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Schule

Kinder haben Forchheimer Behörden am Buß- und Bettag im Griff

Wohin mit den Kindern am Buß- und Bettag? Viele Eltern standen gestern vor einem Problem. Zum ersten Mal hat die Stadtverwaltung eine Betreuung angeboten.
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Wer ist hier der Chef? Schulkinder belagerten gestern den Schreibtisch von Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein. Fotos: Maximilian Glas
Wer ist hier der Chef? Schulkinder belagerten gestern den Schreibtisch von Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein. Fotos: Maximilian Glas
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Ein Abenteuer in der Unterwelt statt komplizierten Bruchrechnungen an einem frühen Mittwochmorgen: der schulfreie Buß- und Bettag und ein spezielles Betreuungsangebot des Landratsamtes für die Kinder der Belegschaft machten es gestern möglich.

Während die Eltern der gewohnten Büroarbeit nachgingen, vergnügte sich der Nachwuchs am Vormittag in den historischen Felsengängen und der Burg in Nürnberg. Im Anschluss ging es ins Landratsamt zurück, wo es für die 22 Kinder in der Cafeteria Spaghetti Bolognese zu Essen gab. Abgerundet wurde das Programm am Nachmittag mit einem Zeichentrickfilm auf Großleinwand und dem Basteln von Weihnachtsdekoration. "Einige Kinder sind bereits seit sieben, acht Jahren jedes Jahr dabei. Wir haben immer ein anderes Programm, gelangweilt hat sich auch diesmal keiner", sagt Personalrätin und Mitorganisatorin Heike Nagengast-Beck.


Besuch beim Oberbürgermeister

Seit nunmehr neun Jahren werden an Buß- und Bettag bis zu 40 Kinder betreut. "Für die Kinder ist es auch mal schön zu sehen, wo ihre Eltern überhaupt arbeiten", meint Personalratsvorsitzender Klaus Ponner.

Der Service des Landratsamtes hat dieses Jahr auch die Stadtverwaltung inspiriert, die gestern erstmalig eine Betreuung für ihre Bediensteten angeboten hat. Personalratsvorsitzende Jessica Braun initiierte den Kindertag: "Ich habe den Oberbürgermeister gefragt, ob er sich das auch vorstellen kann. Er war sofort begeistert und hat gesagt, als familienfreundliche Stadt machen wir das natürlich. Begeistert vom neuen Angebot waren auch die anderen Mitarbeiter im Rathaus. "Ich habe zahlreiche E-Mails von Kollegen erhalten, wie toll sie diese Aktion finden. Auch von Kollegen, deren Kinder zwar schon älter sind, die aber die Schwierigkeiten ihre Kinder an diesem Tag unterzubringen, noch gut kennen", sagt Jessica Braun.

Für 17 Kinder hat der Personalrat der Stadt ein buntes Tagesprogramm zusammengestellt. Am Vormittag zog es auch die "Rathauskinder" in die Unterwelt. In den Forchheimer Kasematten tauchten die Schüler im Alter von fünf bis elf Jahren in die Welt des Dreißigjährigen Krieges ein.

Mittags stand eine Stippvisite im Büro von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) an. Ohne Berührungsängste umringten die Kleinen den Oberbürgermeister und löcherten ihn mit Fragen: "Wie wird man eigentlich Bürgermeister? Darf ich mich mal auf deinen Stuhl setzen, Bürgermeister?"

Alle Kinder durften natürlich auf dem Chefsessel Probesitzen und hinterließen Uwe Kirschstein auf gelben Notizzetteln eine Botschaft. "Ich genieße solche Termine sehr, die Kinder bringen mit ihrem unverstellten Blick immer wieder schöne Anregungen", sagt er. "Aus meiner früheren Tätigkeit weiß ich, wie schwierig das Thema Buß- und Bettag für berufstätige Eltern ist." Betreut wurden die Kinder von vier Personalräten. Ein Betreuer scherzte: "Immerhin sind wir schon zehn Minuten hier und es brennt noch nichts." Als der Bewegungsdrang der Kinder nach 20 Minuten merklich größer wurde, ging es am Nachmittag weiter zu einer Besichtigung der Forchheimer Feuerwehr.


Nachfrage bei Firmen sinkt

Weniger Bedarf für eine derartige Möglichkeit der Kinderbetreuung sahen gestern die Forchheimer Unternehmen. Die Infiana Group und die Gebrüder Waasner als zwei der größten Forchheimer Arbeitgeber hatten kein Betreuungsangebot für Schulkinder. Die Mitarbeiter würden sich privat organisieren, von einem erhöhten Bedarf sei nichts bekannt.

Auch Siemens in Forchheim verzichtete vor Ort auf eine Kinderbetreuung, so die Auskunft beim zuständigen Regionalreferat in Erlangen. Dafür wurde gestern zumindest in Erlangen auf der betriebseigenen Sport- und Freizeitanlage ein Kreativkurs für alle Schüler im Grundschulalter angeboten. Auch Siemens-Mitarbeiter in Forchheim konnten ihre Kinder hierfür anmelden.

Die Nachmittagsbetreuung "Schulhaus" hat in den vergangenen Jahren an Buß- und Bettag gemeinsam mit der Stadt Forchheim eine zentrale Kinderbetreuung in der Martinsschule angeboten. "In diesem Jahr gab es zu wenig Anmeldungen. Für einen Kurs hätten wir 13 Kinder gebraucht", erklärt Verwaltungsmitarbeiterin Gloria Kißmehl.


Kindermitbringtag bei der AOK

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei der Sparkasse Forchheim zu beobachten. In den vergangenen vier Jahren durften dort die Kinder den Arbeitsplatz ihrer Eltern kennenlernen. Da allerdings die Nachfrage der Belegschaft Jahr für Jahr geringer wurde, gab es heuer kein Kinderprogramm mehr, begründet eine Sparkassen-Mitarbeiterin die Entscheidung.

Traditionell veranstaltet die AOK in Bamberg an Buß- und Bettagen einen "Kindermitbringtag". Bei entsprechender Nachfrage könnte man diesen auch auf die Geschäftsstelle Forchheim ausweiten, berichtet Karin Schmich, AOK-Ausbildungsleiterin in Bamberg. "Von der Forchheimer Belegschaft gab es keine Rückmeldung, da organisierte man sich anscheinend anderweitig", so Schmich. Die Nachfrage der Mitarbeiter in Bamberg werde dafür immer größer. Wurden vor fünf Jahren nur sechs Kinder betreut, waren es in diesem Jahr 23 Kinder.

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