Forchheim
Versorgung

Jeder bekommt im Kreis Forchheim einen Termin

Ein Kassenpatient muss deutlich länger auf einen Arzttermin warten als ein Privatpatient - so die weit verbreitete Meinung vieler Versicherter. Doch ist das wahr? Unsere Reporter haben Fachärzte im Landkreis Forchheim getestet.
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Foto: Zerbor - Fotolia
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Bei einem Facharzt einen Termin zu bekommen ist gar nicht so schwer - zumindest im Landkreis Forchheim. Stichprobenartig haben Reporter des FT sich als Patienten ausgegeben und versucht, bei verschiedenen Fachärzten eine Untersuchung auszumachen. Im Nachgang wurden die Ärzte über den Test aufgeklärt. Dabei kam ein Ergebnis zum Vorschein, das den Vorurteilen widerspricht: Keiner unserer Testärzte hat bei der Terminvergabe nach der Versicherungsart gefragt. Scheinbar ist es den meisten Medizinern im Landkreis egal, ob ihre Patienten privat oder gesetzlich versichert sind.

Einen Termin für einen Hörtest haben wir zum Beispiel in der Praxis von Carsten Finke versucht zu bekommen. Innerhalb einer guten Woche wäre das möglich gewesen, noch schneller, hätte die Testperson auch morgens gekonnt. "Ich höre häufig von Patienten, dass sie überrascht sind, wie schnell sie einen Termin kriegen", sagt der promovierte Mediziner Finke. Seine Sprechstundenhilfe frage dabei bewusst nicht nach der Art der Versicherung. "Ich halte es für bedenklich, wenn man da Unterschiede macht", sagt Finke, "aber ich weiß natürlich auch, dass es Kollegen gibt, die Unterschiede machen." Wo die Patienten versichert sind, das frage seine Praxis natürlich trotzdem ab. Zur Abrechnung und zum Anlegen einer Patientenkartei wird das benötigt. Aber dann ist der Termin schon vergeben.


Nur Termine für Stammkunden

Noch schneller hat es beim Test des Fränkischen Tags bei einem Gynäkologen geklappt. Noch in derselben Woche bekam die Testerin einen Termin. Bei einer anderen Frauenärztin war das jedoch nicht möglich. Einen Termin bei ihr zu vereinbaren sei grundsätzlich nur für Stammkunden möglich, heißt es.

Häufig hört man, es sei schwierig, einen Termin bei einem Orthopäden zu bekommen. Es dauert zwar etwas länger, wenn es kein akuter Fall ist: Aber innerhalb von zwei Wochen hat die Test-Patientin auch hier einen Termin bekommen. "Wenn der Patient akute Schmerzen hat, dann geht es auch schneller", versichert die Sprechstundenhilfe dieses Arztes. Trotzdem: Zwei Wochen ist für einen Termin bei einem Facharzt keine lange Wartezeit. Es gibt jedoch Regionen, in denen es offensichtlich schwerer ist, einen Termin zu erhalten. Deshalb haben mehrere Krankenkassen einen Facharzt-Service eingerichtet. Die Techniker-Krankenkasse (TK) bietet diesen seit 2010 seinen Versicherten an. "Wir möchten unsere Versicherten unterstützen", sagt Stephan Mayer, Pressereferent der TK, "wir wollen auf Dauer nicht hinnehmen, dass unsere Versicherten länger warten."

Bei der TK wurden im vergangenen Jahr 51 000 Terminanfragen vermittelt - 3000 davon in Bayern. Hier scheint es also weniger Probleme zu geben als in anderen Bundesländern. Mit fast 15 Prozent aller Anfragen werden besonders Termine beim Hautarzt nachgefragt. Es folgen die Radiologen mit knapp 13 Prozent vor den Neurologen mit zwölf Prozent, berichtet Mayer. Er betont, dass 80 bis 90 Prozent des Umsatzes eines Arztes von den gesetzlichen Versicherungen stammen. "Viele Ärzte bemühen sich wirklich", sagt Mayer, "es sind die Ausnahmen, die Unterschiede machen." Acht von zehn TK-Kunden (82 Prozent), die den Terminservice nutzten, erhielten zum gewünschten Zeitpunkt beim Facharzt die Behandlung, sagt der Pressereferent. Etwa genauso viele hatten vorab selbst erfolglos versucht, einen Termin zu erhalten. "Die Vermittlungsquoten zeigen, dass es keinen Grund gibt, manche Patienten länger als einen Monat auf einen Behandlungstermin warten zu lassen", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. Im Freistaat gibt es mittlerweile etwa 13 700 praktizierende Fachmediziner mit Kassenzulassung.


Praxis ohne Kassensitz

Aber nicht jeder Arzt, der praktiziert, hat auch eine kassenärztliche Zulassung. Zu ihnen gehört Hans Martin Blümlein. Der promovierte Urologe hatte über lange Zeit in Forchheim eine Praxis und nahm auch Kassenpatienten auf. Seit Anfang des Jahres hat sich das geändert. "Ich habe schon 2010 im Alter von 63 Jahren meine Praxis mitsamt der kassenärztlichen Zulassung verkauft", erzählt Blümlein, "ich wollte frühzeitig die Nachfolge geklärt haben." Weitere vier Jahre praktizierte er in seiner alten Praxis mit, seit diesem Jahr hat er eine private Praxis: für Selbstzahler und Privat-Patienten. "Es tut mir auch leid um Patienten, die schon jahrelang bei mir waren", sagt Blümlein. Aber in der Region gibt es genügend Kassensitze. Da diese begrenzt sind und er keine Chance auf einen weitere Zulassung habe, praktiziere er nun eben auf privater Basis bis zur Rente.

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