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Forchheim
Projekt

Kleinen Strolche und ihre Küken

Mit ihrem Küken-Projekt haben die Vorschulkinder des Förderzentrums der Pestalozzischule bewiesen, dass sie Verantwortungsgefühl besitzen.
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Antonio Paulilo nimmt vorsichtig ein Ei in die Hand. Foto: privat
Antonio Paulilo nimmt vorsichtig ein Ei in die Hand. Foto: privat
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Mucksmäuschenstill waren die Vorschulkinder, als Karin Jackermeier mit den kleinen Küken im Käfig das Klassenzimmer betrat. Leider war es am Wochenende als die erste Eierschale knackte und sich das erste der 20 Küken den Weg nach außen bahnte.


Neues Leben

Dennoch waren die Augenblicke, die ersten Tage bei einem neugeborenen Leben mitzuerleben, das, was den Kindern den Atem stockten ließ. Und doch war das der Augenblick, auf den sie fast einen Monat lang hingearbeitet hatten. Problemlos kamen sie ihren Pflichten als "werdende Eltern" nach und bereiteten liebevoll alles für die Ankunft der Babyhühner vor. Wie bei allen künftigen Eltern durften auch die anderen Schüler und Lehrer der Pestalozzischule an dem großen Ereignis teilhaben.


Eigentlich sollte den Kindern mit dem außergewöhnlichen Projekt, das die Praktikantin für ihre Ausbildung brauchte, das Thema Hühner und Eier, also die Natur und die Tierwelt, begreifbar gemacht werden. Entstanden ist dann Leben in den Händen der Kinder, die aufgrund fehlender Fähigkeiten oder mangelnden Willen auf den ersten Blick auffällig im Verhalten sind und ihre Kraft nicht adäquat steuern können.
"Ein Knuff wird zum Schlag, ein Schubser zum Umwerfen. Aus Rufen wird Schreien und aus Singen wird Brüllen. Auch Spielsachen gehen häufig zu Bruch, obwohl gar nichts gemacht wurde", erklärte Erzieher Stephan Schreiber-Hassa die Probleme der Kinder. Ganz anders, als die Eier in der Brutmaschine lagen. "Seid doch leise", ermahnten sich die Kinder gegenseitig, während sie vorsichtig ein Ei nach dem anderen achtsam drehten, um die Wärme gleichmäßig zu verteilen. Beobachten konnten sie die Eier durch den Deckel des Brutkastens. Im Schulhaus blieb natürlich nicht verborgen, was in der Gruppe vor sich ging und die ersten Schüler und auch Lehrer suchten den Weg zu den kleinen Strolchen, vier Mädchen und vier Jungs zwischen vier und sechs Jahren, und ihrem Brutapparat. " Mit dem Eizahn knacken sie die Schale", informierten die Kinder die interessierten Besucher.
"Die Kinder haben sich durch die Anleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gruppe zu kleinen Experten entwickelt. Mit Hilfe von Büchern, Artikeln, Arbeitsblättern, Asservaten aus dem Lehrerfundus, Filmen auf DVDs und im Internet haben die Kinder mit Begeisterung immer mehr in Erfahrung gebracht", erklärte Kathrin Heck mit wie viel Stolz und Achtsamkeit die Kinder ihre Aufgaben wahrnahmen und ihre Pflichten erfüllten. Wer glaubte, die Kinder hätten das Interesse verloren, als die Küken geschlüpft waren, täuschte sich. "Seid doch ruhig", mahnte Alp die anderen Schüler im Schulgebäude.


Sanft gestreichelt

Abwechselnd fütterten Vorschüler ihre Küken und träufelten ihnen Wasser ein. Sanft hielten die Mädchen und Jungs ihre Küken auf der Hand, streichelten zaghaft über den flaumigen Kopf oder massierten liebevoll das kleine Bäuchlein, wenn ein Küken Verstopfung hatte. Dass der Schlafplatz der Küken gereinigt werden musste, verstand sich von selbst. Doch vor allem bewiesen die Kinder, dass sie sehr wohl liebevoll, achtsam, sanft und verantwortungsvoll umgehen können. Im Umgang mit jungen Leben haben sie diese Eigenschaften entwickelt und gefördert.


Artgerechte Haltung

"Den Küken wurde "keine Feder gekrümmt", sagte Schreiber-Hassa. Aber die Kinder verstanden auch, dass ein artgerechtes Aufwachsen von Hühnern nicht in einem Kindergarten stattfinden kann. Die Küken sind deshalb seit einigen Tagen bei der "Hühnerzüchterin" Martina Geck in Rüssenbach. Von ihr hatten sie auch den Brutkasten erhalten. Aber so ganz an den Alltag ohne Küken wollen sich die Kinder nicht gewöhnen und es scheint, als würde das Projekt wiederholt werden können, denn "es gibt ernsthafte Überlegungen, an der Pestalozzischule einen Hühnerstall zu errichten", meinte der Erzieher Schreiber-Hassa.