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Muggendorf
Leidenschaft

Paul Pöhlmanns "Ausflug" währt jetzt schon 50 Jahre

Paul Pöhlmann ist dienstältester Mitarbeiter des Fränkischen Tages (FT) in Forchheim. Dem Altbürgermeister und Eisenbahnpensionisten ist der Spaß am Schreiben erhalten geblieben. Zum "Zeitungsschreiben" kam er vor 50 Jahren wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind.
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Paul Pöhlmann an seinem Schreibtisch. Über das Kürbisfest der Schulkinder hat er all die Jahre seiner Mitarbeit berichtet. Foto: Mike Wuttke
Paul Pöhlmann an seinem Schreibtisch. Über das Kürbisfest der Schulkinder hat er all die Jahre seiner Mitarbeit berichtet. Foto: Mike Wuttke
Wenn sich Paul Pöhlmann (77) an seine Schulzeit in der Volksschule Muggendorf erinnert, fallen ihm die Wanderungen ein. Schöne Natur gab es ja ausreichend vor dem Schultor, von den Romantikern als "Muggendorfer Gebürg" gepriesen. Aber der kleine Paul hatte ein Problem: "Wir mussten über jeden Ausflug einen Aufsatz schreiben. Da hat mir gleich die ganze Wanderung net g"falln". In diesen Tagen feiert der Eisenbahner-Pensionist und langjährige Kommunalpolitiker ein bemerkenswertes Jubiläum: Seit 50 Jahren ist er freier Journalist beim Fränkischen Tag (FT) und damit der dienstälteste Mitarbeiter der Ausgabe Forchheim.

Bericht erstatten über die Vereine, die kirchlichen Veranstaltungen und alles, was sich sonst so tut im weit verzweigten Markt Wiesenttal, ist seine Leidenschaft. Zum "Zeitungsschreiben" kam Paul Pöhlmann wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind.
Es war 1965, als ihn Bürgermeister Johann Meyer fragte, ob er nicht für den Gemeinderat kandidieren "und mein Nachfolger" werden wollte. Ein Angebot, das den 27-Jährigen überraschte.


Ärger als Auslöser

Aber warum nicht? Der Sohn eines Landwirtes und Schuster hatte 1952 die Fortbildung der Landwirtschaftlichen Berufsschule besucht und 1953 die Ausleseprüfung als Jungwerker für die Eisenbahn bestanden. Er war also beruflich gefestigt und gut in das Vereinsleben integriert. Ein Zeitungsbericht über eine von ihm abgehaltene Wahlversammlung im Herbst 1965 hatte ihn überhaupt nicht gefallen, weil sie nicht korrekt wiedergegeben wurde. Also beschwerte sich der Gemeinderatskandidat in Forchheim in der FT-Redaktion. Der damalige Schriftleiter Dr. Franz Xaver Gerstner aber drehte den Spieß um und sagte: "Schreiben Sie den Bericht doch einfach selbst."

Für Paul Pöhlmann war gleich klar, dass hier nicht geschönte Berichte angeregt wurden, sondern dass der FT in Muggendorf einen Mitarbeiter benötigte. Courage dazu brachte der junge Mann mit.

Jetzt kommen Erinnerungen von Paul Pöhlmann ins Spiel, die in ein Museum für Lokaljournalismus gehören. Berichte aus der Fränkischen Schweiz für den FT lieferte ein Mitarbeiter aus Nürnberg, der sich eine Bezirkswochenkarte kaufte und die Bürgermeister längs der Bahnstrecken bis Pegnitz aufsuchte, um bei ihnen abgegebene Berichte einzusammeln und Gespräche zu führen. Nun Paul Pöhlmann.

Er kaufte sich eine Voigtländer-Kamera, brachte eine Schreibmaschine in Position und machte sich mit seinem Moped Victoria ("Vicky") auf den Weg zu den Terminen. Kurze Zeit später stieg er um auf einen roten Roller NSU Prinz (an ein Auto war noch nicht zu denken). Beruflich hatte er es inzwischen zum Fahrdienstleiter gebracht und versorgte den Bahnhof Gasseldorf. Mit verantwortungsvoller Weichenstellung, denn hier verzweigte sich die Nebenbahn nach Behringersmühle und Heiligenstadt. Seine Schwarz-Weiß-Filme entwickelte er selbst in einer Kammer, die keine Fenster haben durfte.

An seinen ersten Zeitungsbericht (mit Fotos) erinnert er sich noch gut. Es war der Ausbau der Bundesstraße 470 im Wiesent tal. Bald darauf wurde der Buch-Mayer in Ebermannstadt seine Anlaufstelle, denn hier hatte der FT eine Nebenstelle eingerichtet. Ebermannstadt war Kreisstadt mit einem fortschrittlichen Bürgermeister Paul Lachmayer und einem Landratsamt, in dem Landrat Franz Josef Kaiser in K.-u.-K.-Manier residierte.


Agenten am Hausener Wäldchen

Paul Pöhlmann entwickelte sich schnell zu einem zuverlässigen Mitarbeiter, der den Ehrgeiz hatte, mit seinen Berichten aktuell zu sein. "Am Wochenende habe ich Veranstaltungen besucht. Oft Feuerwehrfeste. Die Berichte habe ich nachts noch geschrieben, damit sie Montagfrüh fertig waren", erinnert er sich.

Als er Fahrdienstleiter am Bahnhof Baiersdorf war, mussten Berichte und Negative zur Redaktion in Forchheim kommen". Sobald er eine Pause hatte vereinbarte er mit der Redaktion einen Übergabetermin am Hausener Wäldchen. So hatten beide Teile den gleichen Weg. Man hätte die Zeitungsleute glatt für Agenten halten können.
Wie ging es politisch weiter? Johann Meyer hängte 1966 doch noch eine Periode als Bürgermeister dran, Paul Pöhlmann wurde zum Zweiten Bürgermeister gewählt. Aber schon bald übertrug ihm Meyer immer mehr Aufgaben. 1971 trat er zurück und Paul Pöhlmann wurde Chef im Rathaus. In einer Zeit, als Debatten um Schulreform und Gemeindegebietsreform tobten.

Bis 1978 schrieb er auch die Gemeinderatsberichte und trug damit zur Versachlichung bei. "Ich habe immer die Extreme gemieden und versucht, objektiv zu sein", sagt Pöhlmann heute. In Interessenskonflikten habe er sich nicht gesehen, aber natürlich gab es auch Kritik aus streitenden Lagern. Hans Gebhardt, Bürgermeister in Streitberg, der ein Ideengeber für die Gemeindereform für das spätere Wiesenttal war, stärkte ihm den Rücken. Er hielt den Kritikern entgegen: "Wennst net nei die Zeitung willst, dann hältst dei Maul." Notfalls konnte sich der Mitarbeiter mit dem Kürzel "hl" bei Anwürfen mit dem Hinweis retten: "Des war die Zeitung." Die Rückendeckung seitens der Redaktion hatte er.


Das digitale Zeitalter

Eine große Herausforderung nicht nur für ihn, sondern alle Mitarbeiter und die Redakteure war der Wechsel in das digitale Zeitalter. Der "reitende Bote" und der Fortschritt Faxen wurden vom PC, der digitalen Kamera und der Mail-Übermittlung abgelöst. Schritt für Schritt eroberte sich "hl" das Neuland, und wie zum Beweis holt er die Bilder auf den Schirm, die er der Zeitung vom letzten Kürbis- und Erntedankfest übermittelt hatte. "Hab' schon wieder einen Auftrag", lächelt er fast ein wenig stolz, "einen Bericht über das Reformationsfest in Muggendorf."

Paul Pöhlmann war 36 Jahre Zweiter und Erster Bürgermeister und 30 Jahre für die Freien Wähler im Kreistag. "Ich habe aus meiner Zeitungsschreiberei keinen kommunalpolitischen Vorteil gezogen", betont er. Aber er weiß, dass die regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit für Sportverein, Trachtenverein, Skiclub, Fränkische-Schweiz-Verein, Kirchengemeinde und viele andere nicht von Nachteil war: "Ich schreibe sehr gerne über das Leben in meiner Gemeinde und ich sehe es als eine sinnvolle Beschäftigung an."
Ob er heute über eine Wanderung schreiben würde? Das kann er ja ausprobieren. Am besten mit seinen Freunden von den Stammtischen in Muggendorf, die er regelmäßig aufsucht.


Zum Verfasser

Michael "Mike" Wuttke war 40 Jahre Redakteur und Redaktionsleiter beim FT in Forchheim, verbrachte zu Beginn auch einige Jahre in der Nebenstelle Ebermannstadt. Über all die Jahre hat er mit Paul Pöhlmann gut zusammengearbeitet.

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