Kirchehrenbach
Walberlafest

Keine besonderen Vorkommnisse

Das Naturschutzgebiet wird teilweise zum Acker. Die Behörden sehen darin keinen Grund zur Beanstandung.
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Alles was den Bewuchs im Naturschutzgebiet gefährdet, ist unter Strafe gestellt. Aber nicht während des Walberlafestes. Foto: Josef Hofbauer
Alles was den Bewuchs im Naturschutzgebiet gefährdet, ist unter Strafe gestellt. Aber nicht während des Walberlafestes. Foto: Josef Hofbauer
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30 Jahre ist es her, dass die Ehrenbürg, im Volksmund "Walberla" genannt, unter Naturschutz gestellt wurde. Auf 155 Hektar sollten die "wärmeliebenden Laubwälder, Gebüsche, Halbtrocken- und Trockenrasen sowie Felsbandgesellschaften" und die für diesen Lebensraum typische Tier- und Pflanzenwelt geschützt werden.
So ist es strengstens verboten, die Lebensbereiche der Tiere und Pflanzen zu stören oder - wie es in der Schutzgebietsverordnung heißt - "durch chemische oder mechanische Maßnahmen nachteilig zu beeinflussen". Insbesondere die "endemischen Habichtskraut-Arten" (sie kommen nur hier vor) sind den Naturschützern ein Anliegen. "Die durch Hanglage, Gestein und Bewuchs bedingte Oberflächengestalt sei zu bewahren", heißt es im Gesetzestext.
"Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile bzw . zu einer nachhaltigen Störung führen könnten" sind unter Strafe gestellt.


Ausnahme von der Regel

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Während das ganze Jahr über für das Zelten oder den Betrieb von Flugmodellen drakonische Strafen mit Bußgeldern bis zu 50 000 Euro angedroht werden, gibt es für die Zeit des Walberlafestes eine Generalabsolution.
"Leider", bedauert Friedrich Oehme, Geschäftsführer der Kreisgruppe Forchheim des Bundes Naturschutz. Die Ausnahme sei explizit in die Schutzgebietsverordnung aufgenommen worden. Sie besagt: "Die Durchführung des traditionellen Walberlafestes am ersten Wochenende im Mai sei im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde" gestattet. Einer Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde zu den "Ackerfurchen" mitten im Naturschutzgebiet sehe auch er "mit Interesse" entgegen.
Nach Rücksprache mit Karin Lämmlein, der Abteilungsleiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes erklärt Pressesprecher Holger Strehl, dass es vor und nach jedem Walberlafest eine Begehung mit Vertretern der Regierung von Oberfranken (Obere Naturschutzbehörde) gebe. Dabei würden die Bedingungen für die Schausteller festgelegt.
Es sei nichts bekannt, dass heuer etwas aus dem Ruder gelaufen sei. Die entstandenen Spuren seien der Witterung geschuldet und müssten in Kauf genommen werden. Sollten beim Behörden-Treffen nach dem Fest, wofür es aber noch keinen Termin gibt, Schäden festgestellt werden, habe die Obere Naturschutzbehörde großes Interesse, Vorkehrungen zu treffen, um sie im nächsten Jahr zu vermeiden.
Bürgermeisterin Anja Gebhard findet die Schäden "nicht schlimmer als in den vergangenen Jahren". In ein paar Woche habe sich die Natur revitalisiert.


Standpunkt

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein!

von Josef Hofbauer

Mit dem Schutzgebiet Walberla ist es offenbar so, wie mit allen Gesetzen oder Verordnungen. Keine Regel ohne Ausnahme: Nehmen wir das Bundesnaturschutzgesetz. Darin ist eine Schonzeit für nistende und brütende Vögel von 1. März bis 30. September vorgeschrieben. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geldbußen.
Aber das Verbot gilt beispielsweise nicht, wenn Behörden einen Heckenschnitt veranlassen oder wenn der Verkehrssicherheit wegen ein Rückschnitt notwendig wird. Man muss also nur einen Grund finden.
Bei der Schutzgebietsverordnung für das Walberla ist es die Tradition, die eine Ausnahme bedingt. Naturschutz ja, aber bitte nicht auf Kosten unseres Festes, bei dem alljährlich mindestens zehntausend Besucher das Naturschutzgebiet, bzw. den Berg stürmen. Da heißt es für die Naturschützer Opfer bringen und auch die Naturschutzbehörden drücken die Augen zu.
Ich dagegen halte es mehr mit der Bergpredigt. Dort fordert Jesus: "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein. Was darüber ist, das ist von Übel".Von Ausnahmen ist im Matthäus-Evangelium (Mt. 5,37) nicht die Rede.

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