Hallerndorf
Umwelt

Natura 2000: gut für Natur - und die Bauern

Nach anfänglich harscher Kritik haben sich Ziele und Maßnahmen von Natura 2000 für alle Seiten bewährt.
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Wasservögel lauern auf Futter.
Wasservögel lauern auf Futter.
In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts war der Begriff "Natura 2000" für viele Landwirte vor allem ein Schreckgespenst. Im Abstand eines Jahrzehnts nimmt sich das ganz anders aus. Es ist kaum mehr nachvollziehbar, weshalb seinerzeit eine derartige Hektik und Stimmungsmache ausgebrochen war.
Der Grundton jedenfalls hat sich massiv geändert. Dies war auch am Verlauf des runden Tisches zu den Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitaten im östlichen Teil des Aischgrunds in Hallerndorf zu erkennen.


Es ging um das Geld

Der Biologe Claus Rammler, der bei der Regierung von Mittelfranken zuständig für Naturschutzgebiete und eben das europäische Schutzsystem Natura 2000 ist, rekapitulierte den Zugzwang, in dem sich Deutschland und speziell Bayern wohl selbst hineinmanövriert hatten und der dann zu überstürzten Meldungen von schutzwürdigen Kulturlandschaftsbestandteilen geführt
habe.

Hintergrund war wie so oft die Finanzierung. Unter der damaligen Umweltministerin Angela Merkel (CDU) war es zum Streit gekommen, ob Bund oder Länder dafür zahlen sollten, als die EU vom Initiativland Deutschland Meldungen über Vogelschutzgebiete einforderte und mit einer sanktionierenden Geldstrafe agierte. Dadurch kam es unter dem damaligen bayerischen Minister Werner Schnappauf (CSU) zu einer Nachmeldekulisse; allerdings derart übereilt, dass selbst fehlerhafte Karten verwendet wurden.

Aus all dem ist ein Managementplan entstanden, ein dickes Kartenwerk, das sämtliche Schutzräume enthält. "In der offiziellen EU-Übersetzung ins Deutsche heißt er Bewirtschaftungsplan", betonte Rammler und gab damit den Handlungsansatz an. Auch wenn er seine Ausführungen mit interessanten tier- und pflanzenkundlichen Ausführungen unterlegte, ging es ihm in Hallerndorf darum, Landwirte zu für jene Maßnahmen zu motivieren, die laut Rammler positive Auswirkungen vor allem für den Vogelschutz haben.

Im Aischgrund sind Auenlebensräume geschützt. Die Bewirtschaftungsvorgaben beschränken sich deshalb auf Streifen entlang des Flusslaufs und um Weiherketten, um den Populationen von Vögeln den benötigten Lebensraum zu lassen.
Ausdrücklich betonte Rammler: "Der Managementplan hat keine Auswirkungen auf die bisherige Bewirtschaftung. Es ist nichts, wovor man sich fürchten muss."


Quellen der Nahrung

Es gehe vielmehr um Feinabstimmungen. Ein Beispiel dafür ist die Empfehlung im Plan, nicht alles flussnahe Grünland innerhalb weniger Tage zu mähen. Mähpausen und Zeitversetzung im Schnitt entziehen Wiesenvögeln dagegen nicht derart plötzlich ihre Nahrungsquelle. Rammler appellierte an die anwesenden Landwirte, dementsprechend zu handeln, wenn es sich in ihre Bewirtschaftungspläne einbauen lasse.

Manche vermeintliche Einschränkung hat sich nach Jahren als Vorteil für die Bauern herausgestellt, wie am Oberlauf der Altmühl. Der Fluss war vor Jahrzehnten reguliert worden - zur Förderung der Landwirtschaft, wie es seinerzeit geheißen hatte. Deshalb stieß die Flutung von Wiesen im Frühjahr, gedacht als Schutzmaßnahme für die Vogelwelt, auf Widerstand. "Doch jetzt kommen die Landwirte zu uns und fragen, ob wir nicht länger das Wasser stehen lassen können", berichtete Rammler. Der Grund: Die Wiesen wurden durch diese alte Bewirtschaftungsweise ertragreicher.

Für den ganzen Unteren Aischgrund wichtig war diese seine Aussage über die Weiher: "Ohne Karpfen geht nichts"; will sagen, nur durch die Teichwirtschaft ist die hiesige Landschaft entstanden, in der sich Vögel wohlfühlen, rasten, leben und brüten. Im Detail belegte er das mit dem Blätterweiher in der Vogelfreistätte Mohrhof.

Dieser Hof wird sehr extensiv und zurückhaltend bewirtschaftet und hat große Schilfzonen für Wasservögel. Er bildet gewissermaßen einen Rückzugsort zwischen den umliegenden konventionell besetzten Weihern. Der schützenswerte Lebensraum entsteht im Zusammenspiel von beidem. Dem Karpfen teilt Rammler dabei die Rolle des Arbeitspferds zum Erhalt der Teichflächen zu. Er sicherte allen Teichwirten zu, dass das Kormoran-Projekt mit dem vergrämenden Abschussregelungen fortgeführt wird.
Überspannungen von Weihern, die vielfach kritisiert werden, hält der Biologe bei Teichen mit Jungkarpfen für "unabdingbar". Allerdings müsse dies regelgerecht ohne durchsichtige Drähte geschehen.
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