößweinstein eine Ansichtskarte (Fotoarchiv Rösch)
Geschäftstüchtig macht ein einheimischer Fotograf vom Besuch Prinz Ludwigs in Gößweinstein eine Ansichtskarte (Fotoarchiv Rösch)
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"In der Geschichte unserer Gegend wird für alle Zeiten der 3. Juni 1908, an welchem Seine Kgl. [= Königliche] Hoheit Prinz Ludwig von Bayern, der künftige König von Bayern, die Fränkische Schweiz mit Höchstseinem [!] Besuche beehrte, als ein denkwürdiger Tag verzeichnet sein." So beginnt der Wiesent-Bote auf der Titelseite seinen ellenlangen Bericht über den Ausflug, den der letzte bayerische König in unsere Region gemacht hat.
Ludwig III. (1845-1921), Sohn des legendären Prinzregenten Luitpold, bestieg am 5. November 1913 den Thron. "Wäre es nach ihm gegangen, hätte der bescheidene, tief gläubige und wenig charismatische Prinz das Land nicht regiert, sondern gepflügt", sagt der Münchner Historiker Stefan Merz: "An der Münchner Universität hatte er Nationalökonomie und Jura studiert und sah den Fortschritt in Landwirtschaft und Industrie als Schlüssel zur Lösung der sozialen Frage. Seinen Besitz Leutstetten bei Starnberg machte er zu einem landwirtschaftlichen Mustergut und hoffte durch sein Vorbild die Bauern ... zu ermuntern, es ihm gleich zu tun."

Deswegen nahm er regelmäßig auch an den sogenannten Wanderversammlungen der bayerischen Landwirte teil, die alljährlich in jeweils einer anderen Region in großen Ausstellungen die neuesten technischen Errungenschaften gezeigt bekamen, aber auch die Spezialitäten verkosten durften, die hier vor Ort erzeugt wurden. Fünf Jahre vor seiner Thronbesteigung fand 1908 die "43. Wanderversammlung Bayerischer Landwirte" vom 26. Mai bis 3. Juni in Bamberg statt und zwar im Hain, wo große Maschinenhallen, aber auch eine "Kosthalle" aufgebaut waren. Hier schenkte die "Alte Kurhausbrennerei Streitberg" ihre Schnäpse, Liköre und Fruchtsäfte aus.

Bei herrlichstem Wetter traf Prinz Ludwig mit seinem Sonderzug am 1. Juni in Bamberg ein. "Kanonendonner" kündigte seine Ankunft an. "Unter dem Jubel der Bevölkerung" und dem "tausendstimmigen Gesange der Schulkinder", die ihm mit "Fähnchen und Blumensträußen" zuwinkten, hielt er Einzug in die Stadt. Am nächsten Tag besuchte er die Ausstellung, verteilte Lob an einzelnen Messeständen und machte in seiner kurzen Ansprache deutlich, dass er Fachmann auf dem Gebiet der Rinderzucht war.

Frauen durften nicht mit

Am Morgen des 3. Juni, einem Mittwoch, startete er mit einem Sonderzug zum Ausflug in die Fränkische Schweiz. Teilnehmen durften 150 Landwirte, aber keine Frauen. Sie reisten in Wagen 2. Klasse, der Prinz in seinem "Salonwagen" und das von der Forchheimer Feuerwehr gestellte "Musikkorps" in einem Großraumwaggon, einem sogenannten Amerikaner. Der Fränkische Schweiz-Verein und der Nordbayerische Verkehrsverein Nürnberg hatten für die Teilnehmer extra einen 56-seitigen "Führer" in Goldschnitt drucken lassen - mit dem Ziel, ein "Orientierungsmittel" für einen "Sommerfrischen-, Kur- oder Erholungsaufenthalt" zu geben. Heute dient er als wichtige Quelle bei der Beschreibung, wie vor über 100 Jahren unsere Fränkische Schweiz ausgesehen hat. Den Ausflug hatten die Behörden schon Wochen vorher bis ins kleinste Detail vorbereitet. In Forchheim machte der Sonderzug erstmals Halt. Über den Empfang berichtet das Forchheimer Tagblatt: "Frühmorgens sammelten sich auf dem herrlich geschmückten Perron [= Bahnsteig] die kgl. Behörden, das Magistrats- und Gemeindekollegium, die Vereine mit ihren Fahnen, Feuerwehr und Sanitätskolonne und die gesamte festlich gekleidete Schuljugend mit ihren Herrn Lehrern. (...) Laute Hochrufe erschallten und die Feuerwehr spielte den Begrüßungsmarsch." Huldvoll schritt Prinz Ludwig die angetretenen Reihen ab, unterhielt sich mit ihnen "aufs Liebenswürdigste" und setzte nach 15-minütigem Aufenthalt "unter Hochrufen" seinen Ausflug in die Fränkische fort.

Pünktlich in Ebermannstadt

Auch dort, wo er - wie in Pinzberg und Gosberg - nicht Halt machte, jubelten ihm seine in Reih und Glied angetretenen Untertanen fahnenschwenkend zu. Nach kurzen Zwischenaufenthalten in Kirchehrenbach und Pretzfeld traf er pünktlich um 9:44 Uhr in Ebermannstadt ein. Wie in Forchheim erwartete ihn auch hier ein hochoffizielles Zeremoniell. Danach stieg er auf eine Kutsche um, die der Forchheimer Posthalter Eichinger zu lenken "die Ehre" hatte, flankiert von zwei Postillionen "in Galauniform mit blauweißem Federbuschen auf dem Hute". Bei strahlendem Sonnenschein ging's nun mit über 30 Kutschen nach Streitberg - begleitet von den Hochrufen der am Wegrand stehenden Bevölkerung.

Auch hier erhielt Prinz Ludwig zunächst ganz offiziell in der Dorfmitte die ihm gebührende Begrüßung. Dann führte ihn der Nürnberger Unternehmer Ignaz Bing (1840-1918) durch seine erst zwei Jahr zuvor erschlossene Schauhöhle. Der Prinz äußerte sich "überaus lobend über die schöne Höhle", berichtete der Wiesent-Bote, und "genehmigte bereitwilligst, daß zur Erinnerung an den ersten fürstlichen Besucher der Höhle einer Grotte derselben der Name ‚Prinz-Ludwig-Grotte' beigelegt werde". Anschließend richtete "Kommerzienrat Bing in seiner vornehmen Villa Marie zu Ehren Sr. Kgl.Hoheit eine Frühstückstafel zu 26 Gedecken" aus, die so beeidruckend war, dass der Wiesent-Bote sogar die "erlesenen Leckerbissen" einzeln aufzählte.

Im Korso ging's weiter nach Muggendorf, wo Prinz Ludwig unter der Tafelmusik der Forchheimer Stadtkapelle "im parkähnlichen Garten des Hotels Weigmann das Mittagsmahl" einnahm. Zuvor waren zum "festlichen Empfange auch einige Damen und Herren aus England erschienen, die zu längerem Aufenthalt in Muggendorf anwesend" waren.

Bei der Abfahrt aus dem Kurort überreichte "das Töchterlein" des Hofrates von Leistner "einen Orchideenstrauß mit Schärpe". Der Prinz kannte die Familie des Inhabers der "Kunstgrafischen Anstalt" von seinen früheren Aufenthalten her und ließ nun Leistner die Ehre einer "längeren Unterhaltung" zuteil werden.

Unerwartete Schwierigkeiten

Bei der Weiterfahrt, die jetzt ohne die Landwirte nur noch mit den Regierungs- und Bezirksvertretern stattfand, gab es dann am Gößweinsteiner Berg unerwartete Schwierigkeiten. Prinz Ludwig war "genötigt, auszusteigen und in einem anderen Wagen Platz zu nehmen, da die Pferde seines Wagens nicht in der Lage waren, den besetzten Wagen hinaufzuziehen." Trotzdem konnte der Zeitplan eingehalten werden. "Unter Glockengeläute und brausenden Hochrufen" traf Prinz Ludwig "um Punkt 3.50 Uhr" auf dem Marktplatz ein. Ein Foto, zeigt, wie die Kutsche inmitten seines Publikums hält. Er besuchte die Wallfahrtskirche, das Kloster und zuletzt die Burg, wo er von Freiherr und Freifrau von Sohlern standesgemäß empfangen wurde. Knapp ein und eine halbe Stunden hielt er sich in Gößweinstein auf.

Dann zog er mit über 20 Kutschen über Tüchersfeld, Pottenstein, die Schüttersmühle weiter nach Pegnitz. Auf der Strecke huldigte man ihm immer wieder, baute "Ehrenpforten" und hing Girlanden auf, trug dabei aber auch den sehnlichsten Wunsch vor: eine "Bahnlinie Pegnitz-Bronn-Pottenstein" zur Erschließung der inneren Fränkischen Schweiz. In Pegnitz nahm Prinz Ludwig nach der üblichen Begrüßung sein Abendessen ein und besuchte um 9.30 Uhr das Eisenwerk Pegnitz. Für die Anfahrt hatte die Stadt "eigenes elektrisches Licht eingerichtet". Der "Besuch der festlich geschmückten und beleuchteten in vollem Betrieb befindlichen Fabrik" bildete, wie der Wiesent-Bote berichtete, "einen Glanzpunkt". Der Prinz zeigte sich von der "mustergültigen Ordnung und Reinlichkeit" ebenso angetan, wie von der "gusseisernen Huldigung". Vor seinen Augen gossen ihm die Arbeiter "mit dem fließenden, sprühenden und glühenden Metall" ein "Hoch dem Hause Wittelsbach, das mit der bayerischen Königskrone gekrönt und stilgemäß" umrahmt wurde. Spätabends beendigte Prinz Ludwig seinen Besuch der Fränkischen Schweiz. In Pegnitz bestieg er einen Schnellzug Richtung Norden. Am nächsten Tag sollte er sich auf dem Kreuzer Nürnberg einschiffen und zwei Tage lang an den Übungen der deutschen Hochseeflotte teilnehmen.

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