"Etwas schade finde ich es schon, dass es jetzt vorbei ist", bedauert der 13-jährige Johannes Lüll, für den gerade die wohl kürzeste Amtsperiode, die ein Oberbürgermeister "amtieren" durfte, zu Ende gegangen ist. Gerade mal drei Tage lang war Johannes Oberbürgermeister von "Mini Forchheim"; einer Kleinstadt, die im Rahmen eines Ferienprojektes, veranstaltet von der Offenen Jugendarbeit Forchheim-Nord und Kathrin Reif vom Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus, auf dem Gelände der Adalbert-Stifter-Schule "aus dem Boden gestampft" wurde.

In der kurzen Legislaturperiode hatten Oberbürgermeister Lüll und seine Stadträte Phillipp Michel (8), Moritz Lüll (8), Oliver Taubmann (8), Jonas Wagner (10) und Nicole Karg (12) so einige Themen zu diskutieren. "Als erstes haben wir eine Lohnerhöhung für alle beschlossen", zieht Johannes Lüll Bilanz über die dreitägige "Regentschaft" über Mini-Forchheim. "Wir haben die Löhne von drei Quaks auf fünf Quaks für eine halbe Stunde Arbeit angehoben", erzählt Oberbürgermeister Lüll, der mit dem "Quak" eine eigene Währung in Mini-Forchheim eingeführt hat. Damit wurde die kleine Stadt, bestehend aus mehreren Zelten, zur eurofreien Zone erklärt.

Spende vergeben


"Geld verdienen konnten sich die Bewohner in den verschiedensten Berufen. So konnte man sich beispielsweise als Müllmann (das Schulgelände der Adalbert-Stifter-Schule wurde grundlegend gereinigt), als Polizist, Reporter oder auch als Mitarbeiter bei der Betreuung von Kriminalitätsopfern oder im Sanitätsdienst für das Bayerische Rote Kreuz versuchen und so pro halbe Stunde "Quaks" verdienen. Das Geld konnte man entweder auf ein Konto bei der Mini-Forchheim-Sparkasse einzahlen, oder sich damit andere Freizeitaktivitäten wie beispielsweise Drachen bauen, Porzellan bemalen, Spielgeräte ausleihen, Taschen basteln, oder Tennisstunden finanzieren.

"In einer Eilsitzung haben wir auch beschlossen, wie wir eine Spende von 250 Euro verwenden sollen", erzählt Lüll. Mehrheitlich entschied sich der Stadtrat dazu, das von der Sparkasse Forchheim zur Verfügung gestellte Geld aufzuteilen und 100 Euro an das Forchheimer Tierheim und 150 Euro an das Jugendhaus Forchheim zu spenden. Die Scheckübergabe nahm natürlich Stadtoberhaupt Johannes Lüll vor.

An Original-Schauplätzen


"Das Projekt war total cool, aber viel zu kurz", resümierte der 13-jährige, der sich mit seiner Rolle als Oberbürgermeister von Mini-Forchheim so richtig angefreundet hatte. Natürlich wurde der Mini Stadtrat genauso wie die erwachsenen Stadträte vereidigt. Die Sitzungen fanden im Forchheimer Rathaus statt, dort, wo die Arbeit eines Oberbürgermeisters und dessen Stadtrat in Wirklichkeit erledigt wird.

"An drei Tagen wurde Mini-Forchheim immer von zehn bis 16 Uhr Leben eingehaucht", erklärt Bettina Schuierer, die gemeinsam mit Kathrin Reif vom Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus überrascht über die große Resonanz bei diesem Ferienprojekt war. Mit insgesamt fast 200 Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 15 Jahren, die an diesem Projekt teilnahmen, wurden die Erwartungen der Organisatorinnen weit übertroffen. Um am Projekt teilnehmen zu können, mussten im Vorfeld Tagespässe für jeweils drei Euro pro Person und Tag als Unkostenbeitrag erworben werden. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, für 1,50 Euro ein preisgünstiges Mittagessen dazu zu buchen. Die Projektidee wurde aus anderen Städten, in denen die "Mini-Stadt" bereits erfolgreich läuft, importiert.

Mit einer Kampfkunstvorführung des Warriors Martial Arts Team aus Forchheim und einer Feuershow ging das Projekt zu Ende. Müde und erschöpft ziehen Bettina Schuierer und Kathrin Reif nach den drei Tagen eine durchwegs positive Bilanz. "Wir sind allen dankbar, die dieses Projekt unterstützt haben", so Schuierer. Auf Grund des großen Erfolges wird es auch im nächsten Jahr wieder eine neue Auflage der "Mini Forchheim"-Veranstaltung geben.

Juristisch nicht ganz korrekt


Oberbürgermeister Franz Stumpf lobte die Veranstaltung als "eine tolle Sache", wenn auch gleich der Jurist bei der Würdigung der Projektumsetzung wieder durchkam. "Ein Oberbürgermeister und ein Stadtrat aus der gleichen Familie dürfen nicht sein. Da wurde gegen die Gemeindeordnung verstoßen", schmunzelte das juristisch versierte Forchheimer Stadtoberhaupt. Er hatte nämlich herausgefunden, dass Oberbürgermeister Johannes und Moritz, der in den Mini-Stadtrat gewählt wurde, Brüder sind.