Oberehrenbach
Brauchtum

Oberehrenbacher Kinder laufen mit Ratschen durch das Dorf

Das Brunnenschmücken und das Schleddern zur Osterzeit haben in Oberehrenbach eine lange Tradition.
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Die einen schneiden, die anderen binden. Foto: Carmen Schwind
Die einen schneiden, die anderen binden. Foto: Carmen Schwind
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Die Aktion "Osterbrunnen schmücken in Oberehrenbach" begann ganz modern mit einer elektronischen Nachricht an alle Mitglieder des "Club 72". Darin teilte Vorsitzender Christian Kernmit: "Binden der Bögen am Dienstag um 19 Uhr im Clubheim."

Das hieß für die Männer des Vereins, dass sie vorher in verschiedenen Gärten Hecken schneiden durften. Verwendet wurden Thuja- und Buchszweige. Pünktlich trafen dann Frauen und Männer im Clubheim ein. Die einen schnitten die Zweige, die anderen banden die Bögen, die jungen Männer durften die Eier holen und säubern.


Lebensspendendes Element


"Der Hauptgrund für das Schmücken von Brunnen und Quellen ist wahrscheinlich in der großen Bedeutung des Wassers als lebensspendendes Element auf den wasserarmen Höhen des Fränkischen Jura zu sehen", erklärte Wilhelm Sponsel, Vereinsmitglied und
Zweiter Bürgermeister (WVO).

Aus der Chronik weiß Sponsel, dass in Engelhardsberg um 1913 der Ortsbrunnen auf traditionelle Weise geschmückt worden ist. "Bereits in den 1960er-Jahren wurde der Oberehrenbacher Dorfbrunnen von Schulkindern mit bunt bemalten Ostereiern geschmückt", erzählt Sponsel. Das war so, bis die Dorfschule aufgelöst wurde.


Seit 1975 ist der "Club 72" zuständig


1975 übernahm dann der "Club 72" diese Aufgabe, denn sein Schwerpunkt sollte fränkische Geselligkeit und Tradition sein. "Die Vereinsmitglieder, ihre Frauen und Kinder banden damals Girlanden aus Fichtenzweigen, malten Eier an und bastelten Rosen aus Seidenpapier", weiß Sponsel zu berichten. 1989 übernahmen die Ortsfrauen das Schmücken des Brunnens, und 1990 übergab der "Club 72" offiziell die Aufgabe an die damalige Ortsbäuerin Monika Breun.

Danach übernahm Ortsbäuerin Frieda Schmitt die Angelegenheit. Seit sie keine Ortsbäuerin mehr ist und keine Nachfolgerin gefunden wurde, ist der "Club 72" wieder zuständig für das Schmücken des Brunnens.
Am Freitagnachmittag wurde dann der Ortsbrunnen geschmückt. "Wenn wir es nicht machen, macht es doch keiner", seufzte Notburga Heilmann und reichte Ostereier an Frieda Schmitt weiter, die auf der Leiter stehend die Krone am Brunnen schmückte.

Seit Jahren verwenden die Oberehrenbacher Ostereier aus Plastik. Bemalt wurden sie während des Jahres von Marlies Diekmann. "Die sind haltbarer, denn die Hühnereier werden porös und gehen leichter kaputt", erklärte die ehemalige Ortsbäuerin. Und Notburga Heilmann ergänzte: "Tradition ist uns wichtig, deshalb sind wir hier und machen die viele Arbeit." Sie wurde unterbrochen von Gerhard Arzt: "Die Krona hängt auf halbä Achta!" Und alle schauten zu, wie Frieda Schmitt die Krone gerade richtete. Denn der Brunnen soll ab Palmsonntag perfekt sein und während der Osterzeit das Dorf schmücken.


Mit Ratschen durchs Dorf


So wie alle Bürger, egal welcher Konfession, hier mithelfen, dürfen auch alle Kinder vom Abend des Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht "schleddern". In dieser Zeit verstummen traditionell die Glocken der katholischen Kirchen. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren ziehen durch den Ort mit althergebrachten Ratschen und Knarren. Abends heißt es dann: "Wir schleddern den Englischen Gruß, den jeder Christ beten muss." Oder sie laden zum Gottesdienst mit "Wir schleddern, wir schleddern zur Kirche."

Am Karsamstag ziehen sie dann von Haus zu Haus und werden von den Bewohnern entlohnt. "Bei uns sind das Mädchen und Jungen, egal ob evangelisch oder katholisch. Und es müssen auch keine Ministranten sein", erklärte Wilhelm Sponsel. Denn eine Kirche gibt es in Oberehrenbach erst seit 1990.



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