Es ist stockdunkle Nacht. Der Lokführer der Regionalbahn ist von Forchheim unterwegs nach Ebermannstadt. Plötzlich leuchtet das Führerhaus des Zuges in grell-grünem Licht. Es ist, als hätte ihn der Blitz eines Fotoapparates geblendet. Der 38-Jährige sieht nichts mehr. Er leitet eine Vollbremsung ein, bleibt aber unverletzt.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am Montag, 9. November, gegen 20.52 Uhr, etwa 1200 Meter vor dem Haltepunkt Pretzfeld. Solche Attacken, bestätigt die Marketing-Referentin des Nebenbahn-Betreibers Agilis, habe es in der Vergangenheit vermehrt gegeben. Vor allem auf der Strecke der Wiesenttalbahn nach Ebermannstadt seien die Führer der Triebfahrzeuge Laserpointer-Attacken ausgesetzt gewesen.


Lokführer absolut "blind"

Der unbekannte Täter zielte mehrere Sekunden mit einem grünen Lichtstrahl in das Führerhaus des Triebwagens. "Das ist, als würde jemand dem Fahrer die Augen zuhalten. Der Lokführer sieht absolut nichts mehr", schildert ein Sprecher der Bundespolizei, die solche Fälle verfolgt, die Situation. Reflexartig zog der Zugführer, der in Richtung Ebermannstadt unterwegs war, daraufhin die Notbremse.

Die zwölf Reisenden im Zug wurden nicht verletzt. Eine sofort eingeleitete Fahndung der Polizei blieb bislang ohne Erfolg. Als vermutlichen Tatort hat die Bundespolizei einen befestigten Flurbereinigungsweg ermittelt, der nach Kolmreuth führt.

Eine ähnliche Attacke ereignete sich in diesem Bereich am 22. August letzten Jahres. Damals zielte der Täter mehrfach mit einem Lichtstrahl in das Gesicht des Triebwagenführers. Der Lokführer wurde dabei verletzt und musste sich anschließend mit Augenproblemen in ärztliche Behandlung begeben. Durch direktes Anleuchten mit einem Laserpointer können irreparable Schäden an den Augen bis hin zu Blindheit hervorgerufen werden, erklärt der Sprecher der Bundespolizei Nürnberg. Je nach Wellenlänge, Leistung und Entfernung des Laserpointers sei die Lichteinstrahlung unterschiedlich intensiv.


Leistung der Geräte beschränkt

Zwar dürften in Deutschland nur Geräte mit einer Leistung von maximal einem Milliwatt verkauft werden, doch würden via Internet deutlich stärkere Geräte angeboten. Grundsätzlich werde aber in allen Fällen wegen gefährlicher Körperverletzung und eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Im Extremfall stehen darauf bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.


Attacken aus Dummheit

Nach Einschätzung der Bundespolizei passierten die Laserpointer-Attacken, die bundesweit festzustellen seien, nicht, um jemanden gezielt zu verletzen, sondern aus Jux und Tollerei. "Also aus Dummheit", übersetzt der Sprecher der Bundespolizei. Hinweise werden unter Telefon 0911/205551-0 entgegengenommen. Die kostenfreie Hotline der Bundespolizei mit der Rufnummer 0800/6888-000 steht Zeugen ebenfalls rund um die Uhr zur Verfügung.


Notfall-Fahrplan wegen technischer Mängel

Aus Sicherheitsgründen lässt die Agilis, die den Zugverkehr von Forchheim nach Ebermannstadt betreibt, ihre Fahrzeugflotte überprüfen. Bei den Fahrzeugen des Typs Regio Shuttle RS1, die verwendet werden, waren bei den Stangen, die Drehgestell und Fahrzeugrahmen miteinander verbinden, gravierende Mängel entdeckt worden. Nach Abschluss der Untersuchungen aller Fahrzeuge hat sich ergeben, dass nun doch mehr als die Hälfte der Fahrzeuge zur Verfügung steht, so dass das Ersatzkonzept gelockert wurde.


Wiesenttalbahn

Momentan verkehrt auf der Strecke Forchheim - Ebermannstadt nur ein Zugteil. Ab Kirchehrenbach ist für die Schüler, die nach Ebermannstadt zur Schule gehen, zusätzlich ein Schulbus eingesetzt. Komplett durch den Bus ersetzt wird derzeit nur noch die Fahrt von Forchheim nach Ebermannstadt um 5.57 Uhr und von Ebermannstadt nach Forchheim, Abfahrt 6.21 Uhr . Voraussichtlich ab kommender Woche soll es zu keinen Zug ausfällen mehr kommen.