Stöckach
Kirche

Ministranten im Seniorenalter

In 118 der über 350 Pfarreien des Erzbistums Bamberg sind Erwachsene unter den Ministranten.
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Pfarrer Andreas Hornung (M.) schätzt es, die Messe mit älteren Ministranten feiern zu können.  Foto: Petra Malbrich
Pfarrer Andreas Hornung (M.) schätzt es, die Messe mit älteren Ministranten feiern zu können. Foto: Petra Malbrich
Ihr Bild irritiert auf angenehme Weise: Die erwachsenen Männer, die in der Pfarrei Stöckach-Forth ministrieren. "Wir sind fast alle jenseits der 75 Jahre", sagt Wolfgang Riegler. Er ist so etwas wie der Chef der erwachsenen Ministranten. Für seinen 65 Jahre währenden Dienst für die Kirche wurde nun Wolfgang Wokatsch ausgezeichnet, Richard Ruppenstein und Wolfgang Riegler für ihre 50 Jahre, Harald Jobst für 40 Jahre und Siegfried Utz für 20 Jahre.

Urkunden, mit den Ministranten für 50 oder sogar 60 Jahre langen Ministrantendienst ausgezeichnet werden, hat Tobias Bienert zum ersten Mal gefertigt. Er ist Referent für das Ministrantenpastoral der Erzdiözese Bamberg.

Wie die meisten Ministranten fingen auch die Stöckacher Männer nach der Kommunion zum Ministrieren an. "Es war Pfarrer Buckenleib, der auf Erwachsene gesetzt hat", erklärt Riegler. Also nahmen Riegler und die anderen den Ministrantendienst wieder auf. Obwohl der Igensdorfer Wolfgang Riegler zur Pfarrei Weißenohe gehörte, ministrierte er in Stöckach.


Viele gute Gründe

Die erwachsenen Ministranten wurde dann von den Nachfolgepfarrern übernommen. Pfarrer Hautmann gab ihnen sogar einen eigenen Namen: "die Smsler" - die Senioren-Ministranten Stöckach.
Dass sie mit über 70 Jahren noch immer ministrieren, hat gute Gründe: "Der Dienst in der Kirche ist eine sehr schöne Aufgabe. Der Kirche fühle ich mich verbunden. Außerdem sind kaum noch Jugendliche da", sagt Wolfgang Riegler auch stellvertretend für die anderen Seniorenministranten.

"Ich freue mich über beide Altersgruppen. Es ist sehr schön, wenn junge Menschen am Altar stehen. In einer Kirche, in der junge Menschen die Minderheit bilden, sind Kinder und Jugendliche als Ministranten eine wunderbare Sache. Wenn diese dann nicht aufhören, sobald sie das Erwachsenenalter erreicht haben, oder wenn sie als Erwachsene neu beginnen, unterstreicht dies die Bedeutung des Ministrantendienstes. Sie drücken damit aus, dass es sich bei diesem Dienst um weit mehr handelt als um ein Kinderspiel", erklärt Pfarrer Andreas Hor
nung.

Tatsächlich waren es früher die Priesterdienstkandidaten, die den Ministrantendienst ausgeübt haben. "Dass bis in die 70er Jahre nur männliche Ministranten üblich waren, hing damit zusammen, dass der Dienst am Altar früher mit einer niederen Weihe als Vorstufe zum Priestertum verbunden war", erläutert Harry Luck, Pressesprecher des Erzbistums Bamberg.
Aber auch weibliche Messdienerinnen setzten sich vielerorts immer mehr durch, wurden aber erst 1992 offiziell von Rom erlaubt.


Geburtenschwache Jahrgänge

Zum Ministrantendienst kann heute kirchenrechtlich jeder geeignete Katholik, unabhängig vom Alter, zugelassen werden. Auch Frauen. Nur wenige Frauen, die deutlich über 18 Jahr alt sind, ministrieren aber. "Das sind meist Frauen, die damals nicht durften", erklärt Tobias Bienert.

In 118 der über 350 Pfarreien des Erzbistums Bamberg sind Erwachsene unter den Ministranten. In absoluten Zahlen gibt es dort 450 Ministranten über 18 Jahre.

Um dem Rückgang aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge entgegenzuwirken, ministrieren auf der anderen Seite in einigen Gemeinden bereits Kinder der zweiten Klasse, wie Pfarrer Andreas Hornung weiß. Der Rückgang der Ministrantenzahl ist in mancher Pfarrei auch der Grund gewesen, dass Erwachsene zu ministrieren begonnen haben. "Die Initiative kam erfreulicherweise von den Gläubigen selbst. Wenn dieser Weg auch woanders Schule machte, wäre dies super", sagt Hornung.

Der Ratschlag des Chefministranten der Seniorenminis in Stöckach - Forth an die Jugendlichen ist ebenso eindeutig: "Einfach weiter machen", ermuntert sie Riegler. Dass die in die Jahre gekommenen Ministranten dem Gottesdienst oft einen besonders würdigen Rahmen erhalten, würdigt auch Bienert: "Man merkt und sieht, dass sie eine sehr gute und innige Beziehung zur Gemeinde haben und dass der Gottesdienst und die Liturgie ihnen ein Herzensanliegen ist."
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