Kunreuth
Wahl

In Kunreuth zieht es keinen ins Bürgermeisteramt

Die Kunreuther verzichten darauf, einen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu nominieren. Zwei mögliche Bewerber winken ab.
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Bei der Versammlung in Kunreuth gab es ratlose Gesichter. Foto: Galster
Bei der Versammlung in Kunreuth gab es ratlose Gesichter. Foto: Galster
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Kunreuth ist die einzige Gemeinde im Landkreis Forchheim, die nach den Gemeinderatswahlen noch keinen neugewählten Bürgermeister hat. Amtsinhaber Hermann Ulm (parteilos) ist zum neuen Landrat gewählt worden und muss deshalb sein Amt in Kunreuth an den Nagel hängen.

Jetzt werden die Kunreuther am 25. Mai, wenn auch die Europawahl stattfindet, ein weiteres Mal an die Urnen gerufen. Der Ortsteil Weingarts hat bereits einstimmig den bisherigen Zweiten Bürgermeister Konrad Ochs (CSU/Bürgerblock) zu seinem Kandidaten gemacht.

Kritik an der engen Frist

"Demokratie" und die Liste SPD/Freie Bürger hatten jetzt ins Sportheim eingeladen, um das Ergebnis der Kommunalwahlen zu analysieren und zu überlegen, ob man für Kunreuth einen eigenen Kandidaten aufstellt. Ernst Strian, der Sprecher von "Demokratie", moderierte die Diskussion.
Scharf kritisierte Strian die behördliche Vorgabe, bis zum 3. April die Entscheidung mitzuteilen. Die Frist sei zu knapp gefasst.

Bedrückend wirkte auf die Anwesenden die Tatsache, dass Weingarts im neuen Gemeinderat sechs und Kunreuth nur vier Mitglieder stellt. Dazu kommen zwei Räte aus Ermreus und ein mögliches Gemeindeoberhaupt aus Weingarts. "Wir haben die Schnauze voll bekommen und müssen nun Wunden lecken", drückte Strian die Stimmung aus.

Wirft ein Kunreuther Gemeinderat den Hut in den Ring? - das war die Frage. Im Sinne einer demokratischen Wahl wäre es schön, wenn einer kandidiere. Es müsse ja keine Kampfkandidatur sein, war zu hören.

Der Wert von Harmonie

Zu wach war aber vielen noch die Erinnerung an die Wahl vor sechs Jahren, die vorübergehend einen tiefen Graben zwischen die Dörfer gerissen hat. Klaus Guhl nannte es das Verdienst von Ulm, die Harmonie wiederhergestellt und fruchtbare Arbeit geleistet zu haben. Diese Harmonie sollte man nicht zerstören. Für Jürgen Bernard ist zu viel Harmonie allerdings auch nicht gut.

Die Blicke gingen zu Ernst Strian. Der aber winkte ab. Er könne das Bürgermeisteramt nicht mit seinem Beruf vereinbaren. Wichtig sei aber, Präsenz in der Gemeinde zu zeigen, sagte Strian und dachte dabei schon an die Wahlen in sechs Jahren.

An Ochs führt kein Weg vorbei

"Weingarts war logistisch besser aufgestellt, der CSU-Bonus ist nicht wegzudiskutieren", analysierte ein weiterer Teilnehmer. 853 Bürger haben in der Gemeinde gewählt. Konrad Ochs erhielt mit 1243 die mit Abstand meisten Stimmen als Gemeinderat, gefolgt von Georg Hötzelein (CSU/Bürgerblock) mit 804 Stimmen. "Konrad Ochs hat sein Potenzial ausgeschöpft, da haben wir doch rechnerisch eine Chance. Vielleicht ein junger Kandidat. Ebermannstadt und Effeltrich machten es doch vor", lautete eine weitere Überlegung.

Wiederholt schauten einige Teilnehmer Bernd Wohlhöfer an. Er kandidierte auf der Bürgerliste Ermreus. Er wäre ein neutraler Kandidat: weder aus Kunreuth noch aus Weingarts. Wohlhöfer aber bleibt ganz ruhig, schüttelt den Kopf: "Ich bin viel in Weingarts engagiert und kann mir nicht vorstellen, gegen Ochs zu kandidieren."

Die Diskussion zeigte, dass man im Ort grundsätzlich gern den Bürgermeister stellen würde. Nur, ein erfolgversprechender Kandidat ist nicht in Sicht. Konrad Ochs sei daher die beste Variante, stellte Ernst Strian am Ende fest. Keiner widersprach, die Entscheidung war gefallen. "Wir sind keine Orts-, sondern Gemeindevertreter", sagte noch einer. Das war vielleicht der wichtigste Satz des Abends.
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