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Kulturvielfalt als Balance-Akt

Im Dezember geht Kulturbeauftragter Dieter George in den Ruhestand. 150 Bewerber stehen um seine Nachfolge Schlange. Politiker und Kulturschaffende beschreiben ihren Wunschkandidaten.
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Die Aktionen des Jungen Theaters gehören zu den vielen Themen, die der neue Kulturbeauftragte im Blick haben soll. Foto: Junges Theater
Die Aktionen des Jungen Theaters gehören zu den vielen Themen, die der neue Kulturbeauftragte im Blick haben soll. Foto: Junges Theater
Die Bewerbungsfrist ist gelaufen. 150 Frauen und Männer wollen die Aufgabe des Forchheimer Kulturbeauftragten übernehmen. Denn Dieter George hat am 21. Dezember seinen letzten Arbeitstag. Wer wird ihm nachfolgen? Was wird von ihm oder ihr erwartet?

Dazu äußert sich Dieter George natürlich nicht. Beteiligt ist er aber an der Frage seiner Nachfolge insofern, als er den formalen Rahmen absteckt. George hat die Ausschreibung mitformuliert. "Dabei haben wir uns am gegenwärtigen Tätigkeitsfeld orientiert." Jetzt geht es darum, aus der Vielzahl der Bewerber eine Vorauswahl zu treffen. "Wir werden uns Beistand holen", kündigt George an. Jemand wird die Verwaltung unterstützen, jene Kandidaten zu bestimmen, die dem Personal- und Kulturausschuss vorgeschlagen werden. "Die Stadträte sollen hinreichend Spielraum haben", sagt George.

Einen Kulturbeauftragten mit "erweitertem Aufgabengebiet" will FW-Stadtrat Ludwig Preusch. "Ganz so wie bisher kann es nicht weitergehen." Mit klassischen Aufgaben wie der Heimatforschung oder dem Redenschreiben sei es nicht mehr getan, meint Preusch.

"Unser Wunsch an den künftigen Kulturbeauftragten ist, dass er die kulturelle Innovation fördert", sagt Johannes Mehlich, Vorsitzender des Jungen Theaters. "Die vorhandenen Kulturschaffenden sollten so zusammengeschaltet werden, dass die kulturelle Vielfalt noch weiter betont wird."

Bisherige Organisationsform reicht nicht mehr aus

Um dem gerecht zu werden, was in der Forchheimer Kulturwelt der letzten 20 Jahre entstanden sei, reiche die bisherige Organisationsform nicht mehr aus, urteilt Robert Hübschmann, Sprecher der Musikinitiative Megafon. "Ein Mann, der die ganze Kultur stemmen muss, ist da überfordert." Daher plädiert Hübschmann "für ein Kulturreferat, in dem es verschiedene Mitarbeiter gibt - es müssen ja nicht alles Vollzeitstellen sein". Mit der Vorstellung eines vielköpfigen Kulturreferates kann sich Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) aber nicht anfreunden. Zwar werde es künftig ein "breiteres Angebot geben", verspricht Stumpf; betont aber: "Das ist auch von einem Einzelnen leistbar." Der Nachfolger werde etwa die "lockeren Veranstaltungen" mitorganisieren. Zeitlich sei das machbar, weil er in der Heimatforschung "nicht so intensiv und tiefschürfend arbeiten muss wie das Dieter George getan hat".

Johannes Mehlich dagegen denkt an Kommunen wie Roth und Bamberg. Die hätten erkannt, dass in der lokalen Kultur "Potenzial für mehrere" stecke. "In Forchheim ist kultureller Weitblick und zugleich der Blick auf die Tradition gefragt. Das ganze ABC der Kultur muss beherrscht werden, von Annafest bis ZirkArt, von Rockmusik bis Blasmusik, von Kaiserpfalz bis Kabarett." Wenn das "alles bei einem" liege, werde wohl "irgendwas runterfallen", befürchtet der Vorsitzende des Jungen Theaters.

Auch CSU-Rat Udo Schönfelder sagt, dass ein Kulturbeauftragter "Stellen braucht, die ihm zuarbeiten". So wie Schönfelder den George-Nachfolger beschreibt, kann er gar nicht alleine zurechtkommen: Er soll "verstärkt auf die Popular-Kultur achten"; soll die Musikinitiative Megafon, das Junge Theater und die Event-Kultur im Auge haben; soll "Managementqualität mitbringen, um die Kultur als Wirtschaftsfaktor zu beleuchten"; soll das Sponsoring und das Fundraising voranbringen und die künftige Kulturhalle managen...

In jedem Fall kommt mit dem "Neuen" eine "andere Phase", ist sich SPD-Stadtrat Reinhold Otzelberger sicher. Dieter George habe "seine Sache sehr gut gemacht". Doch auch wenn sich die Stellenausschreibung an Georges Tätigkeit orientiere, werde die kommende Kulturarbeit "ganz anders sein - kommunikativer und viel mehr vernetzt", sagt Otzelberger.

Ludwig Preusch warnt davor, die Stellenausschreibung überzubewerten: "Man hat schon beim Wirtschaftsförderer Naumann gesehen, dass die Ausschreibung nicht dem entspricht, was er macht." Das künftige Kulturzentrum könne man "nicht in der Luft hängen lassen", sagt der FW-Stadtrat und fordert: "Der nächste Kulturbeauftragte braucht ein, zwei Leute, um es ordentlich zu machen."
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