Nankendorf
Tradition

In Nankendorf lodern die Feuer

Zum insgesamt 66. Mal findet an Silvester das Lichterfest statt. Das Fest der Ewigen Anbetung aber ist deutlich älter.
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Ja, sie haben Recht. Aber dann auch wieder nicht. Manche Leute behaupten, das Nankendorfer Lichterfest wird seit den 1920er Jahren gefeiert. Und die mehrfach genannte Jahreszahl 1948 stimmt ebenfalls nicht. Richtig ist: Das Abbrennen der Lichter an Silvester wird in Nankendorf seit Silvester 1950 durchgeführt. Heuer findet es damit also zum 66. Mal statt.
Die Ewige Anbetung an sich stammt dagegen schon, wie bei allen anderen katholischen Gemeinden im Bistum Bamberg, aus dem Jahre 1759.

Das ist das Ergebnis von Recherchen im Pfarrarchiv von Nankendorf. Dort gibt es ein "Tagebuch der Kuratie Nankendorf", in dem seit 1927 alle wichtigen Ereignisse der Pfarrgemeinde festgehalten werden. Es war eine spannende Suche. In ihrem Mittelpunkt stand die Frage, wie lange es das Lichterfest schon gibt. Die Suche begann mit der Befragung älterer Einwohner von Nankendorf. Keiner von ihnen aber erinnerte sich daran, dass während oder auch vor dem Zweiten Weltkrieg Lichter in den Hängen entzündet worden sind - obwohl in einigen Veröffentlichungen behauptet wurde, schon 1927 habe das erste Lichterfest stattgefunden.


"Endlose Menschenreihe"

Es hat eines stattgefunden damals, das ist nachweisbar. Aber eben nicht anlässlich der Ewigen Anbetung an Silvester. 1927 wurde Nankendorf zur Kuratie ernannt: ein Pfarrhaus gebaut, ein Pfarrer installiert - nach Hunderten von Jahren ohne eigenen Seelsorger. Um das Ereignis gebührend zu feiern, führte am ersten Mai eine Prozession durchs Dorf zur Pfarrkirche.

Darüber schrieb der Wiesent-bote am 3. Mai: "Es zog eine schier endlose Menschenreihe von der Aukapelle mit Fackeln zur Kirche, wo ein feierlicher Segen den historisch denkwürdigen Tag beschloss. Dabei loderten rings auf den Felszacken gespenstisch schöne Leuchtfeuer und Kirche wie Tal waren in rotes Licht getaucht." 1948 war für Nankendorf ein ebenso wichtiges Jahr: Die barocke Pfarrkirche, ein mächtiges Sinnbild für die Urpfarrei und damit viel älter als das Bistum Bamberg, feierte am 10. Oktober ihren 200. Geburtstag. Und wieder erhöhten die Nankendorfer das Fest mit einer Lichterprozession.

In der Lokalpresse stand zu lesen: "Unter Glockengeläute, Böllerschüssen und den Klängen einer Musikkapelle zog eine beträchtliche Menschenmenge durch das Wiesenttal, das im Widerschein unzähliger bengalischer Feuer einen unbeschreiblich romantischen Anblick bot. Am hohen Brunnstein erstrahlte das beleuchtete Missionskreuz, das zum Abschluss der dem Fest vorausgegangenen Mission eingeweiht worden war.
Am Talrand leuchteten die Jahreszahlen des Jubiläums. Alle Häuser erstrahlten im Lichterglanze, die Kirche selbst erglänzte im Scheinwerferlicht. Wohl kaum hat das Wiesenttal eine solche eindrucksvolle und erhebende Feierstunde je erlebt."

Dem ist aus heutiger Sicht nichts hinzuzufügen - außer den Satz: Noch schöner schaut das Ganze aus, wenn die Hänge mit blendend weißem Schnee bedeckt sind, die Flammen dadurch reflektieren und den Lichterglanz verstärken. Warum die Nankendorfer ein Lichterfest als Krönung der ewigen Anbetung veranstalten, darüber kann nur spekuliert werden. Ein möglicher Grund wäre das Konkurrenzverhalten zur Kirchengemeinde Plankenfels. Ebenfalls im Tagebuch nachzulesen ist das Faktum, dass der damalige Waischenfelder Stadtpfarrer Schütz die Kuratiekirche lieber in Plankenfels eingerichtet hätte als in Nankendorf.

Die Nankendorfer setzten sich aber mit dem Hinweis auf ihre uralte Kirchengeschichte beim Bischof in Bamberg durch. Der Wirkungsbereich der Pfarrei Nankendorf erstreckte sich rings um die Stadt Waischenfeld. So kam es beispielsweise zu der kuriosen Situation, dass Leichenzüge aus Hannberg, die zur Pfarrei Nankendorf gehörten, in Waischenfeld nur "durchgeläutet" wurden. Die Beerdigung fand wegen der Pfarreizugehörigkeit erst im Nachbarort Nankendorf statt. Und auch die Plankenfelser kämpften.

Zuerst um eine eigene Kuratie (1939), dann holten sie 1949 ohne Zustimmung des Nankendorfer Pfarrers einen "Kommoranten", einen Geistlichen, der ohne Ausübung der Seelsorge an einem Ort ansässig war, ins Dorf, was die Kirchengemeinde laut Tagebuch "spaltete".


Eigene Betstunden

So "kippelten" sich die Kirchengemeinden immer wieder gegenseitig an und versetzten sich Nadelstiche. Einen Höhepunkt erreichten die Streitigkeiten, als die Nankendorfer vom Bamberger Bischofstuhl darüber informiert wurden, dass Plankenfels auf eigenen Wunsch zwei eigene Betstunden und zwar am Silvesterabend zugesprochen bekam.

Das war ebenfalls 1949 und ein Sturm der Entrüstung ging durchs Dorf. Gut möglich, dass die Nankendorfer als Reaktion auf die Mitteilung in der Plankenfelser Betstunde eine Bedrohung ihrer Silvester-Beststunden sahen und ein Jahr später mit einem Lichterfest darauf reagierten. Apropos Lichterfest: Mancher Pfarrer hört dieses Wort heute nicht mehr gerne, weil es an die kommerzielle Seite der Ewigen Anbetung, an Bratwurst- und Glühweinbuden entlang des Prozessionsweges, erinnert. Im Nankendorfer Kuratietagebuch ist ausdrücklich und immer wieder die Rede von einem Lichterfest.

Offensichtlich hat man damals unterschieden zwischen den streng kirchlichen Betstunden in der Kirche und dem anschließenden Fest zum Abschluss der ewigen Anbetung in Form der Prozession und der beleuchteten Hänge.
Der Bamberger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim führte die Ewige Anbetung im Bistum Bamberg zum 1. Januar 1759 ein.
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