Forchheim
Literatur

Krimi-Autor lässt in Forchheim das Blut in den Adern gefrieren

In seinem Roman "Teufelskanzel" liegt plötzlich eine kostümierte Leiche an einem Felsen. Im Rahmen des Criminale-Festivals liest Thomas Erle aus seinem eindrucksvollen Debüt.
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Thomas Erle bei seiner Lesung in ForchheimFoto: Görner
Thomas Erle bei seiner Lesung in ForchheimFoto: Görner
Die Atmosphäre des zur Roten Mauer gehörenden Kellergewölbes ist bestens geeignet für eine Lesung von Kriminalgeschichten. Selbst wenn die Kälte des Raumes einem sozusagen das Blut noch zusätzlich in den Adern gefrieren lässt. Aber Gott sei Dank liegen für Veranstaltungen im "Erlebnismuseum" immer auch wärmende Decken bereit.

Eines der größten deutschsprachigen Kriminalfestivals, die Criminale, findet in diesen Tagen in der Metropolregion Nürnberg statt. In Forchheim hat jetzt der Krimiautor Thomas Erle seinen Debütroman "Teufelskanzel" in Auszügen vorgestellt.

Preisträger im Jahr 2011

Der 1952 im badischen Schwetzingen geborene und seit 20 Jahren in Emmendingen bei Freiburg lebende Autor hat zwar schon quasi seit seiner Kindheit geschrieben.

Aber erst vor fünf Jahren kam er zur Kriminalliteratur - und hatte auch sofort Erfolg: Mit seinem Kurzkrimi "Der Mann auf der Brücke" wurde er 2010 Preisträger beim Freiburger Krimipreis. 2011 folgte die Nominierung zum Agatha-Christie-Krimipreis, nachdem "Der Zauberlehrling" erschienen war, und auch die "Teufelskanzel" ist schon wieder nominiert: für den Friedrich-Glauser-Preis, der den besten Debütroman auszeichnet.

Thomas Erle schreibt zwar sogenannte Regionalkrimis, möchte aber keinesfalls in die "Regionalkrimi-Schublade" gesteckt werden. Denn das vielen Poltrige und Derbe vieler Regionalkrimis findet sich in den Büchern Erles nicht.

Deshalb fehlt seinen Texten aber nicht etwa jeder Humor: Allein schon die von ihm herrlich vorgetragenen alemannischen Dialekteinsprengsel aus der "Teufelskanzel", etwa wenn zwei Totengräber ihre Arbeit kommentieren, brachte das Forchheimer Publikum zum Lachen.

Keltische Mystik

Die Handlung des Romans spielt am Kandel, dem sagenumwobenen Schwarzwaldberg, zu dem auch die Teufelskanzel gehört. Unterhalb dieses Felsens wird die Leiche eines jungen Mannes im Faschingskostüm gefunden.

Lothar Kaltenbach aus Emmendingen versucht zusammen mit der Schwester des Toten, den wahren Hintergrund des als Unfall in der Zeitung gemeldeten Ereignisses aufzudecken und kommt dabei einem düsteren Geheimnis auf die Spur. Es geht um Spuren keltischer Mystik im Schwarzwald.

Erles eigentliches Interesse gilt der Verwurzelung des Menschen in der Geschichte, auch im Mythisch-Mystischen. Wie wirkt sich das auf die Gesellschaft, auf das Individuum bis heute aus? Was kann einen Menschen dazu bringen, über die Grenzen des Normalen hinauszugehen und sogar zum Verbrecher zu werden?

Auf seinen vielen Reisen durch nahezu die ganze Welt und auch in seinem Beruf als Waldorf-Lehrer war Erle immer auf der Suche nach Begegnungen mit Menschen und Kulturen. Das hat seinen Blick auf die nächste Umgebung und die Fähigkeit zu vergleichen jedoch offenbar besonders stark gemacht.

Der Liebhaber guten Weins las - nach einer kurzen Aufwärmpause für alle draußen vor dem Eingang - noch eine früher geschriebene Kriminalkurzgeschichte mit dem Namen "Alles Bio". Darin geht es um den Konflikt zwischen konservativem Anbau mit Dünger und Spritzmitteln und dem rein biologischen.

Es fällt sofort auf, dass Erles Schreibstil in diesem früheren Werk noch ein ganz anderer ist. Hier schrieb Erle noch artistischer.

Einfach dichter

Für Erle hängt dies auch damit zusammen, dass der Erzähler bei einer Kurzgeschichte im wörtlichen Sinn dichter und somit noch kunstvoller formulieren muss.
Eine Kurzgeschichte benötige eine überraschende Pointe und einen spannenden Aufbau.


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