Kirchehrenbach

Konzert und Meditation in

Das Bamberger Streichquartett interpretiert Haydens "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" in Kirchehrenbach auf subtile Weise.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Duett in der Kirchehrenbacher St.-Bartholomäus-Kirche Foto: Pauline Lindner
Das Duett in der Kirchehrenbacher St.-Bartholomäus-Kirche Foto: Pauline Lindner
In der Bibel überlieferte Ereignisse, insbesondere gilt dies für die Leidensgeschichte Jesu Christi, animierten seit jeher Komponisten zu musikalischen Werken. Man denke beispielsweise nur an Bachs Matthäuspassion.
Durchaus theatralisch begleiten Sänger und Musiker die einzelnen Geschehnisse. Ganz anders ist Joseph Haydns "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" angelegt: Die Musik trägt in ihrer Sprache die Gedanken weiter, welche die bei den Evangelisten niedergeschriebenen letzten Worte beim Hören auslösen.


Die letzten Worte

Sie sind Konzert und Meditation zugleich, wie es Pfarrer Oliver Schütz in der Kirchehrenbacher St.-Bartholomäus-Kirche ausdrückte. Das Bamberger Streichquartett mit Raul Teo Arias, Andreas Lucke, Branko Kabadaic und Karlheinz Busch übernahm bei der Aufführung den musikalischen Part.


Erzbischof Ludwig Schick zeichnete verantwortlich für den Vortrag der Bibelzitate und deren Auslegung für die heutige Zeit. Geschaffen hat Haydn die bekannteste Vertonung der letzten Worte im Auftrag eines spanischen Domherrn für die Kar-freitagsandacht in der Kathedrale zu Cadiz. Dort war es Brauch, dass der Bischof die Worte vortrug und sich dann hinkniete, während die Musik erklang. Diesem Muster folgte auch die Aufführung in Kirchehrenbach. Allerdings ergänzte der Oberhirte die kurzen biblischen Texte und bat zu Beginn das Auditorium, sich die Aussage "zu Herzen gehen zu lassen".

Seiner Auffassung nach "berührt die Streicherfassung am tiefsten die Seelen". Gegliedert ist das Werk in neun Teile. Die "Introduzione" dient der emotionalen Einstimmung und nimmt die gestalterischen Möglichkeiten der langsamen Tempi und unterschiedlichen Stimmungen vorweg. Es folgt der erste Text. In diesem Wechsel setzt sich die Komposition fort. Verhauchend endet die siebte Sonata, gleich dem letzten Atemzug eines Sterbenden. Dann setzt mit voller Wucht der biblischen Überlieferung zufolge ein Erdbeben ein. "Presto e con tutta forza" fordert Haydn von den Interpreten für das kurze Schlussstück.

Die gewählten langsamen Tempi, die so gegen unsere alltäglichen Hörgewohnheiten sind, versetzten die Zuhörer gewiss in eine meditative Stimmung. Diese griff Schick auf und lenkte mit einem Bogen über die großen Gleichnisse der Bibel die Gedanken in die Gegenwart, zur Wahrnehmung durch den heutigen Menschen. "Sterben ist so sicher wie Geborenwerden, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht."
Heute spricht man von Burnout und Depression, was der Psalm 22 zum Ausdruck bringt. Der Durst nach Liebe, den mancher nicht mehr benennen kann; die Vollendung der Liebe zum Leben, es drängen sich beim musikalischen Nachvollziehen unwillkürlich Gedanken auf, die man nur ungern ausspricht, die aber Schick keineswegs verschwieg.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren