Forchheim
Umwelt

Wie sich Müll schon beim Einkauf vermeiden lässt

Coffee-To-Go-Becher, Orangen-Netze, Brottüten: Schon allein vom Einkauf tragen wir unzählbar viel Müll nach Hause. Das muss nicht unbedingt sein.
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Statt Plastiktüten wandern die Waren gleich in den Einkaufskorb.  Foto: Josef Hofbauer
Statt Plastiktüten wandern die Waren gleich in den Einkaufskorb. Foto: Josef Hofbauer
Wenn zur Mittagszeit die Schlange an der Bäckerei-Kasse lang ist, entdecken offene Augen immer öfter Kunden mit Becher in der Hand - und das schon, bevor sie an der Reihe waren. Immer häufiger kommen Kunden nämlich mit dem eigenen Kaffee-Becher, weil sie den Müll, der durch die Coffee-To-Go-Becher entsteht, vermeiden wollen.

Was beim Kaffee noch relativ unproblematisch ist, zeichnet sich beim Metzger etwas schwieriger. Die Wurst in die eigene Tupperbox legen lassen? Geht leider nicht. "Das Problem ist nicht das Behältnis", erklärt Kathrin Schürr, Pressesprecherin des Landratsamts in Forchheim. "Sobald die Ware über die Theke ist, ist der Kunde dafür verantwortlich, wie er mit dem Fleisch oder der Wurst umgeht."


Nichts darf hinter die Theke

Die Richtlinien für Lebensmittel sind aber nicht Sache der Lebensmittelüberwachung des Landratsamts, erklärt Schürr. Die Vorgaben stammen vom Landesamt für Lebensmittelsicherheit. Von dort stammt auch die Auskunft, dass Gefäße, wie zum Beispiel Tupperboxen, nicht über die Theke gegeben werden dürfen. "Die Metzgereien müssen sich an strenge Hygienevorschriften halten", sagt Schürr, "sobald das Gefäß über die Ladentheke kommt, dringt es in den Kreislauf des Ladens ein."


Hygiene-Risiko

Damit wäre dann die Hygiene nicht mehr gewährleistet, schließlich kann der Metzger nicht wissen, wie sauber die Gefäße sind, die da über die Theke wandern.

"Da der Verkäufer den Hygienestatus des vom Verbraucher mitgebrachten Behältnisses nicht kennt, geht er ein für ihn nicht bestimmbares hygienisches Risiko ein", sagt Katrin Grimmer vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

"Es liegt im Ermessen des Betriebes, welchem Risiko er sich aussetzt oder nicht. Er haftet jedoch auch für mögliche Verunreinigungen von Lebensmitteln und die daraus entstehenden Schäden. "


Verzicht auf Einweg

Beim Metzger ist es also schwer, auf den Müll zu verzichten, da "Umhüllungen so gelagert werden müssen, dass sie nicht kontaminiert werden können", wie es Grimmer ausdrückt. Bäcker hingegen haben kein Problem damit, die Brötchen in einen Einkaufskorb zu legen. Dort kann getrost auf die Verpackung verzichtet werden. Und im Brotkasten zu Hause bleibt das Brot ohnehin genauso frisch wie in einer Plastiktüte.

Den Verzicht auf die Einweg-Kaffee-Becher unterstützen auch in Forchheim mehrere Bäckereien. "Natürlich füllen wir den Kaffee auch in den eigenen Becher", versichert eine Mitarbeiterin.


Obst und Gemüse ohne Müll

Im Supermarkt, in dem die Bäckerei ist, kann Obst und Gemüse zwar zum Teil ohne Verpackung gekauft werden, aber die günstigeren Angebote sind meist doch in Plastik gepackt. Bei den Ständen am Paradeplatz ist es jedoch kein Problem, das Obst und Gemüse direkt in den Jutebeutel oder den Einkaufskorb legen zu lassen. Ganz ohne Verpackung.

Ohne Verpackungen will übrigens auch ein neues Geschäft in Bamberg operieren. Die Schwestern Alina und Theres Gerischer planen "Unverpackt Bamberg", gerade und sind auf der Suche nach einer geeigneten Ladenfläche. Das Projekt soll sich über Crowdfunding finanzieren. Infos zum Laden ohne Müll gibt es auf www.unverpackt-bamberg.de .


Fakten zu Einwegbechern
Einwegbecher verbrauchen eine große Menge an Ressourcen. Nach durchschnittlich 15 Minuten werden sie zu Abfall.
Stündlich werden in Deutschland rund 320 000 Einwegbecher verbraucht. Das macht rund drei Milliarden Becher im Jahr.

Ressourcenverbrauch Für die Herstellung der Einweg-Becher werden zehntausend Tonnen Holz, Kunststoff sowie Milliarden Liter Wasser benötigt.

Interaktive Karte Unternehmen, die ebenfalls mitgebrachte Becher befüllen, können sich beim Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz melden. Diese werden dann in die interaktive Karte auf www.coffeetogo.bayern.de mit aufgenommen. Aktuell sind in der Region Forchheim nur zwei Unternehmen in der Karte aufgenommen


Kommentar von Jennifer Hauser: Gutes Gefühl

Ende vergangenen Jahres war es soweit: Ich habe mir einen Kaffee-Becher aus Keramik zugelegt, der seither auf meinem Schreibtisch steht. Wenn mich dann die Kaffeelust überkommt, umgehe ich seither den Müllfrust im Anschluss.

Lange Zeit hatte ich nämlich ein echt schlechtes Gewissen, wenn sich die Coffee-To-Go-Becher in meinem Mülleimer gestapelt haben.

Für die Umwelt war dieser Einkauf zwar nur ein kleiner Schritt, aber für ein gutes Gefühl sind 9,99 Euro echt nicht viel Geld.
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