"Wir waren so nahe dran, das Projekt bereits nach dem ersten Drehtag abzubrechen", gibt Kari Hennig, Kameramann, Videoproducer und Fotodesigner aus Forchheim, im Pressegespräch offen zu. Das Wetter hat der Filmcrew kräftig zugesetzt. Szenen mussten gleich mehrfach eingespielt werden und ständig wechselnde Wetterszenarien - Schnee- und starke Regenfälle - in einem achtminütigen Kurzfilm, der an zwei Drehtagen entstanden ist, machen sich eben beim Besucher auch nicht gut.
Die Folge: Gleich nach dem ersten Drehtag stand das Projekt auf der Kippe. "Nachdem wir aber mit tollen Schauspielern zusammenarbeiten, habe ich beschlossen, den Filmdreh weiterlaufen zu lassen", sagt Hennig. Gedreht wurde auf einer Lichtung zwischen Kersbach und Effeltrich. Sethund Mikey, der auch im Film eine Rolle spielen durfte, trotzte - ganz im Gegenteil zu der Filmcrew und den vier Schauspielern - dem Wetter und war erstaunlich gut gelaunt, zu gut für den Film. "Keiner hat gesagt, dass du gut drauf sein sollst, das ist ein ernster Film", scherzte Hennig und hatte mit diesem Kommentar die Lacher der rund 20-köpfigen Filmcrew auf seiner Seite.

Der Titel des Streifens lautet "Die Grube", so Filmemacher Hennig. Der Film spielt zur Zeit der Judenverfolgung in Deutschland. Zwei deutsche Brüder sind auf der tödlichen Jagd nach einem Judenjungen und treiben diesen in eine Grube am Waldesrand, um ihn dort zu erschießen. Der jüngere der beiden Geschwister klettert in die Grube hinab - doch dort werden ihm die Augen geöffnet und er erkennt die sinnlose Gewalt. Kari Hennig, der gemeinsam mit Martin Arend und anderen Personen die Regie übernommen hat, achtet auf jedes Detail, damit der Film auch gut beim Publikum ankommt.


Der Ton wird später gemacht

Gearbeitet wurde am Drehort im Übrigen nur mit Film-, aber ohne Tonaufnahmen, wie Hennig erläutert. Dazu hatte man sich ebenfalls kurzfristig entschlossen, da die Filmaufnahmen immer wieder durch laute Geräusche von der naheliegenden Kreisstraße und von Böllerschüssen gestört wurden. "Wir arbeiten hier mit einer sogenannten Nachsynchronisation, oder Nachvertonung", erläutert der Filmemacher. Nachdem das Wetter der Filmchrew am Samstag den sprichwörtlichen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, hieß es für alle Beteiligten am Sonntag ganz früh aufstehen, um den Verzug wieder aufzuholen. Szene für Szene wurde abgedreht. Hennig treibt seine Crew an, und stellt Anja Funk immer wieder vor Herausforderungen, die die professionelle Kamerafrau, die auch freiberuflich für Oberfranken-TV arbeitet, immer mit eigenen Ideen ergänzt.
Jetzt gerade folgt die Szene, nachdem der jüngere der beiden Brüder sein erstes Opfer erschossen hatte und nun in eine Grube stürzt. Immer und immer wieder wird - die Kamera auf die Füße des Schauspielers gehalten - lässt er sich abrutschen und wird an den Ärmeln von Sethelfern abgesichert.

Und Mickey? Der ist immer noch bestens gelaunt und holt lieber Stöckchen, anstatt konzentriert zu arbeiten. "Der Dreh mit Tieren zieht immer Überraschungen nach sich", sagt Hennig und weiß, mit solchen Situationen umzugehen; er ist ganz Profi. Da wird schnell Marius, der als Leiche mitten im Matsch liegt, ein Leckerli den Mantelkragen gesteckt, sodass Mickey sich ernsthaft, aber besinnt auf Nahrungssuche begibt und schließlich die Szene im Kasten ist. "Perfekt", freut sich Hennig, dass der Sonntag der bessere von beiden Drehtagen ist; man kommt gut voran.


"Türöffner für" Schauspielernachwuchs

Die Schauspieler kommen aus ganz Deutschland, keiner bekommt Geld, sondern der Schauspielernachwuchs nutzt den Kurzfilm als "Türöffner", um vielleicht einmal in größeren Produktionen eine Rolle zu bekommen. Mit im Schauspiel-Team auch Marius Bloß aus der Nähe von Münchberg, der Mitglied im "Arbeitskreis Video" des Stadtjugendrings Münchberg ist. Mit dabei auch Nachwuchsproduzenten des Arbeitskreises, die bereits mit verschiedenen Preisen für ihre Filme ausgezeichnet wurden. Hugo Singer, der den Arbeitskreis vor 15 Jahren gegründet hat und als Betreuer mit von Münchberg nach Effeltrich gekommen ist, ist voll des Lobes über seine Jungs. Kari Hennig im Übrigen auch. "Es sind diesmal echt tolle Schauspieler dabei", lobt Hennig, der die jungen Talente über Schauspielbörsen kennengelernt hat. Gearbeitet wurde aber nicht nur mit Kameras am Boden, sondern auch Drohnen kamen zum Einsatz.

Verschiedene Einstellungen seien wichtig, denn die Einstellungen würden schließlich auch die Geschichte nacherzählen. Rund einen Monat soll es noch dauern, bis der Film geschnitten und schließlich noch nachvertont, also dann quasi fix und fertig über den Bildschirm flimmern kann. Mit zunehmender Arbeitsdauer sinkt auch merklich die Anspannung des Filmemachers. "Es macht einfach Spaß, mit so tollen Schauspielern arbeiten kann, die erleichtert einiges", schwärmt Hennig, der die kurze Drehpause für das Interview genutzt hat und seine Truppe wieder zusammentrommelt und schon wieder die nächste Szene dreht.