Forchheim
Geschichte

Lehrer wollen "Mein Kampf" auf Lehrplan setzen

Für Pädagogen und Schüler in Forchheim gilt es als unumstritten: Hitlers "Mein Kampf" sollte als Zeitdokument im Unterricht studiert werden.
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Bibliotheksleiter Daniel Schlögl blättert in den Räumen vom Institut für Zeitgeschichte in München in der Erstausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" aus dem Jahr 1925.  Foto: Matthias Balk, dpa
Bibliotheksleiter Daniel Schlögl blättert in den Räumen vom Institut für Zeitgeschichte in München in der Erstausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" aus dem Jahr 1925. Foto: Matthias Balk, dpa
Ist Hitlers "Mein Kampf" Stoff für die Lehrpläne der Schulen? Seit das Institut für Zeitgeschichte Anfang 2016 eine kritische Edition von Hitlers Hetzschrift auf den Markt brachte, verkaufte sich das Buch über 50 000 Mal und schaffte es in die "Spiegel"-Bestsellerliste. Und der bayerische Landtag hat sich mit der Frage beschäftigt: Soll "Mein Kampf" in den Schulen genutzt werden? Und wie?
Ein Exemplar der kritischen Ausgabe will Lieselotte Rall, Chefin am Forchheimer Herder- Gymnasium, für die Schulbibliothek anschaffen. An diesem Buch lasse sich "exemplarisch die Gefahr der Demagogie" vorführen. "Die Schüler sollten sensibilisiert und geschult werden, dem nicht auf den Leim zu gehen", sagt Lieselotte Rall.


Furchtbarer Stil

Auch Christian Rödel, der Geschichte und Englisch am Herder-Gymnasium unterrichtet, hält eine Auseinandersetzung mit Hitlers Schrift für wichtig. "Ich würde mich im Unterricht gerne auch breiter damit beschäftigen, aber im G8 fehlt die Zeit dafür." Daher müsste den Schülern das Buch "in Text-Schnipseln und Kommentaren" näher gebracht werden.

"Man sollte da mal rein geschmeckt haben", ist Christian Rödel überzeugt. "Auch wenn der Stil furchtbar ist und obwohl das Ganze unglaublich repetitiv verfasst ist, kann man an der Hermetik dieses Buches modellhaft lernen, wie Ideologie funktioniert und wie solche Denksysteme gebaut werden."
Lieselotte Rall und Christian Rödel betonen, dass die Lektüre von "Mein Kampf" ohnehin nur vor dem Hintergrund eines Unterrichtes sinnvoll sei, der der Ideologie des NS-Zeit einen breiten Raum einräume. "Die NS-Ideologie ist ausdrückliches Lehrplan-Thema und wird in allen Facetten behandelt", sagt Geschichtslehrer Rödel.


Nicht in "Mein Kampf" verzetteln

Sein ehemaliger Kollege Rolf Kießling, der am Herder-Gymnasium Deutsch und Religion unterrichtete, und der sich mit seinen Forschungen über die Juden in Forchheim einen Namen gemacht hat, warnt aber: Es sei "zu viel verlangt", das Buch im Unterricht intensiv zu erforschen. "Es wird so viel an die Schüler herangetragen. Was man braucht, das sind geschichtliche Eckdaten. Spezialisieren kann man sich im Studium." Damit sich die Schüler "nicht verzetteln", rät Rolf Kießling, die "verdienstvolle Edition" des lange verbotenen Buches in der Schul
bibliothek bereitzustellen und es "bei Gelegenheit" zu nutzen.

Und was sagen die Schüler des Herder-Gymnasiums? Elisa Hack (17): "Ja, auf jeden Fall sollten wir uns mit `Mein Kampf´ beschäftigten. Ich jedenfalls finde es sehr spannend, aus der Zeit direkt was zu lesen. Ausschnitte haben wir im Geschichtsunterricht auch schon kennengelernt. Es wird erschreckend deutlich, wie Propaganda funktioniert."

Johannes Weidt (16) meint: "Was ich von Gesprächen mit Mitschülern weiß, ist Interesse da, dieses Buch kennenzulernen. In Teilen und mit Kommentaren würde ich es mir auf jeden Fall anschauen. Da es diese Quelle gibt, ist es wichtig, direkt nachzulesen, was dieser Mann gedacht hat. In Ausschnitten wäre das auf jeden Fall interessant."

Und Justin Rohrbeck (18) ist der Auffassung: "Es ist definitiv wichtig, dass dieses Buch für die Schule zugänglich gemacht wird. Es ist eine Gelegenheit, in Hitler hineinzuschauen. Das ist etwas anderes, als nur Kommentare von anderen. Es ist spannend, ein Dokument zu haben, direkt von dem Mann, von dem man in der Schule zwei Jahre lang etwas hört."

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