Kirchehrenbach
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Kirchehrenbacher Kinderheim für junge Flüchtlinge gerüstet

Kirchehrenbach erwartet unbegleitete Flüchtlinge, doch woher und wann sie kommen, das weiß noch niemand genau. Die Verantwortlichen im Jugendamt und bei der Caritas kritisieren die Organisation der übergeordneten Behörden.
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Das ehemalige Kinderheim St.Michael in Kirchehrenbach: Zehn unbegleitete männliche Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 18 sollen hier wohnen. Sie werden täglich erwartet. Foto: Ekkehard Roepert
Das ehemalige Kinderheim St.Michael in Kirchehrenbach: Zehn unbegleitete männliche Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 18 sollen hier wohnen. Sie werden täglich erwartet. Foto: Ekkehard Roepert
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Am Freitag sollten 30 unbegleitete Flüchtlinge in Kirchehrenbach eintreffen. Die Nachricht erreichte Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD) am Vorabend der geplanten Ankunft. "Ich bin erschrocken", sagt die Bürgermeisterin.
Und sie war nicht die einzige. Auch Dagmar May, die Leiterin des Jugendamtes, war von der Plötzlichkeit der Ereignisse getroffen: "Was kommt auf uns zu?" Auf diese Frage habe es am Donnerstag so gut wie keine Antworten gegeben. "Es genügt ja nicht, ein Haus zu haben", betont May.

Unbegleitete Jugendliche müssten rund um die Uhr betreut werden; Dolmetscher müssten vor Ort sein, um Interviews zu führen; ein Catering-Service, die medizinische Versorgung und eine Security müssten organisiert werden; Betten müssten besorgt, die hygienischen Bedingungen sichergestellt werden.

Erstmal durchatmen

Zum Glück reduzierte sich die Zahl der angekündigten Flüchtlinge dann von 30 auf 10. Glück auch, dass sich die Ankunft verzögert. So konnten das Jugendamt und die Caritas in Windeseile das ehemalige Kinderheim St. Michael Fürth herrichten, das in Kirchehrenbach ungenutzt am Ende der Sportplatzstraße steht.

"Hut ab, was Jugendamt und Caritas in der kurzen Zeit geleistet haben", lobte die Bürgermeisterin am Mittwoch.

Am Dienstag hatte Dagmar May die Politiker beruhigt, die in den Jugendhilfeausschuss des Kreises gekommen waren: "Das Meiste ist organisiert", sagte May. Obwohl nach wie vor nicht klar sei, wer denn nun genau in Kirchehrenbach untergebracht wird. Fest stehe lediglich, dass es männliche Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren sein werden. Die meisten vermutlich aus Syrien und Afghanistan.

"Diese Krise ist toll gemanagt worden", lobte zwar auch Peter Ehmann. Gleichzeitig übte der Chef der Caritas im Landkreis Forchheim aber scharfe Kritik an der Kommunikation der übergeordneten Behörden: "Ich war geschockt. Da kommen angeblich 30 Flüchtlinge ohne Eltern. Das soll von heute auf morgen passieren. Unvorstellbar, dass es so etwas bei uns heute in Deutschland gibt." Über so ein Krisen-Szenario hätten die Verantwortlichen doch mindestens vier Wochen vorher informieren müssen, meint Peter Ehmann. Er war am Dienstag weiter skeptisch, was den tatsächlichen Ablauf betrifft: "Aus den 30 Flüchtlingen wurden übers Wochenende 10, mal sehen was nächste Woche gemeldet wird."

Warten auf einen Anruf

Dagmar May spricht von einer "spontanen Aktion". Die Unterkünfte in Passau seien restlos überfüllt. In der Region fänden sich noch nicht mal Betten für die Flüchtlinge, die nun auf ganz Bayern verteilt würden. Täglich werde im Jugendamt nun der Anruf erwartet, dass die unbegleiteten Jugendlichen tatsächlich eintreffen.

Eine offenbar glückliche Hand haben Caritas und Jugendamt mit der Wahl von Kirchehrenbach als Wohnort. Denn noch ehe die Flüchtlinge eingetroffen sind, gebe es eine "große positive Resonanz", freut sich Bürgermeisterin Gebhardt. "Es wurde keinerlei Kritik laut." Auf Anhieb hätten sich 40 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten gefunden, die sich hilfsbereit zeigten.

Heute Abend geht es bei einer Informationsversammlung in Kirchehrenbach genau darum: Wie soll die ehrenamtliche Unterstützung konkret aussehen. "Die jungen Leute wollen ein bisschen mobil sein", sagt Dagmar May und regt an, alte Fahrräder zur Verfügung zu stellen. Weil Flüchtlinge erfahrungsgemäß oft nicht Rad fahren können, wäre es eine Möglichkeit, ihnen beim Lernen behilflich zu sein. Neben Radfahr-, sei auch Deutsch-Unterricht eine sinnvolle Unterstützung, sagt die Leiterin des Jugendamtes.

Schnell in reguläre Wohngruppen

Möglichkeiten zu helfen, wird es viele geben. Denn wie Dagmar May betont, entstehe in Kirchehrenbach keine Unterkunft, die den üblichen Ansprüchen genügt: "Es ist eine Notunterkunft, die Standards der Jugendhilfe wird es dort nur in abgespeckter Version geben." Ziel sei es, die Jugendlichen "schnell in reguläre Wohngruppen zu überführen".
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