Forchheim
Annafest

Claudia Roth auf Annafest: mit Angst leben lernen

Claudia Roth (Grüne), Vizepräsidentin des Bundestages, besuchte das Annafest in Forchheim - unter dem Eindruck der Attacken der letzten Woche.
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Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bekennt sich zu Bayern. "Das Land ist mehr als die CSU." Foto: Josef Hofbauer
Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bekennt sich zu Bayern. "Das Land ist mehr als die CSU." Foto: Josef Hofbauer
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Sie wolle sich das Lachen nicht wegnehmen lassen, betont Claudia Roth, Vizepräsidentin den Deutschen Bundestages, die auf Einladung der Forchheimer Grünen Liste (FGL) dem Annafest einen Besuch abstattet. Ganz unter dem Eindruck des Amoklaufes in München unterstreicht sie: "Wenn wir kein Fest mehr besuchen und in kein Fußballstadion mehr gehen, haben jene, die Hass und Gewalt säen gewonnen. Das darf nicht sein."

Es gelte der Satz von Benjamin Franklin: "Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren." Erleichtert zeigte sich Claudia Roth über die Hilfsbereitschaft der Bürger. Lob verdiene auch die Presse. So sei die Öffentlichkeit jederzeit über den aktuellen Stand der Dinge informiert gewesen. Mit Blick in Richtung Türkei verurteilte sie jegliche Eingriffe in die Pressefreiheit.

"Unabhängig davon, ob die Schießerei mit neun Todesopfern politisch motiviert war oder einen extremistischen Hintergrund hatte, wir müssen uns bei Gewalttaten fragen, was radikale Gesinnungen jedweder Art für Jugendliche so attraktiv macht", betonte die Bundespolitikerin. "Wir müssen überlegen, was bei uns schief läuft, dass Jugendliche sich angezogen fühlen von Horror und Gewalt-Ideologien."

Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, sei der falsche Weg. Die fliehen ja vor diesem Terrorismus. Deshalb werde es Aufgabe aller Parteien, aber auch der Kirchen sein, Rezepte zu finden, mit Gewalt umzugehen. "Wir nehmen die Angst ernst, schieben sie nicht beiseite", unterstrich Claudia Roth. Es gelte einen Weg zu finden, wie der Staat mit den Feinden der Demokratie umgeht.

Roth bekannte, dass Gewalt eine völlig neue Dimension angenommen habe. In sozialen Medien werde sie von Kritikern beschimpft und Morddrohungen ausgesetzt. "Die gehört umgebracht, die sollte man erschießen", zitierte Claudia Roth facebook-Einträge über sie. Erschüttert zeigte sich die Bundestags-Vizepräsidentin, dass derlei Drohungen nicht verfolgt würden, denn der Internet-User, habe ja im Konjunktiv geschrieben.


Hauptsache hausgemacht

Die aus Schwaben stammende Vorzeige-Grüne bekannte, sie sei einem süffigen Bier einer Kleinbrauerei genauso aufgeschlossen, wie einen Qualitätswein aus Franken oder Rheinhessen. "Nur keine Industrie-Getränke", verdeutlichte Roth, die sich mit Nachdruck zu Bayern bekennt. "Dieses Land ist vielfältig und bunt. Die CSU ist nur ein Teil dieses Landes", relativiert Claudia Roth, die gebeten wurde, sich im Gästebuch des Schindler-Kellers zu verewigen. Beim Zurückblättern erfuhr sie, dass der letzte Eintrag vor Ihr von keinem Geringeren als Franz Josef Strauß stammte, ein Zufall, der spontan Heiterkeit auslöste.

Zu gerne wäre Claudia Roth eine Runde mit dem Riesenrad gefahren, das aber noch nicht geöffnet hatte. Der Autoscooter erinnerte sie an ein Verbot ihres Vaters. Der Ulmer Zahnarzt sorgte sich um die Zähne seiner Kinder und verbot neben Bonbons auch das Autoscooter fahren. Claudia Roth, die sich bei einem Rundgang über das Festgelände über die Funktion der Keller informierte, fand auch Gefallen an den Trachten, insbesondere für die ganz Kleinen. Und am Leberkäs-Häusla entdeckte sie einen weiteren Beweis für die bunte Vielfalt Bayerns. Den Chili-Leberkäs.
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