Buckenreuth
Entwässerung

Kanal: Eine Frage des Systems

Im nächsten Jahr soll mit der Sanierung der Kanalisation von Buckenreuth begonnen werden. Nun stellte Ingenieur Max Brust das bislang favorisierte Mischsystem in Frage.
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Ingo Kampe inspiziert Kanäle. Das System von Buckenreuth stammt aus den 60er-Jahren. Jetzt soll es saniert werden.  Archivfoto: Josef Hofbauer
Ingo Kampe inspiziert Kanäle. Das System von Buckenreuth stammt aus den 60er-Jahren. Jetzt soll es saniert werden. Archivfoto: Josef Hofbauer
Seit über zehn Jahren warten die Bürger von Buckenreuth nun schon auf eine Erneuerung der Ortskanalisation, die noch aus den 60er-Jahren stammt. Dabei waren Stadtrat und Betroffene stets davon ausgegangen, dass die Entwässerung als Mischsystem ausgeführt werden soll. Ehe im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen wird, kam Max Brust vom Ingenieurbüro Weyrauther aus Bamberg aber zu dem Schluss, dass ein Trennsystem die sinnvollere Variante darstelle.

Der Experte hatte die Pläne des Ingenieurbüros Lein aus dem Jahr 2012 noch einmal auf den Prüfstand gestellt und beide Varianten verglichen. "Eine Planung, die älter ist als drei Jahre, geht von veralteten Parametern aus", rechtfertigte Bauamtsleiter Steffen Lipfert diese Vorgehensweise.


Filter bereiten Probleme

So präsentierte Planer Max Brust den Mitgliedern des Bauausschusses das Ergebnis eines Kostenvergleichs der notwendigen Investitionen bei einem Trenn- und einem Mischsystem. Das Ergebnis: Bei der Kanalisation des Ortes im Trennsystem fielen zwar 400 000 Euro mehr Investitionskosten an, auf die "Lebensdauer" von 50 Jahren gerechnet, sei das Trennsystem sogar die wirtschaftlichere Variante.

Sorgen bereiten Max Brust vor allen die Retentionsfilter, die bei einer Mischwasser-Behandlung zwingend vorgeschrieben sind. Sie stellten einen erheblichen Aufwand beim Unterhalt und der Pflege dar. "Und es gibt noch keine Langzeit-Erfahrungen mit dieser Art der Filtertechnik", gab der Planer zu bedenken. Das Problem: Die Retentionsfilter bräuchten einen möglichst gleichmäßigen Wasser-Zulauf. Der könne aber wegen Dürre- oder Regenperioden, wie sie in den letzten Jahren aufgetreten sind, nicht gewährleistet werden. Die Folge: Die zuverlässige Funktion des Rückhaltebeckens könne nicht gewährleistet werden.


Gefahr für das Trinkwasser

"Das Risiko, dass die Retentionsfilter nicht richtig funktionieren, ist nicht klein", erklärte Max Brust. Das sollten sie aber, denn der Standort liegt in der Nähe zu unterirdischen Einzugsgebiete des Trinkwassers der Wasserversorgung Wannbach. Zu berücksichtigen seien auch die günstigeren jährlichen Betriebskosten. Sie lägen bei einem Mischsystem wegen der geringer dimensionierten Pumpe und des geringeren Stromverbrauches nicht einmal halb so hoch wie bei einem Mischwasser-System.

"Diese Darstellung hat mich überzeugt", erklärt Stadtrat Ludwig Brütting (FW). Schon allein aus Umwelt-Gesichtspunkten plädiere er fachlich für ein Trennsystem.


Bürger nicht überlasten

Auch Heinrich Sponsel (MOG) konnte sich der Argumentation des Ingenieurs nicht entziehen. Er zweifle nicht an den Zahlen. "Allerdings müssen wir daran denken, dass wir den Betroffenen finanziell nicht zu viel zumuten", zeigte sich Sponsel zurückhaltend. Ein Trennsystem bedeute nämlich, dass alle Buckenreuther ihre Höfe aufreißen und eine zweite Leitung verlegen müssten. Noch bei der Dorferneuerung seien alle davon ausgegangen, dass dies nicht nötig sei, weil damals das Mischsystem favorisiert wurde.

"Es gibt also zwei Entscheidungen, eine fachliche und eine politische", analysierte Ludwig Brütting. Die fachliche sei klar, die politische müsse im Stadtrat getroffen werden.

Das sahen auch die übrigen Mitglieder des Bauausschusses so. Nach einem Abstimmungsgespräch mit den Fachbehörden soll über die endgültige Entwässerungsvariante entschieden werden.
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