Forchheim

Noch lebt die Färberzunft in Forchheim

Ein Ende der Gilde scheint unausweichlich, doch aktuell gibt es noch rund 30 Mitglieder. Alte Unterlagen und Erinnerungen wurden nun ins Archiv von Weber und Ott aufgenommen.
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Renate Dotterweich (Mitte) übergibt viele Unterlagen, eine Standarte und Fahnenbänder von 1905 an Archivleiterin Lydia Händel und Oliver Dück, Vorstandschef der Weber und Ott AG. Foto: Sylvia Hubele
Renate Dotterweich (Mitte) übergibt viele Unterlagen, eine Standarte und Fahnenbänder von 1905 an Archivleiterin Lydia Händel und Oliver Dück, Vorstandschef der Weber und Ott AG. Foto: Sylvia Hubele
Seit die Menschen Kleidung tragen, färben sie diese bunt. Zwar ist über das Färben im Altertum nur wenig bekannt, dafür aber umso mehr über das Färben in der Neuzeit: Die Färber bei Weber und Ott in Forchheim waren seit März 1890 in einer eigenen Zunft organisiert, die bis heute noch besteht. Zwar gibt es seit über 20 Jahren weder Weberei, noch Färberei, trotzdem treffen sich die Zunftmitglieder noch viermal im Jahr zum Karpfenessen, zu Kellerabenden und zu einer Weihnachtsfeier.

Walter Dotterweich war von 1973 bis zu seinem Tod vor fast fünf Jahren Vorsitzender der Färberzunft und bewahrte sowohl die alten Protokoll-, Kassen- und Rechnungsbücher, als auch die Fahnenbänder von 1905, eine Standarte der Färberzunft und jede Menge Ehrennadeln auf. Dies alles übergab seine Witwe Renate Dotterweich nun an das Weber und Ott-Archiv, das inzwischen von Lydia Händel geleitet wird.


Für die Färber bedeutete die Mitgliedschaft in ihrer Zunft beispielsweise, dass sie bei Krankheit, Heirat oder Ehejubiläen durch eine Sonderkasse finanziell unterstützt wurden. Die ausgegebenen fünf, zehn oder 15 Reichsmark sind mit genauem Datum und Empfänger in den Unterlagen aufgelistet.

Dass sich die Färber auch auf das Feiern verstanden, beweist das Protokollbuch, in dem der Ablauf der Versammlungen in Schönschrift notiert wurde. Es gab Enten, Gänse oder andere Braten. "Zunft kommt von zünftig zulangen", lacht Renate Dotterweich.


Auch Flüsse verfärbten sich

Wer Mitglied in der Färberzunft werden wollte, musste bei Weber und Ott in der Färberei oder Ausrüstung beschäftigt sein. In großen Kesseln wurden im Unternehmen die Garne für die Weberei selbst gefärbt, dort war es immer nass und es roch nach Chemikalien. Oft war auch im Wasser der Flüsse zu sehen, mit welcher Farbe die Färber gerade arbeiteten. Trotzdem sei in der Färberei verantwortungsvoll mit den Farben umgegangen worden, erinnert sich Renate Dotterweich an die Erzählungen ihres Mannes, der im Labor beschäftigt war.

Dass das Unternehmen heute keine Färberei und Weberei mehr ist, sondern ein Hersteller von hochwertiger Bekleidung und aktuell 280 Mitarbeiter beschäftigt, ist dem Wandel der Zeit geschuldet. Schließlich werden seit über 20 Jahren die Stoffe in anderen Ländern billiger hergestellt. Da lohnte sich das Färben und Weben in Forchheim nicht mehr.

Da es in Forchheim keine Färber mehr gibt, gibt es auch für die Färberzunft keine neuen Mitglieder - und somit ist hier ein Ende der Zunft absehbar. Doch bis dahin treffen sich die ehemaligen und oft langjährigen Arbeitskollegen und freuen sich über ihre gute Gemeinschaft. In der Satzung ist festgehalten, dass die Färberzunft erst dann nicht mehr offiziell existiert, wenn sie nur noch fünf Mitglieder hat. Noch sind es etwa 30.


Archiv ist für die Öffentlichkeit

Aber nicht nur die Färber, auch viele andere ehemalige Beschäftigte sind noch über ihre Arbeitsjahre hinaus mit dem Unternehmen verbunden. Wer sich für die Unterlagen im Archiv interessiert, könne sich jederzeit in der Zentrale oder im Sekretariat bei Weber und Ott anmelden und kommen, bekräftigt Lydia Händel.

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