Behringersmühle
Freizeit

Museumsbahnfahrt führte durch die Fränkische Schweiz

Öfter mal einen Tag auf das Auto verzichten, das wäre kein Problem. Darüber sind sich zumindest diejenigen einig, die am Sonntag mit der Diesellokomotive durch die Fränkische Schweiz gefahren sind.
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Unter ihnen fand sich auch eine Gruppe, die den Tag besonders ausgelassen anging: sechs Damen und Herren gehobenen Alters aus Neu-Ulm. "Ach, ich war schon öfters in der Fränkischen Schweiz", erzählt Helmut Kreiser (77) mit herzlichem Lachen. "Im Moment residieren wir in Bamberg und sind extra nach Ebermannstadt gekommen, um die Museumsbahnfahrt bis zum Ende in Behringersmühle mitzumachen." Und das sind immerhin gut 30 Kilometer voller Nostalgie und Naturerlebnis.

Franken euphorisiert


Werner Schmidt, der die fränkische Gegend schon gut kennt, fährt euphorisch fort: "Von Behringersmühle aus wandern wir nach Pottenstein und fahren von da aus wieder mit dem Bus zurück nach Ebermannstadt." Dafür hätten sie sich extra dieses Wochenende ausgesucht. Die meisten der Reisegruppe seien noch nie in der Fränkischen Schweiz gewesen und deshalb besonders angetan von der schönen Umgebung.

"Jedes Jahr machen wir uns zusammen auf den Weg in eine andere Gegend Deutschlands", fährt der 69-Jährige fort. "Letztes Jahr war es Regensburg, diesmal die Fränkische Schweiz. Jetzt hier im alten Zug zu sitzen, erweckt nostalgische Gefühle, viele Erinnerungen kommen wieder hoch."

Anders als den Neu-Ulmern erging es einer Reisegruppe aus Helmstedt. "Ehrlich gesagt wussten wir gar nichts von dem autofreien Sonntag. Das war jetzt mehr ein Zufall", erklärt Ulrike Hanke mit einem Lächeln.
Mit rund 40 weiteren Personen des heimatlichen Kulturvereins ist sie aus Niedersachsen angereist, um die Fränkische Schweiz zu erkunden. "Wir sind in Buttenheim untergebracht", sagt die 55-Jährige. "Da ist es schon schön, aber besonders begeistert bin ich von der Landschaft hier und von den vielen kleinen Häusern, die an den Bergen stehen."

Flirt mit dem Schaffner


Und wie sehr das Frankenland erfreut, davon zeugen auch die Gesichter der anderen Gäste. Von stiller Zufriedenheit bis zu lautem Gelächter ist alles dabei. Ein kleiner Flirt mit Schaffner Steffen Werzinger, dann wieder ein Blick aus dem Fenster ins Grüne, zum Schluss ein Gruppenbild.

Fast fühlt man sich wie in einer anderen Welt, wenn man auf den alten Holzbänken sitzt, die urigen Kleiderhaken an der Lokwand betrachtet und ab und an ein lautes, aber dennoch beruhigendes Pfeifen hört. Rad um Rad entlang der Schienen, nur wenige Meter entfernt, erklimmen Läufer und Skater des Fränkische Schweiz Marathons die letzten Kilometer, werden angespornt von zahlreichen Helfern und Zuschauern.

Da scheint es schon fast skurril, als am Ebermannstädter Bahnhof neben der Diesellok ein ganz normaler Zug hält, um die Gäste aus Forchheim abzusetzen. Baujahr 1956 gegen ein geschätztes Baujahr von 2006? 50 Jahre und mehr an Geschichte, die aufeinanderprallen und gerade deshalb den Reiz für die vielen Besucher ausmachen, die an diesem Sonntag die Diesellokomotive bestiegen haben.

Schusters Freude


Spaß und Entspannung finden aber nicht nur die Ausflügler, sondern auch Lokomotivführer Michael Schuster. Der 28-Jährige ist seit seinem elften Lebensjahr im Verein Dampfbahn Fränkische Schweiz und führt seit zehn Jahren die Diesellok. "Für den autofreien Sonntag schreibe ich mich immer extra in den Dienstplan ein. Ich freue mich das ganze Jahr auf diesen Tag", schmunzelt er. "Besonders faszinierend ist die richtig alte Technik. Es macht Spaß sowas Historisches erhalten zu können." Im Grunde sei es bei einer Lok wie beim Auto: Gas geben und bremsen, nur gelenkt werden muss nicht. "Die Lok muss allerdings viel überwacht werden. Ich muss immer schauen, dass es ihr gut geht, dass sie nicht zu kalt oder heiß wird."

Es scheint, dass es der Lok tatsächlich gut ging. Im Zwei-Stunden-Takt kutschierte sie ihre Passagiere von Ebermannstadt über Gasseldorf, Streitberg, Muggendorf, Burggailenreuth und Gößweinstein bis nach Behringersmühle und wieder zurück. Volle Kraft voraus durch die Fränkische Schweiz und angetrieben durch die Euphorie und Freude an Bord.
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