Gräfenberg
Jubiläum

Nostalgische Orgel auf der Gräfenberger Kerwa

Als die alte Karussellorgel erklingt, haben Blas- und Popmusik auf der Gräfenberger Kirchweih Sendepause.
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Ältere Gräfenberger erinnern sich noch, als die Orgel die Fahrten am Karussell begleitete.  Fotos: Petra Malbrich
Ältere Gräfenberger erinnern sich noch, als die Orgel die Fahrten am Karussell begleitete. Fotos: Petra Malbrich
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Immer wenn Udo Richter eine Orgel hört, kommen ihm die Tränen. "Es ist so berührend", sagt Richter und vermutet den Grund in der "Folter", die er als Kind viele Jahre an der Gräfenberger Kirchweih erlebt hat. "Folter", das sagt er natürlich im Scherz.
Das Haus seiner Familie aber befand sich direkt am Gräfenberger Marktplatz. Keine fünf Meter gegenüber war das Müllersche doppelstöckige Karussell aufgebaut. Die Orgel spielte dazu, wenn die Schiffe wippten und die Flieger in Seitenlage gingen, um eine Kurve zu fliegen. Die Orgel spielte auch, wenn der Fesselballon sich drehte. Der kleine Udo lag währenddessen in seinem Gitterbettchen.


Freundschaft geschlossen

Udo Richter wuchs und wurde älter, die Musik aber verfolgte ihn und ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Selbst dann nicht, als es schon längst kein Karussell und keine Orgel mehr in Gräfenberg gab.


Mit den Kindern der Schaustellerdynastie Müller hat Richter schon vor vielen Jahren Freundschaft geschlossen. Nachdem die Dynastie heute auf ihre 125-jährige Geschichte zurückblicken kann, hat Richter keine Mühe gescheut, um zumindest die Karussellorgel wieder nach Gräfenberg zu holen. "Die Musik war einmalig", sagte eine Gräfenbergerin, die eigens wegen der Orgel zur Kirchweih auf den Marktplatz gekommen war.

"Da gab es früher noch einen Trommelspieler", erinnerte sie sich noch und gesellte sich zu anderen Gräfenbergern, die auf den Kirchweihauftakt mit Schlager und Operettenmusik aus der historischen Karussellorgel warten. Stattdessen kündete die Volksmusik der Original Schwabachtaler Musikanten den Festeinzug an.

Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) und der Vorsitzende des Fränkische- Schweiz-Vereins (FSV), Bernd Volker Albig, zogen gefolgt von der Tanzgruppe des FSV durch den historischen Marktplatz bis zum Autoscooter. Traditionell eröffnete die Kindertanzgruppe unter Leitung von Ingeborg Pfleger mit Volkstänzen die Kirchweih, bevor Stadtoberhaupt Nekolla das Bierfass anstach und Freibier verteilte.

"Zur Tradition gehörte auch lange Jahre das Karussell der Familie Müller. Ich freue mich, dass nun nach 60 Jahren die Karussellorgel hier am Marktplatz wieder spielt", sagte Nekolla. Georg Müller, der Sohn der Müller-Dynastie, war da bereits bei der Orgel und zog die eigens für dieses Ereignis angefertigten Noten aus einem Karton, um das erste Lied über den Marktplatz ertönen zu lassen.

Vor allem die älteren Besucher warteten auf diese ersten Takte und tauschten Erinnerungen aus. Fünf Pfennig habe die Fahrt unten, zehn im oberen Stockwerk des Karussells gekostet. Ein anderer wusste noch, dass selbst Brautleute im weißen Kleid und Anzug eine Fahrt im Karussell genossen.
Während die alte Orgel in Gräfenberg spielte, hatte die Popmusik Sendepause.
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