Forchheim
Podiumsdiskussion

OB-Wahl in Forchheim: Moderator, Visionär oder Führungskraft?

Die Forchheimer Wirtschaftsjunioren fühlten drei OB-Kandidaten auf den Zahn. Die Bewerber nahmen Stellung zu den Themen Wirtschaft, Kultur und Wohnen.
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Foto: imago/bonn-sequenz
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Uwe Kirschstein, Oberbürgermeister-Kandidat der SPD, konnte bei der Podiumsdiskussion, zu der die Forchheimer Wirtschaftsjunioren in den "Großen Saal" der Volksbank eingeladen hatten, nicht punkten. Wegen "anderweitiger Verpflichtungen" überließ er das Feld seinen Mitbewerbern Ulrich Schürr (JB/CSU), Manfred Hümmer (FW) und Klaus Backer (Freier Oberbürgermeister Forchheim). Thematisch beschränkte sich Moderator Christopher Fleith (Radio Bamberg) auf die Bereiche Wirtschaftsstandort Forchheim, Wohnen in Forchheim und Kultur.

Der augenfälligste Unterschied: Während der unabhängige Kandidat Klaus Backer gar kein Politiker sein will und den Oberbürgermeister als Moderator sieht, der sich für Dinge, die er anstoßen will Mehrheiten suchen muss, möchte Ulrich Schürr politische Visionen realisieren, freilich auch mit Hilfe der Stadträte. Er wolle Ideengeber sein, Konzepte vorlegen und für deren Umsetzung kämpfen. Manfred Hümmer unterstrich: "Ich will meine Führungsstärke und meine kommunalpolitische Kompetenz in die Waagschale werfen."


Wirtschaftlich gut aufgestellt

Grundsätzlich einig waren sich die Kandidaten, dass Forchheim als Wirtschaftsstandort gut aufgestellt sei. Die Ansiedlungen im Forchheimer Süden zeigten: Die Stadt hat noch Entwicklungspotenzial. Da Gewerbeflächen nicht unbegrenzt zur Verfügung stünden, werde ein qualitatives Wachstum, sprich Unternehmen, die viele Arbeitsplätze bringen, angestrebt.

Um den Aufenthalts-Charakter in der Innenstadt zu stärken, strebt Manfred Hümmer eine bunte Vielfalt bei den Geschäften an. Er will "durch gezielte politische Strukturen" die Kaufkraft in der Innenstadt stärken, verzichtete aber darauf diese Aussage zu präzisieren.


Lebendige Stadt

Ulrich Schürr bekannte sich zu dem Slogan "Leben findet innen statt". Sein Credo: Die Marke Forchheim müsse von Handel und Gewerbe stärker nach außen getragen werden. Events sollen Käufer nach Forchheim locken. Klaus Backer forderte, die Kronjuwelen der Stadt besser zu vermarkten. Parks sollen zu lebendigen Treffpunkten und die Stadtmauer zu einem Touristenmagneten werden. Da die Stadt ihr Ausstellungsgelände verloren habe und das Jahn-Gelände, auf dem zwei erfolgreiche Open Air-Veranstaltungen stattfanden, gelte es, sich Gedanken zu machen, wie Käufer nach Forchheim gelockt werden könnten.

Beim Thema Kultur favorisierte Klaus Backer dezentrale Lösungen. Statt einer riesigen Stadthalle plädierte der Leiter des Ordnungsamtes für die Nutzung des Saltor-Turmes und eine kostengünstige Sanierung des Kolpinghauses, wobei die Nutzung auf 700 Gäste beschränkt sein solle.

Ulrich Schürr betonte, dass der Bedarf für eine Stadthalle zweifellos da sei. Man muss Raum für die Kultur anbieten können. Entscheidend sei aber das Nutzungs- und Betriebskonzept.
Worte, die Manfred Hümmer verwunderten. Die CSU sei es gewesen, die eine Stadthalle mit 800 Plätzen gefordert habe, ohne abzuklären, wer dort hinein will. Es gebe keinen Betreiber und auch die Verkehrsanbindung sei ungeklärt.

Einig war sich das Kandidatentrio wieder, dass es in Forchheim zu wenig Bauland für klassische "Häuslebauer" gebe. Auch bezahlbare Mietwohnungen seien Mangelware. In diesem Zusammenhang mahnte Klaus Backer, der bei diesem Themenbereich spontan zum Mikrofon griff, dass es bei der Unterbringung der Flüchtlinge keine Ghettobildung geben dürfe. Das schaffe nur soziale Spannungen. Für eine stadtnahe Wohnbebauung liebäugelt er mit der Erschließung des Löschwöhrd-Areales. Allerdings müssten sich die Bürger daran gewöhnen, dass die Häuser größer gebaut werden müssten. Nur so könne es gelingen, möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Aber: Die Stadtarchitektur muss erkennbar sein. Die Bebauung dürfe nicht auf Kosten des Wohnumfeldes gehen.


Alle wollen neuen Wohnraum

Manfred Hümmer pflichtete bei, dass dringend neuer Wohnraum gebraucht werde. Die Nachfrage sei wesentlich größer als das Angebot. "Vor allem brauchen wir erschwingliche Wohnungen, deutlich unter dem hochpreisigen Angebot von weite über 3000 Euro pro Quadratmeter", so Hümmer. Hier müsse allerdings die Verwaltung die Entscheidungsgrundlagen vorbereiten. Es müsse geklärt werden, wo in welchem Umfang gebaut werden könne. Zudem müsse der tatsächliche Bedarf, die Art der Bebauung abgefragt werden. Bei dieser vorgeschalteten Diskussion gelte es auch den demografischen Wandel zu berücksichtigen. Erst dann könnten Entscheidungen gefällt werden.


Bürger entscheiden

"Deshalb wurde der Flächennutzungsplan auf den Prüfstand gestellt", argumentierte Ulrich Schürr. Auch das Baulandmodell müsse überprüft werden, ob damit noch die gewünschten Effekte erzielt werden können. Ansonsten schloss er sich dem Prozedere, das Hümmer vorgeschlagen hatte, an: Prüfen wo eine Erschließung möglich ist, die Rahmenbedingungen klären und dann entscheiden.

Das gelte auch für die "Reuther Hänge". Hier haben die Bürger das Wort. Je nachdem welche Mehrheit sich finde, werde das Areal bebaut oder auch nicht. Darin stimmten alle drei Kandidaten überein.




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